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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 22. August 2017 | 16:51

     

    Sarah Weeks: Jamies Glück ab 11)

    03.05.2007

    Über die Last eines Geheimnisses, das nach Toffees schmeckt
    Von Glück im Unglück spricht man, wenn größeres Unheil durch einen günstigen Zufall abgewendet werden konnte. Jamies Unglück häuft sich gerade zu einem Berg trauriger Umstände, die er so einfach nicht verkraften kann. Und Jamies Glück? Das begegnet ihm in der Gestalt von Audrey, dem Mädchen mit der viel zu großen, seltsamen Brille ohne Gläser.

     

    Sie soll ihm mit Hilfe der Hypnose helfen, Vergessen zu können, stattdessen aber ruft sie Erinnerungen in ihm wach, die er eigentlich geheim halten wollte.

    Nicht vergessen, sondern erinnern – das wünscht Jamie seiner Tante Sapphy, die er sehr lieb hat und die seit ihrem Betriebsunfall alles vergisst. Deswegen ziehen er und seine Mutter auch in Sapphys Wohnwagensiedlung . Als wäre es nicht schon genug, dass erst seine Katze Mister überfahren wurde und sein Vater die Familie verlassen hat, jetzt muss Jamie in einer fremden Stadt leben, mit der herrschsüchtigen Lehrerin Miss Miller auskommen und den Spott eines geltungsbedürftigen, hässlichen Jungens namens Larry ertragen. Freunde hat er keine – oder doch? Audrey, das Mädchen mit den vielen Fragen und telepathischen Fähigkeiten, läuft ihm des öfteren über den Weg, sie setzt sich im Schulbus ungeachtet der Hänseleien Larrys neben ihn, kann dem Getränkeautomat mit einem kurzen Seitenhieb eisgekühlte Orangenlimo entlocken, verhindert, dass Miss Miller Jamie „zur Schnecke“ macht. Und sie weiß, dass er Konservenbüchsen sammelt. Kennt sie sein Geheimnis, das er tief in seinem Inneren vergräbt?

    Jamie wünscht sich nur eins: Die Sache mit dem alten Gray und seinem Büro vergessen zu können. Er schmeckt noch immer den Toffeegeschmack im Mund und spürt, wie sich der Knopf in seine Wange bohrt. Doch vergessen zu wollen, scheint ebenso schwer zu sein wie sich zu erinnern.

    Dass Sarah Weeks eine meisterhafte Erzählerin ist, beweist sie mit „Jamies Glück“ erneut auf eine liebenswerte und bezaubernde Art und Weise. Sie versteht es, komplizierte Themen, wie z. B. Krankheit und sexuelle Nötigung, behutsam, ergreifend und trotzdem auch humorvoll zu behandeln. Das gelingt ihr vor allem deshalb, weil sie ihren Ich-Erzähler über seine Gefühle und seinen seelischen Zustand sprechen lässt. Seine poetischen Beschreibungen und Vergleiche zu Situationen und Dingen offenbaren die Gedankenwelt einer Person, die ihre Umwelt sehr sensibel und offen wahrnimmt, sich nach außen hin aber verschließt.

    Außer seiner Mutter, die wenig Zeit für Jamie hat, bleibt ihm nur noch seine kranke Tante Sapphy als vertraute Person. Zwischen ihr und Jamie entwickelt sich eine rührende Beziehung: Liebevoll hilft er ihr bei der Bewältigung alltäglicher Dinge, geduldig beantwortet er ihre sich oft wiederholenden Fragen.

    Man möchte Jamie so gern auf der Suche nach dem magischen Auslöser, der seiner Tante ihr Erinnerungsvermögen zurückbringt, helfen. Schmunzelnd liest man von der Gewürzsammlung, den alten Platten mit Frank-Sinatra-Liedern und dem mitternachtsblauen Kleid – all diese Dinge aus Sapphys Vergangenheit sollen ihr Gedächtnis trainieren. Doch „der Schlüssel, bei dem das Schloss mit einem Mal aufspringt“, liegt in der Gegenwart. Sapphy findet ihn unerwartet bei Jamie, als sie des Nachts über seine Konservenbüchsen stolpert und einen zutiefst empfindsamen, ängstlichen Jungen im Bett entdeckt. Auf ihre Bitte hin und weil er weiß, dass Sapphy bis zum Morgen alles wieder vergessen hat, erzählt er ihr seine ihn bedrückenden Erlebnisse. In diesem Moment ist die kranke Sapphy der einzige Mensch auf der Welt, dem er seine seelische Not offenbaren kann. Sie tröstet ihn und gibt ihm die Gewissheit, dass nicht er schuld ist an dem, was passiert ist. Aus geteiltem Leid wird doppeltes Glück!

    Die Autorin bedient in ihrer Geschichte gegensätzliche Begriffspaare wie Erinnern und Vergessen, Glück und Unglück, Krankheit und Gesundheit, Freude und Trauer. Auch bei der Wahl ihrer Personen stellt sie unterschiedliche Charaktere gegenüber. Manche allerdings wandeln sehr nah am Grat zum Klischeehaften, z. B. Mary Lynne, Miss Millers Hätschelkind. Ihr stellt die Autorin Audrey, das spontane, sehr aufgeweckte Mädchen gegenüber. Der kleinkarierten, bornierten Lehrerin setzt sie den kreativen Schriftsteller zur Seite, der das Schöpferische der Kinder fördern und deren Beobachtungsgabe wecken möchte. Und nicht zuletzt Jamie selbst, der stille, verschlossene Junge, im Gegensatz zur humorvollen, lebenslustigen Audrey, die Jamies Glück ein klein wenig auf die Sprünge hilft.

    Sarah Weeks Buch sei vor allem denen empfohlen, die glauben, kein Glück zu haben und sich vom Pech verfolgt fühlen. Oft verschwindet das Unglück so schnell, wie es gekommen ist, und das Glück klopft an die Tür, wenn man gar nicht damit gerechnet hat.

    Gabi Schulze


    Sarah Weeks: Jamies Glück
    Aus dem Amerikanischen von Birgitt Kollmann
    Carl Hanser Verlag, München, 2007
    Gebunden. 159 Seiten. 14,90 ¤
    Ab 11Jahren
    ISBN: 3-446-20863-6

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