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Do van Ranst: Morgen ist er weg (ab 7)

15.01.2009

Ausgerechnet am Brötchentag

Am Samstag gibt es statt Brot Brötchen zum Frühstück, Lena und Stef decken dann immer den Tisch. So ist es auch an diesem Samstag. Aber das ist auch das einzige, was so ist, wie immer. Beim Frühstück platzt die Bombe. Von Andrea Wanner

 

Natürlich ist der Streit, den die Eltern seit geraumer Zeit fast jede Nacht führen, an der elfjährigen Lena und ihrem siebenjährigen Bruder Stef nicht unbemerkt vorbeigegangen. Aber damit hätten sie nicht gerechnet: der Vater verlässt die Familie.
In unserer Gesellschaft geschieht es ständig: Eltern trennen sich und Kinder erleben die Trennung, leiden darunter. Do van Ranst gelingt das Kunststück, diesen einen Tag, an dem ein Mädchen erfährt, dass der Vater gehen wird, ganz aus der Perspektive des Kindes zu schildern. Ein allerletzter Tag. Denn „Morgen ist er weg.“ Morgen ist die Familie schon keine mehr, wird das, was so selbstverständlich war, Vergangenheit sein.
„Warum erzählt ihr es uns erst jetzt?“ stellt sie die Eltern zu Rede und hat dabei doch selbst längst gespürt, dass nichts so ist, wie es eigentlich sein sollte. Da gab es die erlauschten Wörter, mit denen die Mutter den Vater im Streit bedacht hat: „Egoist“. „Feigling“. „Dummkopf“. Da gab es die verweinten Mutteraugen. Und die Aktion, als der Vater sich das Dachzimmer eingerichtet hat. „Da passt ihr niemals beide rein“, hatte Lena damals beim Anblick des Betts geäußert – nur um zu erfahren, dass es auch nur für eine Person, den Vater, gedacht ist. Schon da hatte sie gespürt, dass etwas nicht stimmt.

Und jetzt?

Statt eines großen Zusammenbruchs sieht die Elfjährige zum ersten Mal ganz klar, dass der Verlust eines Vaters, der eigentlich nie für sie da war, keiner ist. Bei der Teerunde mit ihren Kuscheltieren – natürlich sind Elfjährige für so was schon fast zu groß, aber es kann doch sehr befreiend sein, sich mit den vertrauten Stofftieren über die wichtigen Dinge des Lebens auszutauschen – versuchen diese ihr klar zu machen, dass sie jetzt eigentlich traurig sein müsste. Aber eigentlich ist er nur „ein Papa auf dem Papier“ – ein Begriff, den sich die Geschwister aus einem der vielen Elternstreits gesucht hatten, den Vorwurf, er sei doch nicht für seine Kinder nur ein Vater auf dem Papier.
Wer ist dieser Mann wirklich, der an seinem allerletzten Tag versucht, Kontakt zu seinen beiden Kindern zu bekommen? Der mit seinem Sohn Stef kickt und sich bei Lena zum Tee einlädt. Warum hört man ihn nie? Warum findet sein Leben so ohne alle anderen statt? Und warum geht er? Lena stellt sich diese Fragen und findet eigene Antworten. Und zum ersten Mal gibt es ein richtiges Gespräch zwischen Vater und Tochter.
Eine Geschichte, die keinem schuld gibt. Eine Geschichte von einer Trennung, in der fast nüchtern von einer Elfjährigen festgestellt wird, dass das vielleicht gar nicht so schlimm wird. Alles Leid, alles Traurige und alle schönen Momente eines einzigen Tages packt Do van Ranst in eine kurze, bewegende Geschichte, für die die Illustratorin Marine Ludin kleine, poetische Aquarelle findet: Collagen, Momentaufnahmen, Erinnerungsschnipsel, ein bisschen im Stil von John Burningham. Was am meisten erstaunt ist, das das Ende tatsächlich Hoffnung auf den Anfang von etwas Neuem macht.

Andrea Wanner


Do van Ranst: Morgen ist er weg. Aus dem Niederländischen von Andrea Kluitmann.
Mit Illustrationen von Marine Ludin.
Coppenrath 2008
Gebunden. 64 Seiten. 9,95 Euro.
Ab 7 Jahren
ISBN 978-3-8157-8964-3


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