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    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 25. Mai 2017 | 20:18

     

    Inge Barth-Grözinger: etwas bleibt. Ab 13

    28.10.2004

    Wo Freunde zu Mitläufern werden

    Man sollte meinen, es gäbe inzwischen genug Jugendbücher, die das dunkelste Kapitel der deutschen Vergangenheit zum Thema haben. Und wenn man erfährt, dass sich ausgerechnet eine Deutsch- und Geschichtslehrerin an diesen Stoff gewagt hat, werden manche vielleicht mit einem didaktisch wertvollen aber literarisch überflüssigen Buch rechnen. Falsch.

     

    Inge Barth-Grözinger, Lehrerin am Peutinger-Gymnasium in Ellwangen, hat im Rahmen des Seminarkurses „Spurensuche“ gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern Material zusammengetragen, das das Leben der Familie Levi in Ellwangen zur Zeit der Machtergreifung Hitlers dokumentieren. Eine Ausstellung war das eine Ergebnis der umfangreichen Recherchen, ein anderes der Roman.

    Erich Levi hat wirklich gelebt. Im Januar 1933 ist er zwölf Jahre alt, besucht das Gymnasium in Ellwangen und fühlt sich im Kreis seiner Familie – dem Vater Julius, der Viehhändler von Beruf ist, der Mutter Melanie, dem zwei Jahre jüngeren Bruder Max und dem Hausmädchen Fanny – wohl und genießt die Freizeit mit seinen Freunden Helmut und Kurt. Dass etwas in der Luft liegt, spürt der Junge. Er hat manche Gespräche der Erwachsenen mitgehört, ohne sie wirklich zu verstehen. Als Adolf Hitler am 30. Januar 1933 vom damaligen Reichspräsident Hindenburg zum Reichskanzler ernannt wird, dauert es nicht lange, bis die Veränderungen Ellwangen und Erich Levi erreicht haben. Lehrer in brauner Uniform, Nachbarn, die nicht mehr grüßen, und zum Mittagessen öfters ein billiges Essen statt Fleisch, weil viele Bauern beim Juden Levi kein Vieh mehr kaufen wollen. Ein Junge sieht fassungslos zu, wie die Welt um ihn herum aus den Fugen gerät. Lehrer schikanieren ihn grundlos, verspotten seine Äußerungen als „typisch für einen Juden“. Freunde meiden ihn und er muss erkennen, dass auch die Autorität des Vaters ihn nicht länger schützen kann.

    Inge Barth-Grözinger erzählt nicht von dem Massenmord an Juden, von Konzentrationslagern und Giftgas. Sie begibt sich dort auf Spurensuche, wo das gewohnte tägliche Miteinander Risse bekommt, wo Freunde zu Mitläufern und Nachbarn zu Tätern werden. Einfühlsam lässt sie noch einmal die Welt einer jüdischen Familie mit all ihren Ritualen und Bräuchen lebendig werden, berichtet von Hoffnungen, von denen wir längst wissen, dass sie vergebens waren und von dem traurigen Prozess, in dem die Levis erkennen, dass für sie in dieser Stadt, in diesem Land kein Leben mehr möglich ist. Sie wählt die naive Perspektive eines Kindes, das aus der Geborgenheit seines Lebens gerissen wird und entsetzt die Welt nicht mehr versteht. Warum soll er, Erich Levi, plötzlich nicht mehr dazugehören, nur weil er ein Jude ist? Trotzig versucht er, sein Leben wie gewohnt weiterzuleben und weiß gleichzeitig, dass das nicht mehr möglich ist. Ein Schicksal, das unter die Haut geht – und das nur eines von unzähligen ist. Die Geschichte von Erich Levi ist eines der beeindruckendsten Jugendbücher dieses Herbstes.

    Andrea Wanner


    Inge Barth-Grözinger: etwas bleibt.
    Thienemann 2004. 448 Seiten.
    Ab 13 Jahren. 18 Euro.
    ISBN: 3-522-17655-3

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