• losttorrent
  • richtorrent
  • pushtorrent
  • Titel-Magazin
    TITEL kulturmagazin
    Montag, 22. Mai 2017 | 23:15

    Heinz Janisch: Rita

    19.11.2012

    Eine Heldin

    Auf der Suche nach der ultimativen Heldin im Bilderbuch hat ANDREA WANNER eine Entdeckung gemacht: Sie heißt Rita und ist »Das Mädchen mit der roten Badekappe«. Ihre Geschichte ist verblüffend und man muss sie kennenlernen.

     

    Auf dem Cover wendet sie uns den Rücken zu. Schwarzer Badeanzug, rote Badekappe, vor ihr scheint das leicht bewegte Wasser nur auf sie zu warten. Das erste Bild im Innenteil zeigt sie uns im kühlen Nass. Nur Kopf und Schultern sind über Wasser, der restliche Körper lässt sich unter der Oberfläche eher erahnen. Rot leuchtet auch ihr die Bademütze. Was macht dieses Mädchen so spannend? Ein Ich-Erzähler, der sich nicht näher zu erkennen gibt, berichtet von seiner beeindruckenden Erfahrung.

     

    Sensationen

    Geschickt tut er das, in dem er zunächst die Highlights seines, wohl noch jungen Lebens auflistet, die er gesehen hat. Darunter finden sich ein Matrose, ein Luftschiff, ein Labyrinth, ein Seiltänzer und eine Achterbahn. Jedem dieser packenden Erinnerungsmomente ist eine eigene Doppelseite gewidmet. Großartige Situationen, zu Recht unvergessen und mit einem besonderen Stellenwert. Und dann taucht Rita auf. Die bisherige Wortkargheit, die sich auf die Nennung des Begriffes beschränkte, macht zwei Sätzen Platz, die drei Mal die Heldin nennen: »Aber nicht hat mich so beeindruckt wie Rita. Rita, das Mädchen mit der roten Badekappe.« Und dazu sehen wir sie auch zwei Mal: einmal nur den Kopf mit den Händen, die die Badekoppe zurechtrücken, das andere Mal ein Ganzkörperbild, auf dem Teile des Kopfes und der Hände fehlen. Was kann sie? Womit hat sie unseren Erzähler beeindruckt? Es muss etwas Fantastisches, Nie-Dagewesenes sein. Etwas, das einen den Atem anhalten lässt.

     

    Die Wahnsinnsschnörkel, Auf- und Abs der Achterbahn waren so verrückt und nervenzerreißend anzusehen; das Labyrinth lockte so magisch und grenzenlos, die Luftschiffe am Himmel schienen einer geheimnisvollen anderen Welt anzugehören … Was kann es sein, das all dies in den Schatten stellt und tatsächlich noch mehr beeindruckt?

     

    Verblüffung

    Langsam und genüsslich entwickelt sich die Geschichte. Zunächst steht Rita auf dem Dreimeterbrett. »Ganz lange«. Ganz lange sollte man dieses Bild betrachten, auf dem sie schon nicht mehr steht, sondern auf dem Brett kniet und nach unten in die Tiefe späht. Nur um dann das Dreimeterbrett über die Leiter wieder nach unten zu verlassen. Dann taucht sie auf dem Einmeterbrett auf. Und steigt auch von dort wieder Stufe für Stufe hinab. Unvermeidlich scheint das »Feigling!«, das ein Junge ihr zuruft.

     

    Auf was hatten wir gewartet? Wie hatten wir uns Ritas Heldentat vorgestellt? Ein geschraubter Salto durch einen brennenden Reifen? Eine mutige Rettungsaktion für einen Ertrinkenden? Irgendeine wagemutige, beherzte Situation hatten wir sehen wollen. Stattdessen werden wir Zeugen einer Blamage. Oder?

     

    Mut

    Nein. Denn Rita ist ganz sie selbst. Sie hat sich gegen den Sprung entschieden. Zwei Mal. Sie hat ihn vielleicht einmal in Erwägung gezogen, aber dann festgestellt, dass es nicht das ist, was sie will. Sie steht zu dieser Entscheidung. Ihr doch egal, was andere davon halten. Alles an ihr signalisiert Selbstbewusstsein. Sie bringt den Mut auf, das nicht zu tun, was von ihr erwartet worden war, nachdem sie die Leiter nach oben gestiegen war. Und ihre kurze, an den fremden Jungen gerichtete Antwort, rückt die Dinge an ihren Platz. »Fische springen nicht von Türmen.«

     

    Der 1960 geborene österreichische Kinderbuchautor Heinz Janisch braucht für diese Geschichte nur wenige Sätze. Er wählt einen unbeteiligten Dritten, der die Szene mit beeindruckender Schlichtheit und einem gekonnten Spannungsaufbau schildert. Kein Wort zu viel. Keine Geste, kein Blick zu viel. Punktgenau zielt diese Begebenheit auf ihren Höhepunkt – der keiner ist. Oder gerade deshalb ein ganz besonderer. Die belgische Bilderbuch-Künstlerin Ingrid Godon hat dazu Bilder in einer bestechenden Schlichtheit geschaffen, nahezu monochrom in zarten Türkis-Braun-Tönen. Wasserblau. Badeanzugschwarz. Und dazwischen leuchtet die rote Badekappe. Rita hat sich getraut.

     

    | kommentar schreiben

    Name:
    Kommentar:

    ... bis sie dann gestorben sind.

    Wenn Comics sich klassischen Märchenmotiven widmen, dann tun sie das meist in Form einer eher überzogenen Parodie. Selbst wenn sich dahinter so viel Sophistication verbirgt wie hinter ...

    Ein Igel erlebt sein blaues Wunder

    Neue Kartracer haben es nicht leicht. Auch nach 20 Jahren ist der Schatten der einstigen Genregröße Mario Kart so mächtig, dass sich jeder neue Titel einen Vergleich ...

    Musik in Schwarz-Weiß

    Noch ein paar Tipps für die Tage in denen Stimmung und Landschaft sich den Grau-Tönen nähern und die richtige Musik dabei hilft, ruhige Momente zu ...

    Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

    Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

    Das Ende der Sommerzeit

    Es gibt Bücher, die schleichen sich ganz unmerklich ins Herz und treffen einen im Innersten. Tamara Bachs Geschichte gehört dazu. Von ANDREA WANNER

    Wer will fleißige Handwerker sehn

    Der Künstler und ehemalige Hartz IV-Empfänger Van Bo Le-Mentzel hat zusammen mit seiner Crowd ein DIY-Forum geschaffen und mittels Schwarmfinanzierung auch gleich ein Buch drucken lassen. ...

    10 Gründe, Engelmann zu lieben

    Aufgelistet von BRIGITTE HELBLING

    Der Spielplatz macht zu

    Nach drei Ausgaben wird das Games-iPad-Magazin Spielplatz wieder eingestellt. Was dahinter steckt, wollte RUDOLF INDERST im Gespräch mit den beiden Machern Henning Ohlsen und Mark ...

    NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter