Wir alle wissen, was aus ihr wurde: am 24. März 1603 stirbt Königin Elisabeth nach 44 Jahren und 127 Tagen Herrschaft, tief betrauert vom englischen Volk. Sie gab einem Zeitalter ihren Namen, sie sorgte während ihrer Regierung für eine lange Friedenszeit und es gelang ihr, auch die religiösen Spannungen im Land nicht eskalieren zu lassen.
Carolyn Meyer beginnt ihre fiktive Geschichte, die auf historischen Tatsachen beruht, mit der dreizehnjährigen Prinzessin, für die der Thron unerreichbar erscheint. Heinrich VIII hatte seine erste Ehe mit Katharina von Aragon, die der Papst nicht annullieren wollte, für ungültig erklären lassen und heiratete Anfang 1533 die schwangere Anne Boleyn. Er hoffte auf einen männlichen Thronfolger und war tief enttäuscht, als das Kind, das am 7. September 1533 geboren wurde, nur ein Mädchen war. Anne Boleyn, Elisabeths Mutter, ließ er im Mai 1536 unter Anklage des Ehebruchs hinrichten. Elisabeth wurde zum Bastard erklärt und lebte die meiste Zeit fern vom Hof.
Und nun ist der König tot. Elisabeths Halbbruder Edward IV wird König. Er ist noch ein Kind und wird für Intrigen missbraucht. In Elisabeth erwacht der Ehrgeiz. Tief in ihrem Inneren spürt sie, dass sie die eigentliche Herrscherin des Landes ist. Aber zwischen ihr und dem Thron steht selbst nach dem frühen Tod des Bruders noch immer ihre Halbschwester Maria. Aus der Perspektive dieses jungen Mädchens erleben wir ihren Kampf um den Thron. Raffiniert und taktisch klug, dann wieder zögerlich und kindlich naiv verfolgt sie ihre Pläne. Nein, sympathisch ist die nicht immer, aber unweigerlich lässt man sich von diesem Schicksal ergreifen. Hat sie tatsächlich die Fäden in der Hand oder werden ihre mächtigen Gegner es schaffen, sie auszuschalten? Wir wissen, wo die Prinzessin am Ende ankommt und trotzdem fehlt es diesem historischen Roman keinen Moment an Spannung. Wenn die verwöhnte Adelige unter unvorstellbaren Bedingungen im Kerker sitzt und Todesängste aussteht, leidet man mit ihr, das angespannte Verhältnis zu ihrer Halbschwester Maria Tudor beschäftigt einen. Sie ist eine beeindruckende Persönlichkeit, der die Krone nicht in den Schoß fällt, sondern die sie sich hart erkämpft.
Die Jugendjahre einer Prinzessin sind hervorragend recherchiert und spannend erzählt, unterhalten mit kurzweiligen Anekdoten und Details vom höfischen Leben.
Andrea Wanner

Carolyn Meyer: Ich, Prinzessin Elisabeth von England
Aus dem amerikanischen Englisch von Anne Braun.
Fischer Schatzinsel 2005. 252 Seiten. Gebunden.
ab 13 Jahren. 13,90 Euro.
ISBN: 3-596-85169-6