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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 20. August 2017 | 10:03

     

    Alexander Rösler: Ich bin nur mal kurz mein Glück suchen

    07.08.2008

    Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt…

    Mit diesem Lied auf den Lippen macht sich Eichendorffs Taugenichts in der Spätromantik auf die Reise ins Unbekannte. Alexander Rösler schickt ihm den siebenzehnjährigen Robert im 21. Jahrhundert hinterher.
    Von Andrea Wanner

     

    Die Szenarien ähneln sich. War es bei Eichendorff die Mühle, von der aus der erboste, ständig arbeitende Müller seinen Sohn anherrscht: »Du Taugenichts! da sonnst du dich schon wieder und dehnst und reckst dir die Knochen müde, und lässt mich alle Arbeit allein tun. Ich kann dich hier nicht länger füttern. Der Frühling ist vor der Tür, geh auch einmal hinaus in die Welt und erwirb dir selber dein Brot.«, ist es bei Robert der Rasen mähende Vater, dessen Ärger vom dröhnenden Lärm des Motors halb verschluckt nur noch „sth ndlch f nd t ws!“ lautet. Robert packt seinen Rucksack, klaut das Haushaltsgeld und ist ohne ein Wort des Abschieds auch schon verschwunden.

    Wohin er soll, weiß er so wenig wie Eichendorffs Held knapp 200 Jahre zuvor. Einfach die Dinge hinter sich lassen. Den mähenden Vater, die Mutter in ihren Gesundheitssandalen, die mit einem feuchten Lappen die Gartenmöbel reinigt, die Nachbarin mit dem Kantenschneider. Die Spießer eben, die ewigen Langweiler. Frankfurt am Main könnte sein Ziel werden. Er lässt es drauf ankommen, nutzt alle ihm sich bietenden Möglichkeiten. Zunächst eine Mitfahrgelegenheit auf dem Traktor eines thüringischen Bauern, der eine fast tote Kuh transportiert.

    Sein Weg führt ihn ins Mittelalter, oder zumindest eine Veranstaltung, die das Mittelalter täuschend echt nachahmt. Er wird Losverkäufer, Altenpfleger und bettelt schließlich um sein täglich Brot. Und wie bei seinem Vorgänger gibt es immer wieder glückliche Fügungen, die ihm weiter helfen.

    Wie der Taugenichts wandert er mit offenen Augen durch eine Gegend, die die meisten als „normal“ bezeichnen würden und die für ihn voller kleiner Wunder steckt. Sein Blick auf die Landschaft, auf Wälder und Gärten ist dem des Romantikers verblüffend ähnlich. Beide sind sie optimistisch, Naturverbunden und stecken voller Abenteuerlust. Erstaunlicherweise scheint das auch heute noch zu gehen.

    Offen begegnet er fremden Menschen, stößt auf Mistrauen und Ablehnung, aber auch auf viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Und trifft die Liebe seines Lebens, ein armenisches Mädchen namens Anaid. An dieser Stelle verlässt die Story den Pfad der Glaubwürdigkeit und wird zum temporeichen, fantastischen Märchen. Die Such nach Anaid führt Robert nämlich geradewegs (mit einem geschenkten Flugticket) nach Chicago.

    Man mag es glauben oder nicht. Man kann es genießen. Jeder ist schließlich nur einmal jung und unabhängig. Es ist wie die Geschichte mit dem sprechenden Igel, den Robert trifft. Wer schon mal einem Igel zugehört hat, versteht Robert vielleicht. Wer davon ausgeht, dass Igel nicht zur Kommunikation fähig sind, wird auch die Geschichten mit der Schwulenparty, dem gewonnenen Auto, der Verfolgungsjagd, dem Wiedersehen und der Heimfahrt als Schiffskoch nur schwer akzeptieren. Haben wir Eichendorff alles geglaubt? Übrigens: man muss ihn nicht gelesen haben, um sich an Roberts Suche nach dem Glück zu erfreuen. Verraten sei hier nur das Ende des Originals: „… und es war alles, alles gut!“

    Andrea Wanner


    Alexander Rösler: Ich bin nur mal kurz mein Glück suchen. Neues vom Taugenichts ab 14 Jahren
    Arena 2008
    Gebunden. 136 Seiten. 9,95 Euro.
    ISBN 978-3-401-06302-7

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