• losttorrent
  • richtorrent
  • pushtorrent
  • Titel-Magazin
    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 20. August 2017 | 06:07

    Philipp Seefeldt: Ida still im Menschenmeer

    04.02.2010

    Stadtführung der besonderen Art

    Einen Preis hat es schon, das zweite Bilderbuch des jungen Grafik-Designers Philipp Seefeldt, und ist damit wieder eine dieser bedauernswerten Veröffentlichungen, die bei der Kritik auf viel Gegenliebe stoßen. Der Weg ins heimische Kinderzimmer, ob gekauft oder in einer Bibliothek ausgeliehen, ist hingegen steinig und beschwerlich. Warum eigentlich? Von BEATA MAINKA

     

    Ida kommt ziemlich fesch daher, angetan mit feinem Mäntelchen, schickem, rosa Hut, feinem Schuhwerk und einem Regenschirm. Sie wohnt in einem großen Haus ganz oben, mit Rundblick über die Stadt, die anhand des typischen Fernsehturms sofort als Berlin zu identifizieren ist. Und sie nimmt uns mit auf einen recht eigenwilligen Trip durch ihre Stadt. Bereits über die Regelung des Verkehrs hat sie ihre ganz eigenen Vorstellungen, den übernimmt nämlich das Faulenzertier, und wenn das nicht aufpasst, gibt es halt Stau oder Unfälle, logisch, oder?

     

    Von einer Attraktion zur nächsten befördert sie der unterirdische gelbe Wurm, der Reichstag kommt als Schildkröte daher, mit gläsernem Panzer, die Currywurst wächst auf Bäumen. Wie soll die Großstadtpflanze auch wissen, woher die Wurst stammt? Wunderschön ist der Potsdamer Platz als Hafen mit lauter Ozeandampfern dargestellt, die durch das Menschenmeer wogen. Man merkt gleich, Ida liebt ihre Stadt und weiß das gekonnt zu vermitteln.

     

    Berlin mit Kinderaugen betrachtet

    Philipp Seefeldt trägt der überbordenden Fantasie seiner kleinen Stadtführerin mit seinen Illustrationen in gedämpften Tönen Rechnung. Stellenweise erreichen die Bilder dank der Collagentechnik eine faszinierende, fast dreidimensionale Tiefe und laden dadurch ein, genauer hinzuschauen, kleine, mitunter hinreißend witzige Details zu entdecken, wie etwa ein in Idas Vorstellungswelt zum Kinderwagen umfunktionierter Bagger.

     

    Der schreiend bunten, hektischen Glitzerwelt der Großstadt entkommt das Kind, indem es Oasen der Ruhe findet, etwa auf der großen Rasenfläche vorm Reichstag oder am Ufer der Spree, die vom Brückentier überspannt wird. Und so bekommen große und kleine Betrachter allmählich große Lust, Berlin neu oder wieder zu entdecken und diese Stadt zu erleben.

     

    Erfrischend anders

    Genau darin liegt die Stärke dieses Bilderbuches, inmitten all der verniedlichenden Tierlein- und pausbäckigen Kindlein-Bilderbücher bietet dieser Titel einen wohltuend neuen Blickwinkel auf altbekannte Sehgewohnheiten, präsentiert von einer höchst selbstbewussten, jungen Dame mit Stil. Aus dieser Perspektive hat noch kein Stadtführer Berlin präsentiert, poetisch, liebevoll und mit herzerwärmender Naivität.

     

    Kinder werden begeistert einsteigen in Idas Bilderwelt, wenn wir uns trauen, unsere Erwachsenenvorbehalte gegen künstlerisch ambitionierte Bilderbücher zu überwinden und zu diesem außergewöhnlichen Titel zu greifen.

     

    | kommentar schreiben

    Name:
    Kommentar:

    ... bis sie dann gestorben sind.

    Wenn Comics sich klassischen Märchenmotiven widmen, dann tun sie das meist in Form einer eher überzogenen Parodie. Selbst wenn sich dahinter so viel Sophistication verbirgt wie hinter ...

    Ein Igel erlebt sein blaues Wunder

    Neue Kartracer haben es nicht leicht. Auch nach 20 Jahren ist der Schatten der einstigen Genregröße Mario Kart so mächtig, dass sich jeder neue Titel einen Vergleich ...

    Musik in Schwarz-Weiß

    Noch ein paar Tipps für die Tage in denen Stimmung und Landschaft sich den Grau-Tönen nähern und die richtige Musik dabei hilft, ruhige Momente zu ...

    Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

    Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

    Das Ende der Sommerzeit

    Es gibt Bücher, die schleichen sich ganz unmerklich ins Herz und treffen einen im Innersten. Tamara Bachs Geschichte gehört dazu. Von ANDREA WANNER

    Wer will fleißige Handwerker sehn

    Der Künstler und ehemalige Hartz IV-Empfänger Van Bo Le-Mentzel hat zusammen mit seiner Crowd ein DIY-Forum geschaffen und mittels Schwarmfinanzierung auch gleich ein Buch drucken lassen. ...

    10 Gründe, Engelmann zu lieben

    Aufgelistet von BRIGITTE HELBLING

    Der Spielplatz macht zu

    Nach drei Ausgaben wird das Games-iPad-Magazin Spielplatz wieder eingestellt. Was dahinter steckt, wollte RUDOLF INDERST im Gespräch mit den beiden Machern Henning Ohlsen und Mark ...

    NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter