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Fußball-Kinderbücher 1

28.05.2004

Komisches, gute Absichten und Karges

Werder ist Meister, nun kommt die EM. Man wird also wieder vor dem Fernseher hocken und weil das, wie die Pädagogen sagen, nicht ganz so gut ist, kommen manche Erwachsene auf einen (allzu?) simplen Gedanken: Schenken wir dem Kind doch ein Fußballbuch. Nur welches?
Frank Keil traf auf ungewollt Komisches, Absichtsgesättigtes und allzu einfach Gestricktes.

 

Clive Gifford: Mein großes Fußballbuch
Ars Edition, München
Gebunden. 95 Seiten. 14,90 ¤
ISBN 3-7607-4816-3

Kinder sind kritisch, legt man ihnen ein Buch zu Füßen. Ein erster Blick und alles ist entschieden (meistens jedenfalls). Wenn Kinder höflich sind, und das sind viele Kinder, sagen sie noch, sie würden das Buch, das sie gerade zur Seite legen, gewiss lesen. Später, also irgendwann, also nie.

Und dem Erwachsenen obliegt es nun, dies zu glauben oder es besser zu wissen. Dabei sind die Kriterien von Kindern mal zu durchschauen, mal denn doch rätselhaft. Und so kommt es immer wieder auf einen Versuch inklusive der darin enthaltenden Enttäuschung an (siehe oben).

Dass Mein großes Fußballbuch bei jedem Jungen ein Leuchten in die Augen zaubern wird, das zu wissen, ist dagegen keine große Kunst. Schon das Din A 4 Format überzeugt und auch die Aufmachung: Signalgrün der Schriftzug, unten rechts Herr Beckham, wie er sich anschickt kraftvoll vom Umschlag wegzustürmen. Und das Buch aufgeklappt und alles stimmt. Kleine Textblöcke, dazwischen gestreute Grafiken und Fotos bekannter und weniger bekannter Fußballer (und Fußballerinnen!) geben sofort das Gefühl, im Moment des Betrachtens wie des Anlesens gehört man zu den Kennern. Zu denen, die Bescheid wissen, nur manchmal das eine und andere noch nachholen müssen.

Mithin: So ein Buch liest auch der Erwachsene! Was so nicht ganz stimmt, aber das ist für das Kind ja nicht entscheidend. Sehr übersichtlich werden Grundbegriffe vermittelt: Vor dem Anpfiff - Das Tackling – Schusstechniken. Gewiss, manche der abgebildeten Figuren sehen arg aus wie aus dem Grafikprogramm des nächsten PCs entfleucht und wirken zuweilen ungewollt komisch. Aber das stört Erwachsene. Und die sollen das ja nicht lesen – sondern verschenken.






Manfred Mai: Eine Klasse im Fußballfieber
Ravensburger Buchverlag
Broschiert. 90 Seiten, 6,50 ¤
ISBN 3-473-36022-8

Fußball und Mädchen, das ist ein Thema für sich. Und Jungen und Mädchen und Fußball ein anderes. Dann nämlich, wenn Jungen anfangen, sich für beides zu interessieren und auf die irre Idee kommen, das passe nicht zusammen.

Eine Klasse im Fußballfieber
will so die Geschichte von Daniel erzählen, der sich Ballack nennt. Und der ist damit auch recht zufrieden, gebe es Sophia nicht, die ihm Tag für Tag mehr den Kopf verdreht. Und was passiert? Man muss nicht lange überlegen; wirklich nicht. Sophia lernt Fußballspielen und schießt das entscheidende Tor und damit wurde wieder einmal ein Stück jener absichtsgesättigten Kinderbuchliteratur abgeliefert, bei der man es (vor allem) Jungen nicht verdenken kann, dass sie um das Buch einen weiten Bogen schlagen.


 



Markus Grolik/ Alexander Schütz: Kunterbunte Fußballgeschichten
Ars Edition, München
Gebunden. 38 Seiten. 7,50 ¤
ISBN 3-7607-3953-9


Kunterbunte Fußballgeschichten
ist ein ganz ähnlicher Versuch, Fußballleidenschaft und Leselust zu verkoppeln, wenn auch hier versucht werden soll, überhaupt Lesefähigkeit zu festigen. Der Text besteht dabei aus Worten und dazwischen Gezeichnetem, so dass das Kind im beginnenden Lesealter sich aufs Lesen stürzen soll. Also: „Wie eine – man sieht eine Rakete – zischt der – man sieht einen Ball – auf das – man sieht ein Tor – zu.“ Ob Kinder auf diese Weise wirklich lesen lernen, darüber gibt es mehr als unterschiedliche Ansichten.

Vermutlich ist es Glaubenssache, und es dürfte an der Überzeugungskraft des jeweiligen Erwachsenen liegen, der mit so einem Buch vorbei geschlendert kommt, ob sich das Kind mit dieser Methode anfreundet. Der Preis ist in jedem Fall, dass man keine auch nur annähernd komplexen Geschichten entwickeln kann, muss der Text doch so einfach gestrickt sein, dass er Stück für Stück gezeichnet werden kann. Für Vor- und Rückgriffe und für all die interessanten Empfindungen und Gefühle, von denen gerade der Fußball lebt, ist schlicht kein Platz.

Und ob entsprechend Kinder (die noch dazu zum Lesen animiert werden sollen) sich mit derart karger Kost zufrieden geben, darf (zum Glück) bezweifelt werden.

Frank Keil

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