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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 30. April 2017 | 22:31

    Stian Hole: Garmans Sommer (ab 5)

    10.09.2009

    Abschiede

    Sommergefühle pur. Garman, ein kleiner Junge, erlebt seinen letzten Sommer, ehe er in die Schule kommt. Mit Tantenbesuch, Sonne, noch immer keiner Zahnlücke und einigen existentiellen Fragen. Von ANDREA WANNER

     

    „Garmans Sommer ist bald vorbei“, beginnt Stian Holes Bilderbuch, dass in ungewöhnlichen Bildern mit den Freuden und Ängsten des Jungen beschäftigt, der seinen letzten Sommer erlebt, ehe der Ernst des Leben beginnt.

    „Hast du Schmetterlinge im Bauch?“, will Tante Borghild von dem kleinen Steppke wissen. Und der bekennt freimütig: „Ich habe Angst.“ Wer hat sie ihm so geschildert, die Schule, diesen Anfang von Verpflichtungen ohne Ende? Sind die Nachbarszwillinge schuld, Hanne und Johanne, die sich nicht nur bereits ihrer Zahnlücken brüsten können, sondern außerdem auch in der Lage sind mit dem Kopf unter Wasser zu tauchen und „Rhabarber“ vorwärts und rückwärts zu schreiben. Angst ist kein gutes Gefühl. Aber statt es zu verdrängen, fragt Garman nach.

    Er fragt die drei uralten Tanten, die ihre Zähne nach dem Essen in Wassergläser legen. „Wirst du bald sterben?“ – „Hast du Angst?“ – Wovor hast du Angst?“. Sie antworten ebenso kindgerecht wie ehrlich. Sie haben Angst. Vor dem Streben, vor dem langen Winter. Nur Tante Augusta ist bereits so vergesslich, dass sie vor nichts mehr Angst hat. Auch die Eltern stellen sich Garmans Frage. Der Vater schildert seine Angst vor Auftritten, die Mutter ihre Sorge um Garman, wenn er demnächst alleine eine große Straße überqueren muss und ihre Angst vor dem Zahnarzt. Die Geschichte ist wenig mehr als die Aneinanderreihung kleiner Episoden, jede vergleichsweise unspektakulär. Was dieses Bilderbuch so außergewöhnlich macht, sind Stian Holes Illustrationen. Fremdartig wirken sie, obwohl die einzelnen Elemente naturalistischer nicht sein könnten. Eine ausgefeilte Collagentechnik kombiniert Köpfe mit Körpern, die zu klein geraten scheinen, ergänzt rätselhafte Details, wagt ungeahnte Perspektiven und driftet ins Märchenhaft-Surrealistische ab. Dabei ist jedes einzelne Bild ein kleines Kunstwerk zum Genießen.

    „Schmetterlinge im Bauch?“

    Wie sollen die denn dorthin kommen, überlegt sich Garman beispielsweise angesichts eines Sprichworts, das ihm fremd ist. Hole übersetzt es wörtlich ins Bild, in dem er vor Garmans Körper eine Röntgenaufnahme des Oberkörpers (inklusive des Gebisses) projiziert. Auf den schattenhaften Umrissen der Rippen tummeln sich Schmetterlinge. Tante Ruths Horror vor Winter und Kälte spiegelt sich in einer ganz in schmutzigem Schneeweiß und Schwarz gehaltenen Winterlandschaft, durch die ein Schneesturm tobt und einen gebückte Frau ihren Rollator schiebt. Auf der anderen Bildhälfte grinsen drei freche Schneemänner mit Pudelmützen auf dem Kopf – jenen Mützen, die die Tanten für Garman gestrickt haben.
    Ein Spiel mit Dingen, Fragen, Ängsten. Es geht um Vergänglichkeit. Der Sommer ist fast zu Ende. Es ist diese letzten warmen Tage, die Äpfel schon reif, Wespenzeit, die Luft schon klarer, die Sonne scheint nicht mehr so kräftig. Für Tante Augusta, Tante Borghild und Tante Ruth könnte es sogar der letzte Sommer gewesen sein. Viele werden wohl nicht mehr folgen. Sie tragen es mit heiterer Gelassenheit, ohne zu verschweigen, dass es auch ihnen nicht immer leicht fällt.

    Wir werfen einen Blick auf rätselhafte Bilder, die skurril und melancholisch sind, witzig und versöhnlich. Wenn etwas Neues anfangen soll, muss etwas Altes zu Ende gehen. Anfänge sind nie leicht, egal ob man so jung ist wie Garman oder so alt wie die Tanten. Und Abschiede tun immer weh. Selbst der vom Sommer.

    Am Ende der Geschichte ist die Schultasche gepackt, sind die Tanten abgereist und fällt das erste Blatt vom Apfelbaum. „Es sind noch dreizehn Stunden bis die Schule anfängt. Und Garman ist ein bisschen mulmig.“

    Wir kennen den Inhalt von Garmans Schultasche, seine umsichtige Art mit Dingen umzugehen, seine kluge Art zu fragen und können ihn zuversichtlich in den Ernst des Lebens entlassen. Denn eigentlich hat der doch längst begonnen. Größer als mit sechs Jahren werden die Probleme nicht, es scheint und nur manchmal so.

    ... bis sie dann gestorben sind.

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