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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 20. August 2017 | 13:31

     

    Kevin Brooks: Kissing the rain (ab 14)

    16.05.2007

    Der Anfang der Wahrheit ist zugleich ihr Ende

    Am Anfang steht die Wahrheit. Und es ist die Wahrheit, um die es auch am Ende geht. Dazwischen liegen DIES oder DAS und eine Entscheidung, die nicht getroffen werden kann. Doch es gibt einen Ausweg aus dem Dilemma von SCHLIMM und NOCH SCHLIMMER. Er heißt: Kissing the rain.

     

    Da muss einer die Wahrheit sagen. Er stellt sich irgendeine Person vor, die wie ein Spiegel in seinem Kopf oder sein inneres Ich ist, und erzählt seine Geschichte, die mit voller Wucht aus ihm heraussprudelt. Kein Wunder, der 15-jährige Mike Nelson, Moo genannt, verzweifelt fast, weil er den Teufelskreis zwischen Lüge und Wahrheit nicht durchbrechen kann. Er verflucht den Tag, an dem er Zeuge einer Verfolgungsjagd auf der Autobahn und eines inszenierten Mordes geworden ist: Sagt er die Wahrheit, schützt er einen schweren Kriminellen, den die Polizei gern hinter Gitter sehen möchte. Macht er eine falsche Aussage, jagt sie ihm den Schwerverbrecher an den Hals. Dieser macht ihm unmissverständlich klar, was passiert, wenn er nicht nach seiner Pfeife tanzt.
    Von diesem Tag an beginnt das Tauziehen um Moo und seine Aussage. Auf der einen Seite steht Kommissar Callan. Er will Moo zu einer Falschaussage drängen und scheut dabei nicht, den Jungen zu erpressen. Callan teilt ihm mit, dass sein Vater unrechtsmäßig Invalidenrente bezieht und er deshalb ins Gefängnis kommen kann, es sei denn, Moo würde seine Aussage noch einmal ändern.
    Auf der anderen Seite zieht der Kriminelle Vine mit seinem Anwalt Donut, der ihn für die angeblichen Auslagen Geld zusteckt, Moos Mutter auf Kosten des Anwaltbüros einkaufen schickt und Moos Anzug für die Verhandlung bezahlt.
    DIES oder DAS – Moo muss sich für eine der beiden Seiten entscheiden und genau das macht ihn wahnsinnig. Er spürt immer mehr, wie alles ins Rollen kommt und er - mittendrin - immer weniger beeinflussen kann. Spätestens als Brady, sein einziger Freund, ebenfalls als angeblicher Zeuge eine Aussage machen will, die seiner entgegen steht und Vine belastet, erkennt Moo, dass die Dinge sich seiner Kontrolle entziehen, denn jetzt ist auch Brady gefährdet.
    Nach „Lucas“ und „Candy“ stellt Kevin Brooks sein neuestes Buch vor, dessen Figuren – ähnlich wie die seiner Vorgänger – mit der kriminellen Szene ungewollt in Kontakt kommen. In „Candy“ verliebt sich der Arztsohn Joe in ein drogensüchtiges Mädchen und will es aus den Fängen ihres Zuhälters befreien. In „Lucas“ sind es die Dorfbewohner, die kriminell werden und einen herumziehenden Jungen in den Tod treiben. Hier hat sich das Mädchen Caitlin die Geschichte “von der Seele geweint“.
    In seinem neuen Buch lässt Brooks einen Jungen sprechen, der in der Schule wegen seines Gewichts – er wiegt 110 kg – von seinen Mitschülern schikaniert, verprügelt, gehänselt und verachtet wird. Ein Regen aus Spott und Boshaftigkeit, der tagtäglich auf ihn niederfällt! Auch zuhause läuft für ihn jeder Tag öde und trist ab: Außer Fernsehen und Essen passiert nicht viel im Zusammenleben mit den Eltern.
    Ausgerechnet an seinem Zufluchtsort, der Autobahnbrücke, wo er die Zeit und seine Sorgen vergisst, beginnt er, als Zeuge der Verfolgungsjagd zwischen die Fronten Krimineller und der Polizei zu geraten.
    Anders als in Brooks bisherigen Büchern gibt es in „Kissing the rain“ kein Schwarz und Weiß, kein Gut und Böse – für Moo wird immer unklarer, was wahr und was falsch, wer gut und wer böse ist. Doch wie Joe glaubt, Candy von ihrer Heroinabhängigkeit retten zu können, denkt Moo am Ende seiner Verzweiflung, sich mit dem Kriminellen Vine messen zu müssen.
    „Kissing the rain“ – so heißt sein Ausweg aus dem Teufelskreis DIES oder DAS. Entscheide dich weder für das Eine noch für das Andere, denn beides ist verkehrt. Moo erinnert sich an das Spiel dreier Mädchen auf dem Schulhof: Was ist schlimmer – Moo küssen oder Hundescheiße essen? Deren Antwort bringt ihn auf eine gefährliche Idee, bei der es nicht mehr nur um ein Spiel geht, sondern um Leben und Tod. Sie muss nur noch in die Tat umgesetzt werden ...
    Kevin Brooks schuf mit diesem Buch einen Krimi für Jugendliche, der seinesgleichen sucht. Weniger seiner Thematik wegen, die - wie erwartet - für Spannung und Dramatik sorgt. Viel mehr fällt sein außergewöhnlicher Sprachstil aus dem Rahmen: mündliche Rede, umgangssprachliche Wörter, jugendlicher Slang. Ein hektischer Redeschwall, der nur so von Wörtern mit verschluckten Silben und Sätzen ohne Ende strotzt. Ein Text durchsetzt mit Versal- und Kursivschreibung, der die psychische Verfassung des Redenden zum Ausdruck bringt: Wut, Verzweiflung, Zerrissenheit. Diese Sprachgewalt, die auf den Lesenden prallt, ist sicher nicht jedermanns Geschmack, sie legt die Emotionen Moos jedoch am authentischsten frei und treibt die actiongeladene, fesselnde Handlung ebenso hastig voran.

    Man muss Moos einmaliger Stimme vom Anfang der Wahrheit bis zum Ende zuhören. Sie schreit förmlich seine Geschichte hinaus und kommt erst dann zum Verstummen, als Moo merkt, dass seine Gedanken sich im Kreise drehen: Der Anfang der Wahrheit ist zugleich ihr Ende!

    Gabi Schulze


    Kevin Brooks: Kissing the rain
    Aus dem Englischen von Uwe-Michael Gutzschhahn
    Deutscher Taschenbuch Verlag, München, 2007
    Taschenbuch. 416 Seiten. 12 ¤
    Ab 14 Jahren
    ISBN: 3-423-71211-8

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