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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 27. Juni 2017 | 17:40

     

    Wolf Erlbruch: Ente, Tod und Tulpe (ab 7)

    31.05.2007

     
    Der Tod ist groß

    Irgendwann holt er uns alle. Er ist unser unausweichliches Ende. Und irgendwie macht uns das Angst. Warum sollte es einer Ente anders gehen.

     

    „Schon länger hatte die Ente so ein Gefühl“, beginnt ein Bilderbuch über den Tod. Das Gefühl trügt sie nicht. Etwas ist anders. Jemand ist in ihrer Nähe. Doch ganz naive Ente spricht sie ihn an. Wer er sei und warum er hinter ihr herschleiche. Eine typische Entenfrage, denn wer soll er schon sein, der hagere Typ mit kariertem Hemd und Totenkopf. Ohne Umschweife kommt die Antwort: „Ich bin der Tod.“ Diese erste Begegnung der beiden nimmt eine Doppelseite ein: links steht an einen Baum gelehnt die Ente, auf der rechten Buchseite präsentiert sich der Tod, eine dunkle, fast schwarze Tulpe in der Hand. Die Fronten scheinen klar.
    Natürlich fürchtet sich die Ente. Will wissen, ob er sie jetzt holen kommt. Philosophisch-abgeklärt entgegnet er ihr: „Ich bin schon in deiner Nähe, solange du lebst – nur für den Fall.“
    Nein, er holt sie nicht gleich. Er verbringt Zeit mit ihr, die beiden gewöhnen sich aneinander, unternehmen Dinge zusammen. Und dann, wenn man schon denkt sie seien ein fast unzertrennliches Paar, geschieht es doch: die Ente stirbt. Ganz unspektakulär legt sie sich eines Abends fröstelnd hin und bittet den Tod sie zu wärmen – wie sie es zuvor mit ihm schon gemacht hatte. Das ist ihr Ende. Ruhig, sanft, friedlich.

    Wolf Erlbruch präsentiert keinen bunten Bilderbuchtod. Auf hellem Grund bewegen sich nur die beiden Figuren, nähern sich einander an, akzeptieren sich. Der Tod sieht aus wie der mittelalterliche Sensenmann – und trotzdem hat er so eine nette Art im Umgang mit der Ente, dass er einem eigentlich ganz sympathisch ist. Seine Art zu trösten ist überzeugend. Viele Worte braucht es nicht. Aber wenn die Ente voller Wehmut auf einen Teich blickt, den sie nach ihrem Tod nicht mehr sehen wir, hält er als gedankenlesender Freund ihr entgegen: „Wenn du tot bist, ist auch der Teich weg – zumindest für dich.“

    Einmal mehr gelingt Erlbruch eine Wanderung auf dem schmalen Grat zwischen heiler Kinderwelt und der grausamen Realität des Lebens. Jenseits von allem Kitsch erzählen Ente und Tod die uralte Geschichte vom Abschiednehmen und Sterben. Wenn der Tod das leblose Tier am Ende zum großen Fluss trägt, es auf seine letzte Reise schickt und als Abschiedsgeschenk die Tulpe auf den Körper der toten Ente legt, rührt diese kleine Geste. Und wenn er ihr dann „fast ein wenig betrübt“ nachschaut, verzeihen wir ihm. Der Tod ist groß. Und er gehört zum Leben.

    Andrea Wanner


    Wolf Erlbruch: Ente, Tod und Tulpe
    Kunstmann
    Gebunden. 32 Seiten. 14,90 Euro.
    Ab 7 Jahren.
    ISBN 3-88897-461-8

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