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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 20. August 2017 | 13:34

     

    R. Abdel-Fattah: Und meine Welt steht Kopf (ab 14)

    14.06.2007

    Nur ein Stück Stoff

    Sie weiß, dass es nicht einfach werden wird. Aber so hatte sie es sich nicht vorgestellt: ihr neues Leben mit dem Hijab. Ganz bewusst entscheidet sich die 16jährige Amal, ihren Glauben ab sofort deutlich sichtbar zu leben und das Kopftuch zu tragen. Über die Folgen kann sie nur staunen.

     

    Kurz vor Ferienende fasst die 16jährige Muslima den Entschluss zur „Vollzeitträgerin“ zu werden und das Kopftuch ab sofort in Gegenwart von Männern, die nicht zur Familie gehören, zu tragen. Dass das vor allem an der australischen Privatschule, die sie besucht, Aufsehen erregen wird, hat sie einkalkuliert. In einer „ultimative Liste“ zum Thema „Hijab tragen oder nicht“ hatte Amal alle Personen, die ihr wichtig sind, den Spalten „Kommen damit klar“ bzw. „Kommen nicht damit klar“ zugeordnet. Aber bereits bei den ersten vermeintlichen Befürwortern, ihren Eltern, ist die Begeisterung nicht so groß, wie erwartet. Befürchtungen um die Zukunftschancen Amals stehen zunächst im Vordergrund – und auch das Wissen, dass Amals Probleme größer sein werden, als sie sich das ausmalt. Die Geschichte schlägt Wellen. Je heftiger die Reaktionen ausfallen, umso mehr will Amal beweisen, dass Selbstbewusstsein, Intelligenz und Emanzipation nichts mit einer Kopfbedeckung zu tun haben.

    Randa Abdel-Fattah ist palästinensisch-ägyptischer Abstammung und ihr Jugendroman basiert zum Teil auf persönlichen Erfahrungen. Ihr Anliegen, Jugendlichen die Erfahrungen eines weiblichen muslimischen Teenangers nahe zu bringen, verpackt sie in den Bericht eines temperamentvollen, schlagfertigen jungen Mädchens, das genau weiß, was es will und in keinster Weise dem Bild eines unterdrückten Opfers autoritärer Eltern und einer frauenfeindlichen Religion entspricht. Witzig formuliert Amal zu dem Stück Soff auf ihrem Kopf: „Die Leute reagieren so, als wären irgendwelche bizarren Superkräfte in die Mikrofasern mit eingewoben, die muslimische Mädchen in UVOs verwandeln, in Unidentifizierbare Verschleierte Objekte. Die aus ‚einer von und’ ‚eine von denen’ machen.“
    Parallel zu Amals Leben und ihrer Entscheidung werden Gegenentwürfe formuliert: Mädchen aus sehr traditionellen Familien, die keine Wahl haben, Mädchen mit anderem Migrantenhintergrund und anderen Problemen und „ganz normale“ australische Mädchen, die auch nicht immer nur glücklich sind.

    Ein buntes Panorama von Weltentwürfen prallt aufeinander, tolerante und feindselige Reaktionen, grundsätzliche Fragen und Lösungsmöglichkeiten. Daneben bleibt Amals ein typischer Teenager, der vor dem Spiegel stehend nun das bestmögliche Outfit mit farblich passendem Kopftuch sucht. Inmitten einer Welt, die nach den Anschlägen gewaltbereiter, fanatischer Terroristen vom 11. September auf alles, was in die Nähe des Islam gehört, abwehrend reagiert, hat Amal sich entschieden. Ihr Leben ist damit auf keinen Fall leichter geworden. Und die Beziehung zu Adam, einem Jungen aus ihrer Klasse, in den sie (fast) verliebt ist, ist unvergleichlich komplizierter. Aber sie ist zu allen Diskussionen bereit. Mutig und selbstbewusst. Eine Haltung, über die man auch in Deutschland nachdenken sollte, und über die man mit kopftuchtragenden Muslimas ins Gespräch kommen sollte.

    Andrea Wanner


    Randa Abdel-Fattah: Und meine Welt steht Kopf
    Ravensburger
    Gebunden. 318 Seiten. 14,95 Euro.
    Ab 14 Jahren.

    ISBN 3-473-35267-8

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