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Gerda van Erkel: Der salzige Kuss (ab 14)

17.01.2008

Es ist was es ist

Liebe hat sich noch nie um widrige Umstände gekümmert. Sie passiert einfach. Diesem „Es-ist-was-es-ist-Gefühl“, so unvergleichlich treffend von Erich Fried beschrieben, spürt Gerda van Erkel in ihrem Jugendroman nach.

 

Du bist verrückt“, ist die Reaktion von Kobes Mutter auf diese Liebe. Kobe ist einer der Patienten des Sanatoriums De Haan am Meer. Kobe ist dort wegen seines Übergewichts. Und er liebt Nienke, ebenfalls Patientin, die an einer aggressiven Form von Mukoviszidose leidet. Während Kobe durch Diät und Sport mindestens 50 Kilo abnehmen muss, kämpft Nienke gegen jedes Gramm Gewichtsabnahme, um noch ein paar Jahre zu leben.
Ein ungewöhnlicher Schauplatz voller Schicksale und merkwürdiger Typen – merkwürdig zumindest auf den ersten Blick. Gerda van Erkel lässt die beiden Hauptfiguren selbst erzählen und ergänzt ihre zögerliche Liebegeschichte noch durch einen Blick von Außen auf das ungleiche Paar: Steffi, die auch stark übergewichtig ist, wird die neue Zimmergenossin von Nienke und beobachtet die beiden – nicht ohne Neid.
Drei junge Menschen erzählen vom Klinikalltag, ihren Sehnsüchten und Hoffnungen, ihrer Wut und Enttäuschung. Typographisch unterschieden – und schon dabei den unterschiedlichen Charakteren Rechnung tragend – kommen sie abwechseln zu Wort. Gerda van Erkel hat nicht nur ausgiebig recherchiert und medizinisches Fachwissen gesammelt sondern sich bei ihren Besuchen im Sanatorium, das als Vorlage diente, auf die Schicksale und Menschen eingelassen.

Was erwarten Kobe und Nienke von ihrer Liebe? Es wird wehtun, wenn es vorüber ist – soll man dann erst gar nicht damit beginnen? Oder muss man dann erst recht lieben, wenn einem nur wenig Zeit bleibt? Behutsam nähert sich van Erkel den Fragen, geht offen und ehrlich mit ihnen um. Die Modeprobleme, die Steffi beschäftigen, die für alles zu dick ist, wirken neben Nienkes Abschiednehmen von der Welt nicht albern. Das alles gehört dazu. Und wenn die todkranke Nienke für kurze Zeit ein Baby im Arm halten darf und füttern – das Kind, das sie nie haben wird – fehlt auch dieser Situation alles Kitschige.
Gerda van Erkel wagt es, Gefühle beim Namen zu nennen und vor den ganz großen Problemen nicht zurückzuschrecken. Ihr eindrückliches Buch ist der gelungene Auftakt einer neuen Reihe „DAS BESONDERE BUCH“, in der man hoffentlich auf weitere Highlights gespannt sein darf. Die Geschichte von Kobe und Nienke ist jedenfalls eines.

Andrea Wanner


Gerda van Erkel, Der salzige Kuss (ab 14)
Übersetzt von Mirjam Pressler
Rowohlt Taschenbuch Verlag 2008.
Broschiert. 336 Seiten. 8,95 Euro.
Ab 14 Jahren.
ISBN 3-499-21426-4

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