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    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 25. Mai 2017 | 20:07

     

    T. Kemnitz/G. Eisenhauer: Kaspar Dreidoppel (ab 8)

    28.08.2008

    Mutter und Sohn - eine Liebesgeschichte mit Hindernissen

    Wenn man sich nur noch nervt, muss sich dringend etwas ändern. Nur wie? Indem man sich ein Herz fasst und ein paar Schritte in eine neue Richtung wagt.
    Von Magali Heißler

     

    Kaspar, mit Doppel-a, darauf legt er Wert, ist mit seinem Leben enorm unzufrieden. Vor allem mit seiner Mutter, Britta Dreidoppel. Britta mischt sich in alles ein, weiß alles besser und dann knutscht sie ihn noch dauernd ab. Seine Freunde auch, wenn Kaspar sie nicht schnell in Sicherheit bringen kann. Das nervt! Als ob es nicht reichte, dass Britta in Bären vernarrt ist. Das Kinderzimmer ist voller Teddys, die Bettwäsche hat Bärenmuster, sogar Kaspars Hosenträger sind mit Bärchen verziert. Furchtbar. Britta versteht einfach gar nichts. Dass ein Junge einen Computer braucht, wie der beste Freund Sebastian einen hat, zum Beispiel. Was bekommt Kaspar zum Geburtstag? Einen Fußball! Und dann will Britta auch noch mit ihm Fußball spielen. Nervig.

    Sagen kann man das Britta aber nicht, sonst wird sie traurig. Das soll sie auf keinen Fall sein, schließlich hat sie es als allein erziehende Mutter schwer genug, findet Kaspar. Also schleicht er still und vorwurfsvoll durch die Tage. Er sagt aber auch nichts, wenn der Ladenbesitzer Kruse Bemerkungen macht, die Kaspar einfach nur blöd findet, oder wenn ihn Schlomi, der Chef-Punk vom Spielplatz, anschnorrt. Kaspar schweigt und schmollt.Wenn er schmollt, flüchtet er in seine Fantasien. Sie fliegen ihm zu, sobald er Alltagsgegenstände näher betrachtet. Diese entwickeln dann plötzlich ein Eigenleben. Auf einmal unterhält sich die Serviette mit der Kaffeekanne, Föhn und Haarbürste erleben ein schauriges Drama, Karotte und Zucchini gehen mitten in der Vorbereitung einer Gemüsesuppe mit blankem Küchenmesser, nein, Degen natürlich, aufeinander los. Da sich Fantasien und Alltag schlecht vertragen, geht bei Kaspars lebhaften Auftritten so manches zu Bruch. Die Küche klebt von Gemüseresten, die Bürste hat keine Borsten mehr. Rotwein tropft auf Mutters Kleid. Britta ist endgültig verärgert. Der Junge nervt! Alles scheint sich gegen Kaspar verschworen zu haben.

    Bei einem Verzweiflungsbesuch in der benachbarten Stadtbücherei trifft Kaspar den Puppenspieler und angehenden Schriftsteller Herrn Honigmann, der sich Falstaff nennt. Bei Falstaff lernt Kaspar, dass man seine Probleme benennen kann und seine Wünsche äußern. Und nicht nur das, er erfährt, dass das Leben von Erwachsenen auch seine Tücken hat. Ganz allmählich rutscht alles, was ihn bedrückte, an seinen richtigen Platz, sogar seine fantastischen Abenteuer. Das Leben ist doch zu meistern. Und Britta ist einfach eine tolle Mutter für ein tolles Kind wie Kaspar, das finden am Ende beide.

    Mit sparsamen Mitteln und ganz nah am Alltag erzählen Tina Kemnitz und Gregor Eisenhauer von den ersten Schritten eines Jungen aus dem Kinderalter heraus in die frühen Jugendjahre. Fast unauffällig erweitert sich Kaspars Welt. Er lässt einen Schutzraum nach dem anderen hinter sich und erobert neue, größere Räume. Dabei lernt er vor allem den Mund aufzumachen, wenn er eigene Vorstellungen von etwas hat. Die Schwierigkeiten verschwinden nicht und die Wünsche werden auch keineswegs alle erfüllt, aber Kaspar hat am Ende verstanden, dass man, wenn man gar nichts sagt, nirgendwohin kommt und mit leeren Händen zurückbleibt.

    Die Geschichte ist frisch und voller Witz geschrieben, einfallsreich, treffend beobachtet. Die Personen sind lebendig und lebensecht, die gleichaltrigen Freunde Caroline und Sebastian, der Getränkehändler Kruse, Schlomi, der dicke Falstaff oder eben die Mutter. Kaspar selbst ist ein überzeugend liebenswerter kleiner Wirrkopf.

    Hinreißend sind die Geschichten, die er erfindet, und deren Hauptfigur, gleich ob strahlender Held oder finsterster Bösewicht, seinen Namen in nicht selten wildromantischen Abwandlungen tragen. Al’Akspar, etwa, der Hüter des Wüstenschatzes, Gaspard, die böse Karotte mit dem tödlichen Degen, oder Rapsak, der Schicksalsdrache. Die Abenteuer von Teller, Tasse, Zucchini, Bürste oder Tüte sind kursiv gesetzt, was weniger geübten Leserinnen und Lesern Schwierigkeiten bereiten mag. Übung und Gespür für Wörter, geschrieben wie ihrem Klang nach, setzen auch die steten Abwandlungen von Kaspars Vornamen und so manches Wortspiel im Text voraus. Zum Vorlesen oder Gemeinsamlesen auch mit jüngeren Kindern ist das Buch aber bestens geeignet. Zugleich regt es ganz unaufdringlich dazu an, die eigene Fantasie spielen zu lassen und selbst zu entdecken, wie viel Leben und wie viele herrliche Geschichten in einem ganz alltäglichen Gegenstand stecken können.

    Der Text wurde von Manuela Olten mit zahlreichen, meist kleinen flotten Schwarz-Weiß-Zeichnungen ausgestattet, die gleichermaßen witzig wie liebevoll Kaspars reale oder erdachte Welt illustrieren. Auch Kaspars betroffene Miene, wenn er wieder einmal einen Scherbenhaufen verursacht hat, fehlt nicht.
    Kaspars Abenteuer sind wunderbare Lektüre. Unwiderstehlich. Einfach fantastisch.

    Magali Heißler


    Tina Kemnitz und Gregor Eisenhauer: Kaspar Dreidoppel Mit Illustrationen von Manuela Olten.Kinderbuch ab 8Carlsen 2008Gebunden. 124 Seiten. 12,90 Euro.ISBN 978-3-5515-5433-8

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