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    TITEL kulturmagazin
    Samstag, 24. Juni 2017 | 15:54

    Marianne Musgrove: Jules Traumzauberbaum (ab 9)

    19.02.2009

    Kleine Leute, große Sorgen

    Das Leben ist voller Unruhe, so sehr, dass die Sorgen eine geradezu auffressen können. Gegen ein solches Übermaß an Sorgen hilft kein kluger Spruch. Da hilft nur eins: der besondere Zauber, der wirkt, wenn man den Mut zum Handeln findet. Von MAGALI HEIßLER

     

    Jule, zehn Jahre alt, macht sich SORGEN. Um die Eltern, die stets zu einem Streit bereit sind, wegen der kleinen Schwester Affi, die sich ungeniert in alles einmischt, was Jule angeht. Um die älter werdende Großmutter, die ihren Unfallalarm nie bei sich trägt. In der Schule sieht es nicht besser aus. Zwei Freundinnen tragen Konkurrenzkämpfe aus und der unmögliche David hat Jule zu seinem Opfer erkoren. Jule hat keine Ahnung, wie sie die Tage überstehen soll. Sie bekommt jetzt schon Hautausschläge, wenn sie nur ein lautes Wort hört. Ihre Mutter hat als Kinderpsychologin jede Menge kluger Ratschläge auf Lager. ‚Ich bin eine selbständige Person und kann jede Krise meistern’ hat sie auf ein Schild geschrieben und an die Wand im Kinderzimmer gehängt. Wenn Jule das liest, fühlt sie den Ausschlag schon wieder kommen. Um sich zu beruhigen, ordnet sie ihre Sammlungen. Die Busfahrkarten und die Muscheln und die 143 Radiergummis. Aber nicht einmal die Sammlungen sind ordentlich, wenn man eine Schwester wie Affi hat.

    Das Geheimnis hinter der Tapete

    Nach einem heftigen Streit der Schwestern überrascht Jules Mutter sie mit einer ganz neuen Idee. Jule wird ein eigenes Zimmer bekommen. Dafür muss Papa sein Zimmer, das er mit allem möglichen Krimskrams angefüllt hat, hergeben. Jule ist begeistert, bis ihr einfällt, dass das eine große Veränderung mit sich bringt. Wie kann sie die aushalten? Schon juckt es wieder.
    Die Rettung kommt hinter den abgerissenen Tapeten des ehemaligen ‚Rumpelzimmers’ zum Vorschein. Viele, viele Jahre zuvor hat dort jemand einen Traumzauberbaum an die Wand gemalt. Auf den Ästen des Baums sitzen verschiedene Tiere, ein Beuteltier, etwa, eine Ziege, ein Pfau oder ein kleines Schwein. Diesen Tieren, so erklärte die Großmutter der staunenden Jule, kann man seine Sorgen anvertrauen. Jedes Tier ist für eine eigene Sorgen-Gruppe zuständig, die Ziege für Krankheiten, das Beuteltier für Probleme mit Freundinnen und das Schwein für Sorgen mit der Schule. Wenn man aber Sorgen hat, die so groß sind, dass man nicht einmal mit einem aufgemalten Tier darüber sprechen kann, dann spricht man sie in ein rundes Loch im Stamm des Traumzauberbaums. Das ist so, als ob man sie in einen Briefkasten wirft. Schon sind sie aufgehoben.
    Jule ist fasziniert. Natürlich probiert sie es umgehend aus. Kaum sind die ersten Sorgen sortiert und den Tieren übergeben, ändert sich Jules Leben tatsächlich. Wer nicht mehr nur an seinen Problemen nagt, hat plötzlich einen ganz neuen Blick auf die Dinge.

    Zauber ohne Magie

    Mit einem wachen Blick für die Probleme hochsensibler kleiner Kinder erzählt Marianne Musgrove Jules Geschichte. Jule kann nicht zwischen Wichtigem und weniger Wichtigem entscheiden, alles bedrückt sie gleichermaßen. Was sie einmal bedrückt, kann sie auch nicht mehr loslassen. Unterscheiden und loslassen aber muss sie lernen. Dabei hilft der Traumzauberbaum mit seinen fleißigen Bewohnerinnen und Bewohnern. Dadurch rückt vieles auf den rechten Platz.
    Ähnliches durchleben aber auch ihre Eltern und die Großmutter, eine gut eingeflochtene Parallelentwicklung, die den jungen Leserinnen und Lesern deutlich macht, dass man in keinem Alter ohne Sorgen ist, und dass jede mal den Überblick verlieren kann. Man darf sich davon nur nicht bannen lassen.
    Sehr lebendig gezeichnet sind die beiden Schwestern und ihre Streitereien sowie die Kämpfe der Freundinnen Betty und Emma um Jule. Jules Ärger, ihre Ängste und letztlich ihre Zuneigung zu allen, Affi eingeschlossen, sind in jeder Zeile spürbar. Die wechselnden Stimmungen spiegeln sich überdies hin und wieder in der wechselnden Schriftgröße von Wörtern oder auch ganzen Sätzen. Wenn Mama OPHELIA sagt, weiß sogar Affi, was es geschlagen hat, ebenso, wie alle wissen, was es bedeutet, wenn Jule (endlich) NEIN sagt.

    Die einzelnen Kapitel des Buchs sind von unterschiedlichen Schachteln und Kartons gekennzeichnet, aus denen, einfallsreich und witzig, einiges von dem lugt, was ihren Inhalt ausmacht. Natürlich fehlen Bilder von den Tieren des Traumzauberbaums nicht.
    Das Ganze ist von Gabriele Haefs flüssig und zeitgemäß übersetzt und kommt dem flotten Ton des Originals sehr nahe. Da möchte Jule Affi gern ‚eine reinsemmeln’ und Affi findet, dass Jule ‚total bescheuert aussieht’. ‚Affi’ als Kürzel für den schönen Namen Ophelia hat seinen eigenen Reiz. Nicht ganz glücklich ist die Übersetzung des Wortes ‚Sorgenbaum’ (Worry Tree) als Traumzauberbaum, weil das den Eindruck wecken kann, als enthielte die Erzählung Fantasy-Elemente, und damit beim Publikum zu falschen Erwartungen führen.

    Am Ende des Buchs haben sich Autorin und Verlag etwas Besonderes ausgedacht. Da finden sich nämlich sieben Seiten, geschmückt mit je einem der sechs Tiere des Sorgenbaums sowie einem Bild des schwarzen Lochs. Auf die Zeilen unter den Porträts kann man seine Sorgen schreiben. Das ist dann genauso, als ob man sie einem der Tier ins Ohr flüstern würde. Möge es helfen! Vergnügen an der Geschichte hat man allemal.

     

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