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    TITEL kulturmagazin
    Samstag, 24. Juni 2017 | 02:14

     

    Frédérique Niobey: Grau und auch grün

    29.07.2004

     

    "Und ich bahne mir meinen Weg"

    - Nichts schreckt mich mehr ab. Mein inneres Gespür treibt mich voran, ich entwerfe meinen Lebensweg.“

     

    Eine triste Hochhaussiedlung am Rande einer französischen Großstadt bietet jungen Menschen wenig. Die 15-jährige Nadja hat es längst satt, mit der ewig gleichen Clique rumzuhängen und die ewig gleichen Dinge zu tun. Sie träumt davon, das Meer zu sehen. Stattdessen wird sie ständig von einer seltsamen Alten angesprochen. Nadja fühlt sich schon richtig verfolgt, aber die Frau ist stur und lässt nicht locker. Sie scheint unbedingt mit Nadja ins Gespräch kommen zu wollen.

    Die Freundschaft, die sich zwischen einem jungen Mädchen und einer alten Frau entspinnt, erinnert ein bisschen an Harold und Maude. Nadja sucht ihren Platz in der Welt, Loeïza hat ihr Leben schon fast hinter sich. So beginnt die Geschichte der kurzen Zeit, die die beiden miteinander verbringen, am Ende: mit Loeïzas Tod. Wie die vorsichtige Annäherung der beiden begann, wie daraus eine besondere Beziehung voller Vertrauen und Nähe wurde, wie die komische Alte zwar aufdringlich auf Nadja zugeht, ihr Wissen und ihre Erfahrung aber ganz behutsam einbringt, schildert die Französin Frédérique Niobey in ihrem ersten Jugendroman auf klare, sympathische Art. Es sind vor allem die kleinen Beobachtungen am Rande – ein Mädchen aus der Clique, das jetzt einen Kinderwagen schiebt und die anderen nicht einmal mehr grüßt oder das angeberische Gehabe der Jungs – die authentisch die Stimmung der „banlieue“ widerspiegeln, wo Träume zu Ende sind, ehe sie je geträumt wurden. Nadja ist anders. Auch innerhalb der Gruppe kaum mehr als die akzeptierte Außenseiterin, die sich Zigaretten und Alkohol verweigert. Konsequenter als ihre Altergenossen macht sie sich klar, was sie von Leben will. Zum Beispiel das Meer sehen und auf keinen Fall so werden wie die eigenen, ewig vor dem Fernseher sitzenden Eltern. Und als die Sehnsucht nach dem Neuen, Fremden so groß wird, dass Nadja es kaum noch aushält, fährt sie einfach weg.

    In kurzen Dialogen, Briefen an Nadjas Freundin und inneren Monologen wird das Leben beschrieben, wird von den Dingen geredet, die stattgefunden haben, die wir als Leser aber nur aus zweiter Hand geboten bekommen. Eine merkwürdige Leichtigkeit geht von der hinreißenden Geschichte aus, die fast wortkarg erzählt wird und sich nicht scheut, an gefühlvollen Stellen auf die Texte französischer Chansons zurückzugreifen. Nicht von ungefähr entdeckt Nadja nach der sehnsuchtsvollen Balladensängerin Céline Dion eine neue musikalische Vorliebe: Mano Solo, der als Revolutionär in Sachen Chanson gilt. Mano Solo hat einen Weg gefunden, all seine Liebe, seinen Hass, sein Leid, seine Angst und seinen Zorn auszudrücken. Seine Worte macht Nadja zu den ihren und trotz mangelnder Perspektiven bleibt für sie auch nach dem Tod ihrer mütterlichen Freundin ein Ziel. Das Leben mag grau sein, aber irgendwo blitzt auch ein Stückchen Grün auf:

    „Und ich bahne mir meinen Weg, nichts schreckt mich mehr ab. Mein inneres Gespür treibt mich voran, ich entwerfe meinen Lebensweg.“

    Andrea Wanner


    Frédérique Niobey: Grau und auch grün.
    Aus dem Französischen von Rosemarie Griebel-Kruip.
    Sauerländer 2004. 144 Seiten.
    ab 13 Jahren. 12,90 Euro.
    ISBN: 3-7941-8020-8

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