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    TITEL kulturmagazin
    Samstag, 24. Juni 2017 | 02:10

    Iris Wewer: Ich und meine wilde Schwester

    11.02.2010

    Geschwisterglück

    Das geschwisterliche Miteinander ist ein ständiges Auf und Ab. Wer könnte besser davon erzählen als ein kleiner Bruder, der eine große Schwester hat. Von ANDREA WANNER

     

    So ist das halt mit den großen Schwestern: Mal sind sie total überheblich und ignorieren einen, auch wenn man noch so sehr darum bettelt, dass sie mit einem spielen, dann wieder sind sie Initiatorinnen für die verrücktesten Späße. Leider weiß man als jüngerer Bruder nie, wann was angesagt ist.

     

    In so einer Nichtbeachtungsphase gleicht die große Schwester am ehesten einer Giraffe: Sie trägt den Kopf ganz weit oben und hört nicht mal, was der kleine Bruder von ihr will. Was bleibt dem da anderes übrig als zum rumstänkernden Stinktier zu werden? Am liebsten mag der Jüngere sie als großen, dicken, lieben Bären. In den verwandelt er sich dann auch und gemeinsam toben sie durch die Gegend. Genial ist auch das Hasenspiel: Es steckt voller Bewegung und Action. Kein Wunder, dass die Hasen als die glücklichsten Tiere gelten. Klug verkündet die große Schwester: „… wenn sie hüpfen, hüpfen auch ihre Herzen. Vor Glück nämlich.“ Und dieses Gefühl kann der kleine Bruder nur zu gut nachempfinden.

     

    Dem quirligen Übermut folgt die jähe Ernüchterung. Pimpie, die Freundin der Schwester, steht plötzlich vor der Tür, und die beiden gehen gemeinsam ins Schwimmbad, teeniemäßig gestylt mit Sonnenbrille und bunten Ketten um den Hals. Cool eben. Aus das Spiel. Vergessen. Da sitzt er nun, der sitzengelassene Hase: einsam, traurig, unglücklich. Und sinnt bereits auf Rache. Einer Rache, die erneut im herrlichen, gemeinsamen Spiel endet.

     

    Freud und Leid

    Iris Wewer beschreibt Geschwisteralltag auf liebevolle, einfühlsame Weise. Mal klappt es bestens, dann wieder macht sich der Altersunterschied bemerkbar, trennt ein Interessenkonflikt Bruder und Schwester, die gerade noch ein Herz und eine Seele waren. Die fröhlichen Illustrationen bewegen sich auf dem Grat zwischen Verkleidung und Verwandlung. Auch wenn die Hasenohren und das Stummelschwänzchen aus der Verkleidungskiste stammen: Die Hasenhopser sind echt. Die Storchenschnäbel werden von einem Gummi gehalten, aber das Fliegen gelingt tatsächlich.

     

    Spiel wird zur Realität, es gibt nichts, was nicht möglich wäre, wenn man so in seine Rolle schlüpft. Das Abenteuer ist grenzenlos, der Bewegungsdrang ist außerordentlich. Auf so etwas Banales wie den Seitenrand kann man da kaum Rücksicht nehmen. Perspektivisch originell stürmen die Zwei durchs Buch. (Und wer genau hinschaut, wird eine Vielzahl witziger Details entdecken, die sich am Rande der Geschichte abspielen.)

     

    Umso größer die Enttäuschung, wenn einer von beiden plötzlich aussteigt. Wir können’s nachfühlen. Gerade noch akzeptierter und geschätzter Partner und plötzlich fallengelassen wie die berüchtigte heiße Kartoffel. Tja, große Schwestern sind nun mal nicht berechenbar. Echter Ärger, gespielte Wut, bodenlose Enttäuschung und immer wieder reine Spielfreude, unbedingte Nähe und harmonische Eintracht: Das ist Geschwisterleben. Siege und Niederlagen wechseln sich ab, Iris Wewer hat unverbrauchte Bilder dafür gefunden. Und wer es erlebt (hat), wird das Buch lieben.

     

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