TITEL kulturmagazin
Samstag, 25. März 2017 | 04:50

 

Thomas Jeier, Emmas Weg in die Freiheit (ab 14)

13.12.2006


Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Amerika, das Land der Freiheit. Das Paradies auf Erden, in dem es keine Armut und keine Unterdrückung gibt. So werben Plakate für die Auswanderung in die USA. Man schreibt das Jahr 1909 und die 17jährige Emma folgt dem Ruf nach Übersee.

 

Sie hat nicht viel zu verlieren. Früh Waise geworden, wird sie vom o­nkel als billige Arbeitskraft missbraucht und die jüngsten Entwicklungen zeigen, dass er ihr gern näher kommen würde. Emma flieht bei Nacht und Nebel und macht sich mutterseelenallein auf eine abenteuerliche Reise ins Ungewisse. Es kann nur besser werden, davon ist das junge Mädchen überzeugt – und hat keine Ahnung, was sie in New York erwartet.

Thomas Jeier verpackt Emmas Erfahrungen in einen leicht zu lesenden, fesselnden historischen Roman, der die Arbeitsbedingungen junger Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Amerika beschreibt. Bedingungen, bei denen einem die Haare zu Berge stehen. Denn anders geplant kommt Emma nicht bei einem o­nkel unter – der entpuppt sich als Säufer, der nach dem Tod seiner Frau alles verloren hat – sondern muss ihren Lebensunterhalt als Näherin in der Fabrik verdienen. Vier Dollar Lohn pro Woche, die Kosten für das Schließfach, Strom, Nadeln und Garn für die Maschine gehen davon ab. Die wöchentliche Arbeitszeit erreicht spielend 70 bis 80 Stunden, Überstunden werden nicht vergütet. Das Reden oder Lachen während der Arbeitszeit ist strengstens untersagt und wer es trotzdem tut – kein Problem: es warten zig andere Mädchen auf die begehrten Jobs.
Emma beißt sich durch. Ihr erscheint es immer noch als das kleinere Übel: für das tägliche Überleben stehlen zu müssen, ist in ihren Augen schlimmer. Und als die Zustände immer unerträglicher werden, gehört sie zu denen, die es wagen auf die Straße zu gehen.
Die sozialen Probleme sind gut recherchiert und anschaulich geschildert.

Als Dreingabe gibt es noch eine Liebesgeschichte und viele eingestreute Informationen – z.B. warum so viele Juden zur damaligen Zeit aus Osteuropa in die USA auswanderten. Der Aufstand der Näherinnen wird von Jeier mit einer großen Portion Optimismus erzählt, ohne die Situation romantisch zu verklären. Wer sich weiter für die Fakten interessiert: im Anhang des wirklich lesenswerten Buches gibt es einige weiterführende Literaturtipps.
Und am Ende wirkt dann auch die Freiheitsstatue für Emma nicht mehr ganz so ironisch und deplaziert.

Andrea Wanner


Thomas Jeier: Emmas Weg in die Freiheit
Überreuter 2006.
Gebunden. 254 Seiten. 14,95 Euro.
Ab 14 Jahren.
ISBN 3-8000-5234-2

... bis sie dann gestorben sind.

Wenn Comics sich klassischen Märchenmotiven widmen, dann tun sie das meist in Form einer eher überzogenen Parodie. Selbst wenn sich dahinter so viel Sophistication verbirgt wie hinter ...

Ein Igel erlebt sein blaues Wunder

Neue Kartracer haben es nicht leicht. Auch nach 20 Jahren ist der Schatten der einstigen Genregröße Mario Kart so mächtig, dass sich jeder neue Titel einen Vergleich ...

Musik in Schwarz-Weiß

Noch ein paar Tipps für die Tage in denen Stimmung und Landschaft sich den Grau-Tönen nähern und die richtige Musik dabei hilft, ruhige Momente zu ...

Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

Das Ende der Sommerzeit

Es gibt Bücher, die schleichen sich ganz unmerklich ins Herz und treffen einen im Innersten. Tamara Bachs Geschichte gehört dazu. Von ANDREA WANNER

Wer will fleißige Handwerker sehn

Der Künstler und ehemalige Hartz IV-Empfänger Van Bo Le-Mentzel hat zusammen mit seiner Crowd ein DIY-Forum geschaffen und mittels Schwarmfinanzierung auch gleich ein Buch drucken lassen. ...

10 Gründe, Engelmann zu lieben

Aufgelistet von BRIGITTE HELBLING

Der Spielplatz macht zu

Nach drei Ausgaben wird das Games-iPad-Magazin Spielplatz wieder eingestellt. Was dahinter steckt, wollte RUDOLF INDERST im Gespräch mit den beiden Machern Henning Ohlsen und Mark ...

NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter