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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 26. Juni 2017 | 10:48

     

    Antje Szillat - Motiv: Angst!

    24.04.2008

    Gewalt in der Schule

    In unseren Schulen herrscht Angst. Leistungsdruck durch Auslese in einer immer stärker von kapitalistischen Idealen geprägten Gesellschaft vergiftet das Lernklima. Gute Voraussetzungen für die subtilen Erscheinungsformen von Mobbing und Gewalt, die besonders gerne an denen verwirklicht werden, die (tatsächlich oder gefühlt) vom akzeptierten Durchschnitt abweichen.

     

    Jan hat Angst. Auf der Toilette bemerkt er wie Victor und seine Gang einen Mitschüler quälen, indem sie ihm mit vereinten Kräften eine Nacktschnecke in den Mund stopfen. „Ein Keuchen und Würgen, als ob sich jemand an seiner eigenen Zunge verschluckt hätte, tönte aus dem Nachbarklo zu Jan herüber." Er versucht sich aus der Toilette zu schleichen, wird entdeckt und ist fortan als unliebsamer Zeuge der Misshandlung ebenfalls Zielobjekt von einschüchternden Übergriffen. Um seine Situation nicht zu verschlimmern, wagt er es nicht, sich seinen Eltern oder dem Lehrpersonal anzuvertrauen, das mit der Situation entweder überfordert ist oder lediglich daran Interesse zeigt, die Anwesenheit von Gewalt aus Imagegründen zu verleugnen. Jan sieht sich in einer Zwickmühle der Angst gefangen, die zu einer Wesensveränderung führt. Die Mutter spürt die seelische Schieflage, kann aber nicht helfen, weil Jan die Ursache seiner Bedrückung nicht offenbart. Bei der Lektüre von „Motiv: Angst!“ entsteht eine authentische Atmosphäre, die durch Identifikation Beklemmung erzeugt, wenn man sich als Vater fragt, welche Mobbingsituationen die eigenen Kinder eventuell durchleiden müssen und sich dabei gleichzeitig erinnert, dass schon die ersten Schuljahre nicht frei von Angst einflößenden Lebenserfahrungen mit Mitschülern waren.

    Mein Alter ist ´ne Drecksau!

    Jans Mutter kann letztlich nur vermuten, dass ihr Sohn in der Schule einer bedrohlichen Situation ausgesetzt ist und muss daher bei ihren Versuchen ihm zu helfen, allgemein und vage bleiben. Sie erklärt ihm, dass auch die Täter Angst haben und dadurch angreifbar werden. Jan geht der Sache nach und findet heraus, dass sein Widersacher Victor einen gewalttätigen Vater hat, der seine Familie tyrannisiert. „Mein Alter ist ´ne Drecksau!“, erklärt er Jan in einer zufälligen Begegnung sein krankenhausreif geschlagenes Gesicht und gibt daraufhin den Grund für seine eigene Gewaltbereitschaft preis: „Warum soll nur immer ich Dresche bekommen? … Wenn ich nicht den Ton angebe, dann machen es die anderen. Nee, Alter, da halte ich es lieber so wie die Drecksau, lieber austeilen, anstatt einstecken.“ Szillats Erzählung ruft ins Bewusstsein, dass auch die Täter in irgendeinem Winkel ihrer Biographie Opfer mit Ängsten sind. Jan findet letztlich einen Weg, der Bedrohung durch seinen Mitschüler Victor zu begegnen. Antje Szillat vermeidet jedoch den Eindruck, dass es sich hierbei um einen allgemeingültigen Lösungsansatz mit Erfolgsgarantie handelt. Es geht ihr in dem Buch lediglich darum, den Blick auf ein dringendes Problem zu lenken, das in der Gesellschaft nur ansatzweise als ein solches erkannt wird. Flächendeckende Strategien, Mobbing und Gewalt an den Schulen gar nicht erst aufkeimen zu lassen, um eine angstfreie Lernatmosphäre zu schaffen, fehlen. Ein spürbarer Ruck, der das Thema zum Gegenstand andauernder alltäglicher Anstrengungen macht, steht noch aus.

    Die Wirklichkeit abbilden, aber nicht über sie richten

    „Motiv: Angst“ ist im Rahmen des Caritas-Buchprogramms im Verlag „edition zweihorn“ erschienen. Der Caritasverband veröffentlicht hier seit einigen Jahren Bücher, die sich mit sozialen Schwerpunktthemen befassen. „Motiv: Angst“, Bestandteil des Projekts „Stark gegen Gewalt“, ist kein Buch nach dessen Lektüre man erfreut ausruft "Wie schön!", aber eines, das wichtig ist, weil es unprätentiös verdeutlicht, was sich noch nicht genügend als handlungsfördernder Diskurs in der Gesellschaft etabliert hat. Es ist ein Buch, das die Aufmerksamkeit auf ein verdrängtes oder unterschätztes Problemfeld lenkt, ohne zu moralisieren, weil es die Wirklichkeit lediglich abbildet, aber nicht über sie richtet. Ein Buch gleichzeitig, das zu einem positiven Ende findet und einen Lösungsansatz, aber kein Allheilmittel offeriert. Es wurde für eine jugendliche Zielgruppe im Alter zwischen 10 und 14 Jahren konzipiert. Für die Arbeit im Unterricht stehen ergänzende Materialien zur Verfügung. „Motiv: Angst!“ wird sicherlich nicht die Gesellschaft verändern, vielleicht aber Diskussionen und kritische Gedankengänge auslösen. Und das wäre ja schon ein brauchbarer Anfang.

    Andreas Noga


    Antje Szillat - Motiv: Angst! Erzählung, 88 Seiten, 5,95 EUR, ISBN 978-3-935265-65-2, edition zweihorn, www.edition-zweihorn.de

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