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    TITEL kulturmagazin
    Samstag, 24. Juni 2017 | 16:02

     

    John Boyne: Der Junge im gestreiften Pyjama (ab 14)

    29.11.2007

    Ein unschuldiger Blick

    Manchmal hat man den Eindruck, dass die Literatur sich einem Thema bereits auf jede nur erdenkliche Art genähert hat. Der Holocaust gehört zu diesen Themen. Und dann stellt man überrascht fest, dass man sich geirrt hat.

     

    Der irische Autor John Boyne hat ein Jugendbuch geschrieben, das man entgegen der Verlagsempfehlung „ab 12“ Jugendlichen erst dann in die Hand geben sollte, wenn sie wissen, was in Deutschland im Dritten Reich geschah. Denn sonst werden sie die Geschichte des 9jährigen Bruno nicht verstehen.

    Die Geschichte beginnt mit Kofferpacken und einem Umzug von Berlin in eine neue, spielkameradenlose Heimat. „Aus-Wisch“ heißt die unattraktive Gegend, in die es sie wegen Vaters Arbeit verschlagen hat. Nicht einmal Abschied nehmen von seinen Freunden konnte Bruno. Er findet den Ort scheußlich, kann ihn als neue Heimat nicht akzeptieren. Aber schließlich ist Bruno ein Entdecker und der große, hohe Zaun, dessen Ende nicht zu erkennen ist, weckt trotz allem seine Neugierde. Er macht sich allein und ohne Erlaubnis auf Entdeckungsreise und findet Erstaunliches heraus. Auf der anderen Seite des Zaunes leben Menschen, die alle die gleiche gestreifte Kleidung tragen. Pyjamas, wie Bruno vermutet. Und zu seiner Freude gibt es auf der anderen Seite auch Kinder. Einen Jungen, Schmuel aus Polen, lernt er kennen und wäre gern sein Freund. Aber zwischen ihnen steht nicht nur ein Zaun.

    Kein Wort von Konzentrationslager, Häftlingen, Gewalt und Brutalität. Boyne erzählt konsequent aus der Perspektive eines Jungen, der nicht nur vorgibt, nicht zu wissen, sondern der wirklich nichts weiß. Artig vollzieht er den Hitlergruß, „was, wie er annahm, eine andere Möglichkeit war zusagen: Na dann, auf Wiedersehen und einen schönen Nachmittag.“ Er lernt er bei einem Besuch einen eigenartigen Herrn kennen, den „Furor“, dessen Verhalten er schlicht unhöflich findet und an dem er nur die Begleitung, eine schöne, blonde Dame, bewundert. Bruno ist voll kindlicher Naivität und Unschuld. Von den Gräueltaten, die sich nebenan abspielen, ahnt er nichts. Was der Beruf seines Vaters ist, entzieht sich seiner Kenntnis. Er fragt. Aber die Antworten auf seine Fragen helfen ihm nicht weiter. „Wer sind die vielen Leute da draußen?“ will er wissen und präzisiert seine Frage „Die in den Baracken, in der Ferne. Sie sind alle gleich angezogen.“ Und muss vom Vater hören „Das … na ja, das sind eigentlich gar keine Menschen, Bruno.“

    Das Entsetzen über das menschenverachtende System kriecht einem kalt über die Haut. Wir Leser wissen, wer dieses Leute sind. Wir wissen, was mit ihnen geschehen wird. Die Bedrohung ist greifbar nah, beim Lesen Satz um Satz zu spüren – gerade weil nicht darüber gesprochen wird. Warten wir wirklich auf ein Wunder? Wir kennen die Geschichte, unsere Deutsche Geschichte zwischen 1933 und 1945 doch. Machen wir uns auf den größtmöglichen Schrecken gefasst. Leise, beinahe sanft erzählt Boyne vom Unbeschreiblichen, findet Worte, die unseren Blick auf das Nichtgesagte lenken. Es ist das Buch, das uns zu diesem schrecklichsten Kapitel unserer Geschichte noch gefehlt hat.

    Andrea Wanner


    John Boyne, Der Junge im gestreiften Pyjama
    Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit
    Fischer Schatzinsel 2007
    272 Seiten. 13,90 Euro.
    Ab 14 Jahren
    ISBN 978-3-596-85228-4


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