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    Samstag, 24. Juni 2017 | 02:09

    Siobhan Dowd: Anfang und Ende allen Kummers ist dieser Ort

    29.10.2009

    Irische Dramen

    Am 1. März 1981 tritt Häftling Bobby Sands den Hungerstreik an, um die britische Regierung unter Druck zu setzten, die IRA-Mitglieder als politische Gefangene anzuerkennen. Nach 66 Tagen stirbt er. Ein Sommer der Unruhen und Gewalt beginnt in Irland, mittendrin der 18jährige Fergus. Von ANDREA WANNER

     

    Eigentlich will Fergus von all dem nichts wissen. Er lernt gerade Autofahren, möchte einen guten Schulabschluss machen und anschließend studieren. Gewalt erscheint ihm sinnlos – sie erzeugt nur Gegengewalt, eine Spirale ohne Ende, aus der keiner den Ausstieg findet.

    So einfach aber ist das Leben nicht. Die irisch-katholische Bevölkerung von Nordirland findet durchaus Bewunderung für jene „Helden“, die „den Briten“ die Stirn bieten. Junge Männer schließen sich scharenweise der IRA an. Darunter auch Fergus älterer Bruder Joe, der bereits im Gefängnis ist. Entsetzt erfährt Fergus, dass Joe sich dem Hungerstreik angeschlossen hat.

    Seine Welt droht einzustürzen, und gleichzeitig geschehen Dinge, die ihn persönlich noch tiefer berühren. Im Moor entdeckt er gemeinsam mit seinem o­nkel eine Leiche – kein Opfer eines aktuellen Kriminalfalls, sondern - wie sich herausstellt - ein fantastischer archäologischer Fund. Dabei lernt er Cora aus Dublin kennen, deren Mutter mit der Ausgrabung betraut wurde. Und Cora ist das Mädchen, das für ihn diesen Sommer unvergessen macht.

    In der Grafschaft Donegal, dem nördlichsten Punkt der Republik Irland, laufen die Fäden der unterschiedlichen Geschichten zusammen. Hier lebt Fergus, freundet sich mit dem Grenzsoldaten Owain an, der eigentlich sein Feind sein sollte, hier kümmert er sich um seine beiden jüngeren Schwestern und versucht seine Mutter zu trösten. Hier küsst er Cora und hier geistert jenes fremde Mädchen durch seine Träume, das er im Moor gefunden hat.

    Anteilnehmend und anschaulich

    Nach Ein reiner Schrei und Der Junge, der sich in Luft auslöste ist Anfang und Ende allen Kummers ist dieser Ort der dritte und somit vorletzte Roman der 2007 verstorbenen Autorin Siobhan Dowd, der erneut deutlich macht, welch großartige Literatin die Welt mit ihrem Tod verloren hat. Anteilnehmend und anschaulich schildert sie den Konflikt, in dem Fergus steckt. Kann man unpolitisch sein und sich aus allem heraushalten, oder muss man Stellung beziehen? Gibt es in diesem Konflikt ein Richtig und ein Falsch? Dowd macht es den Lesern nicht leicht, weil sie auf jegliche Schwarz-Weiß-Malerei verzichtet. Zum Eindrücklichsten des Buches gehört eine Begegnung zwischen Fergus und Joe im Gefängnis, wo Fergus den Bruder zum Aufgeben überreden will.


    Wenn Fergus es nicht mehr aushält, dann läuft er. Kilometer um Kilometer. Am Ende stellt er fest: „Das Leben war wie Laufen, bestand zu neunzig Prozent aus Schweiß und Mühe, zu zehn Prozent aus Freude.“ Eine bittere Erkenntnis für einen Achtzehnjährigen. Trotzdem bleibt Hoffnung. Dowds Blick zurück in die jüngste irische Geschichte wird keinen unberührt lassen.

     

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