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    TITEL kulturmagazin
    Mittwoch, 26. Juli 2017 | 14:47

    Shaun Tan: Die Fundsache (ab 6)

    05.11.2009

    Wider das Alltagsgrau

    Manche Sachen passen einfach nicht in diese Welt. Was macht man, wenn man so etwas findet? Sich verzaubern, sich in eine andere Welt entführen lassen? Oder sich dann doch wieder an das Alltagsgrau anpassen, die Fundsache wegbringen, alles vergessen? Von GEORG PATZER

     

    Wenn man etwas findet, muss man es zurückgeben. Im Notfall beim Fundbüro, denn irgendwem wird es ja wohl gehören. Aber wenn dann das Fundbüro kein schöner Ort ist, sondern ein „großes, graues Gebäude ohne Fenster“? Und man sich mit der „Fundsache“ schon angefreundet hat? Und sie „ein kleines, trauriges Geräusch“ von sich gibt? Und wenn dann noch eine Stimme sagt: „Hier wird vergessen, zurückgelassen, glattgebügelt“… Nein, dann nimmt man die Fundsache doch lieber wieder mit.

    So ging es auch dem Erzähler dieser kleinen Geschichte von Shaun Tan. Am Tag zuvor war er durch die Stadt gestreunt, mit seiner Kronkorkensammlung beschäftigt. Ging zum Strand, das Buch „Welcher Kronkorken ist das?“ unter dem Arm. Und sah dann plötzlich „das Ding“: „Viel machte es nicht. Es stand bloß da, wie fehl am Platz.“ Groß und rot war es, überall waren Türen und Öffnungen, kleine Ärmchen und große Greifer kamen heraus und Beinchen, und obendrauf saß ein Deckel mit roten Spitzen. Lange spielten die beiden miteinander, aber dann wurde es klar: „Die traurige Wahrheit war nicht zu leugnen. Es war allein.“ Und so nahm er das Ding mit nach Hause, wo seine Eltern es kaum wahrnahmen, obwohl es das halbe Wohnzimmer einnahm, und dann nur meckerten: „Bring es weg!“ Er versteckte es im Schuppen, fütterte es.

    Aber irgendwo musste es dann doch hin!

    Es ist eine traurige und witzige, poetische und melancholisch aufmüpfige Geschichte, die Shaun Tan in seinem Buch Die Fundsache mit vielen Bildern und mit wenig Text erzählt. Verspielt trödelt da der Junge durch die Gegend, verbiestert starren die Eltern durch das Ding hindurch, weihnachtlich funkelt es, als es gefüttert wird und man in seinem Inneren Zahnräder und lebende Wülste entdecken kann.


    Eisgrau droht das Fundbüro über eine ganze Seite. Technisch, quadratisch, abgezirkelt sind die Stadt und die „normalen Leute“, und sommerlich luftballonbunt, hingebungsvoll leicht, phantastisch durcheinander ist das Land, in dem das Ding am Schluss dann landet. Wo eigentlich nichts hingehörte, aber alle ganz fröhlich waren.


    „Fragt mich nicht nach der Moral“, sagt der Junge am Schluss, aber genau das ist sie: Dass man sich mit dem beschäftigt, was in diese Welt hineingeweht wurde oder aus ihr hinausgefallen ist. Das „irgendwie seltsam, traurig, allein ausschaut.“ Dass man nicht zu erwachsen wird. Sonst endet man wie der Junge, der am Schluss sagt: „Aber solche Dinge fallen mir in letzter Zeit seltener auf (…) Bin wohl zu viel mit anderen Dingen beschäftigt.“

     

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