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    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 25. Mai 2017 | 20:18

    Karlijn Stoffels: 1:0 für die Idioten

    27.08.2009

    Platz und Sieg für Luisa!

    Die Anforderungen des Lebens sind durchaus geeignet, gerade sehr junge Menschen zu überfordern. Die fünfzehnjährige Luisa wünscht sich nur noch den Tod. Tatsächlich aber schimmert da doch ein Flämmchen im Herz der Finsternis. Auch für Luisa. Von MAGALI HEIßLER

     

    Luisa fühlt sich wie etwas, das die Welt ausgespuckt hat. Keinen Ort, keinen Menschen gibt es für sie. Nicht einmal Farbe, deshalb trägt sie immer schwarz. Sie irrt durch ihre Welt wie ein Geist. Also kann sie genausogut richtig tot sein, glaubt sie. Von einem Hund aus dem Meer gefischt, angefüllt mit geklautem Schnaps und Schlaftabletten, kommt sie in die Villa Strandlust, eine Anstalt für Jugendpsychiatrie. Ihr Leben empfindet sie als kontinuierlichen Stress, der sich in einem anhaltenden Summton in ihrem Kopf bemerkbar macht und in dem Drang, unablässig auf den Beinen zu sein.

    Die umgebenden Wände, die Medikamente, das Personal und auch die anderen Jugendlichen in der Villa, die sie zuerst nur als beängstigend und einengend empfindet, erweisen sich im Lauf der Monate als Schutzmechanismen, die es Luisa ermöglichen, tastende Schritte in die Welt zu tun. Ihre Entwicklung verläuft alles andere als klar und geradlinig. Schließlich ist Luisa nicht nur ein krankes Kind, sondern zudem ein lebhaftes Mädchen in seinen besten Teenager-Jahren. Schwärmereien, Unfug, Launenhaftigkeit, Streit, Freundschaften schließen und lösen, der ganz normale Alltag kreuzt sich mit den düsteren Wegen zu den tieferen seelischen Verletzungen, die sie erfahren hat.
    Am Ende steht für Luisa jedoch der Weg in die Welt, hinaus, nicht zurück. Die Vergangenheit ist nicht vergessen, aber sie behindert Luisa nicht mehr auf Dauer. Das ist es, was zählt.

    Empathie statt Horror

    Karlijn Stoffels hat sich ihren Ruf als Jugendbuchautorin nicht dadurch erworben, dass sie unangenehme Themen miede. Luisas Geschichte ist keine angenehme Lektüre. Stoffels lässt ihre Protagonistin selbst erzählen, ihre Geschichte ist eine Geschichte des Leidens an seelischen Verletzungen. Es schmerzt zu lesen, wie Luisa mit dem Kopf gegen die Wand schlägt, weil das das einzige Mittel ist, mit dem sie gegen das quälende Summen im Kopf ankommt. Es schmerzt, zu lesen, dass sie das Wort Vertrauen nicht einmal hören kann, ohne dass der Summton wieder einsetzt. Auch die anderen Mitglieder ihrer Gruppe, halberwachsene Kinder wie sie und ebenso verstört, leiden, und die Leserinnen mit ihnen. Da ist z.B. Hassan, der seine Tage am Boden liegend unter einer Decke versteckt zubringt, Cor, dessen ungezügelte Aggressivität die Gruppenmitglieder in Angst und Schrecken versetzt oder Carmen, die mit ihrem Waschzwang den Alltag aller durcheinanderbringt, die hart kämpft und am Ende doch verliert gegen das Krokodil, das sie so sehr fürchtet.

    Lebendig werden auch die Therapeutinnen und Therapeuten. Sie sind keineswegs die altgewohnten Schreckgestalten im weißen Kittel, sondern Menschen, die ernsthaft bemüht sind, Luisa und den anderen Jugendlichen einen Weg ins Leben zu zeigen. Die Arbeit, die geleistet werden muss, ist eine gemeinsame. Alles ist nur ein Versuch, die richtige Lösung für alle Probleme gibt es nicht.

    Mitdenken statt Psycho-Romantik

    Erzählt wird linear, aber bruchstückhaft. Die Handlung erstreckt sich über die Dauer fast eines Jahres. Man sieht die Welt ausschließlich aus Luisas Augen, was sie berichtet, stimmt aber nicht in jedem Fall mit dem Verlauf der Ereignisse überein. Die Diskrepanz gibt den jungen Leserinnen und Lesern die Möglichkeit, Distanz zu wahren und mit einem der Hauptprobleme Luisas umzugehen, ihrer fundamental gestörten Wahrnehmung. Man ist beim Lesen aufgefordert, eigene Schlüsse zu ziehen. Stoffels möchte Empathie für ihre Protagonistin, aber keine einseitige Parteinahme und schon gar kein Urteil über sie. Sie hat gleichfalls ziemlich geschickt ein zentrales Motiv in ihre Geschichte gewoben, Leserinnen und Leser werden freundlich, aber nachdrücklich angewiesen, es zu entdecken. Auch hier ist Mitdenken gefragt.

    Als Lektüre ist der kleine Roman - er hat nur 160 sehr großzügig bedruckte Textseiten - eine Herausforderung, auch an eigene Vorstellungen oder gar Vorurteile in puncto Psychiatrie. Das ist Stoffels so gut genug gelungen, dass man ihr auch einige konventionellere Pfade gerade im zweiten Teil des Buchs nachsieht und vor allem den einen echten Ausrutscher in Richtung psychiatrischer Horror-Roman.

    Hervorgehoben werden muss hier einmal die gelungene Übersetzung, nicht zuletzt die nicht unelegante Lösung des Wortspiels mit der im Original eben niederländischen Form des Vornamens Luisa, Loes, und dem Wort ‚loser’, das das Mädchen lange peinigt.

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