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    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 25. Mai 2017 | 20:14

    J. Regnaud / E. Bravo: Meine Mutter (ab 8)

    26.03.2009

    Post für Jean

    Es gibt Bücher, die einfach von der ersten bis zur letzten Seite überraschen. Die Geschichte von Jeans Mutter, die in Amerika ist und Buffalo Bill getroffen hat, gehört dazu. Von ANDREA WANNER

     

    Leg doch mal die Comics weg und lies ein richtiges Buch! Dieser elterliche Wunsch hat nicht an Aktualität verloren. Wie wär’s denn dann damit: ein Buch, das ein Comic ist. Denn nichts anderes verbirgt sich hinter aus den USA importierten Begriff „graphic novel“ (Lesen Sie das Kleingedruckte. Der Hinweis findet sich unten links in der Ecke.): ein Comic im Buchformat, den es statt am Kiosk in der Buchhandlung zu kaufen gibt. Graphic Novels richten sich überwiegend an ältere Leser. Hier ist eine für junge.

    Die Geschichte beginnt an Jeans erstem Schultag mit einer Szene vor dem Klassenzimmer. Da scheint eine muntere Schar von Erstklässlern vergnügt und ein bisschen aufgeregt durcheinander zu plappern. Einer steht etwas abseits. Jean. – Und dann kommt die Lehrerin. Eine alte, hagere Hexe mit Brille, die wenig liebenswürdig wirkt. Der erste Eindruck bewahrheitet sich. Madame Moinot ist der Inbegriff von einer trocknen, humorlosen, pedantischen Vorruheständlerin. Aber es kommt noch schlimmer: sie will außer den Namen die Berufe der Eltern aller Kinder wissen. Und das bringt Jean in arge Bedrängnis.

    Spurensuche

    Mit Jeans Mutter ist das so eine Sache. Sie ist nämlich nicht da. Wo genau sie steckt, weiß Jean auch nicht. Für Madame Moinot improvisiert Jean ein ganz schnell gesprochenes: „Meinpapaistchefundmeinemamasekretärin“ aber das stimmt nicht. Wo ist sie? Der Vater spricht nicht darüber. Er wirkt abwesend und überlässt die Sorge um Jean und dessen kleinen Bruder Paul einem Kindermädchen. In diesem Fall einem besonders netten, das alles für die Jungs macht, auch Muttertagsgeschenke annimmt, aber nicht mit „Mama“ angeredet werden möchte. Auch andere Leute wie die Großeltern vermeiden es, über die verschwundene Mutter zu reden. Da kommt endlich Post für Jean. Auch wenn die Karte einen ungewöhnlichen Weg nimmt – das Nachbarsmädchen Michèle zaubert sie als Überraschung hervor – ist sie einfach fantastisch. Sie kommt aus Spanien, erzählt von Kastagnetten klappernden Frauen und Stierkämpfenden Männern, leckerer Paella und Baden im Meer und endet mit einem unglaublich tröstenden „Liebe Grüße – Mama“. Weitere Karten folgen. Aus Afrika und sogar ein Brief aus Amerika, der von dem Treffen mit Buffalo Bill berichtet. Wer hat schon so eine Mutter zu bieten?

    Verdachtsmomente

    Jean geht’s gut. Er hat in seiner Klasse einen Freund gefunden. Er hat den Test beim Psychologen unbeschadet überstanden. Er ist Autoskooter gefahren und hat Hasen und Enten freigelassen. Der Leser ahnt mehr, denn er konnte einen Blick auf einen der Briefe werfen. Es war der aus Kalifornien und hat mehr Rechtschreibfehler als „americkaner“ und „Kauboihut“. Da regt sich doch ein leiser Verdacht… Und leider werden wir Recht behalten.

    Jean Regnaud hat sich eine Geschichte ausgedacht, die Émile Bravo in Comicform gebracht hat. Ganz klassisch werden Bilder zu Sequenzen angeordnet, wird wörtliche Rede in Sprechblasen gesetzt, ergänzen sich Bild und Text. Andererseits werden Elemente übernommen, die sonst in der Gattung Comic nicht auftauchen. Bravo unterteilt die Geschichte in 14 Kapitel, die Panels sind jeweils auf einem farbigen Grund arrangiert, der von Kapitel zu Kapitel variiert. Unterbrochen werden sie von kleinen „Intermezzos“, abgerundet durch einen Epilog. Das klingt zu akademisch für Achtjährige? Ausprobieren! Nicht jeder Witz wird bei dieser Altersgruppe ankommen, den Rorschachtest beispielsweise werden sie kaum kennen. Aber wenn Jean erzählt, dass die Lehrerin ihren Namen an die Tafel schreibt – „Wenigstens glaube ich, dass es ihr Name ist. Ich kann ja noch nicht lesen.“ und an der Tafel steht „Montag, 14. September 1970“ kapieren auch Kinder den Joke. Überhaupt jongliert Émile Bravo auf vielen Ebenen mit Humor, mit Wissen und Nichtwissen, mit Information, die in Bildern steckt und solcher, die sich in Worten verbirgt. Wer glaubt, Comics wären nicht anstrengend, wird hier schnell eines Besseren belehrt. Konzentration, genaues Hinschauen, detektivisches Beobachten machen den Reiz der Bildergeschichte aus.

    Desillusion?

    Am Ende besitz Jean ein Indianerkostüm und weiß eine Menge mehr als zu Beginn. Wieder eine Geschichte ohne Happy End. Aber auf dem allerletzten Bild – in einem runden Bildausschnitt wie das Ende in einem alten Film – auf Seite 118 sehen wir Jean noch einmal. Er schaut uns an. Und er lächelt.

    ... bis sie dann gestorben sind.

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