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    TITEL kulturmagazin
    Mittwoch, 28. Juni 2017 | 11:01

     

    Michael Chabon: Sommerland

    09.06.2004

     
    Schlagfertig

    Michael Chabons fesselnde Geschichte steckt voll überschäumender Fantasie, origineller Fabelwesen und unzähligen Anspielungen auf Märchen und Mythen.


     

    Ethan hasst Baseball und würde für sein Leben gern damit aufhören. Am wohlsten fühlt er sich auf der Auswechselbank, und wenn er dann gelegentlich doch aufs Feld muss – macht er einfach die Augen zu. Viel dümmer kann man sich nicht anstellen und die Niederlagen seiner Mannschaft, den Roosters, gehen zu einem nicht unbedeutenden Teil auch auf Ethans Konto. So scheint es eine besondere Ironie des Schicksals zu sein, dass ausgerechnet er mit seinen nicht vorhandenen Baseballkünsten das Ende der Welt verhindern soll.

    Was genau seine Aufgabe ist, erklärt ihm Cutbelly, ein 765 Jahre alter Werfuchs. Die Geschichte ist atemberaubend, fantastisch und verrückt: es gibt nicht nur die eine menschliche Welt, in der wir leben, genannt Mittelland, sondern es gibt vier parallel existierende Welten, die früher einmal in permanenter Verbindung standen. Diese Verbindungsstücke werden systematisch vom Kojoten zerstört und eben dieser Kojote, der große Veränderer, will das Ende aller Welten. Ethan soll den Kojoten daran hindern, indem er Baseballspiele gewinnt.

    Ethan ist ein schlechter Baseballspieler und alles andere als ein Held. Das einzige, was ihn schließlich dazu bewegt, diese unlösbare Aufgabe in Angriff zu nehmen, ist sein Vater, den der Kojote entführen ließ. Zwei Freunde stehen ihm zur Seite auf seiner Reise nach Sommerland und nach und nach gesellen sich weiter überraschende Gestalten dazu. Der Countdown läuft und Zackenfels, der letzte Tag der Welt, rückt näher und näher.

    Michael Chabons fesselnde Geschichte steckt voll überschäumender Fantasie, origineller Fabelwesen und unzähligen Anspielungen auf Märchen und Mythen. Und anders als in den meisten Fantasyromanen ist das Böse, verkörpert durch den Kojoten, nie durch und durch nur schlecht, sondern stellt den Helden und seine Begleiter vor Aufgaben, an denen sie wachsen sollen. Ethan ist der sympathische Junge von nebenan, der nie zum Supermann werden wird, der aber in kritischen Situationen im wahrsten Sinne des Wortes schlagfertig reagiert.

    Ein kleiner Tipp: man tut sich leichter, wenn man vor der Lektüre die „Kleine Baseballkunde“ ab Seite 474 studiert. In Amerika war das erste Jugendbuch des Pulitzer-Preisträgers ein Riesenerfolg – für die Leser dort sind Baseballregeln eine Selbstverständlichkeit. Wer weiß, was ein Change-up, ein Pitch oder der Thirdbaseman ist, wird sich in der mythischen Welt schnell zurechtfinden und Ethans Team 470 fesselnde Seiten lang die Daumen drücken.

    Andrea Wanner

    Michael Chabon: Sommerland.
    Aus dem Amerikanischen von Reiner Pfleiderer.
    Hanser 2004. Hardcover. 480 Seiten.
    Ab 12 Jahren. 19,90 Euro.
    ISBN: 3-446-20441-5

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