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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 23. Juni 2017 | 19:25

    Mies van Hout: Heute bin ich

    29.10.2012

    Gefühle im Aquarium

    Fische sind bekanntlich stumm. Wer glaubt, dass sie deshalb auch nicht in der Lage sind, Gefühle zu zeigen, wird eines Besseren belehrt. ANDREA WANNER hatte ihre Freude daran.

     

    Schwarz wie die tiefsten Tiefen des Meeres ist das Cover. So schwarz wie im Innenteil auch die Seiten, auf denen sich Fische in den schillerndsten Farben tummeln. Wer in einem Aquarium schon mal einen gelb-weiß-gestreiften Kupferstreifen-Pinzettfisch, einen blau-silber-schillernden Franzosen-Kaiserfisch, einen geheimnisvoll blauen Palettendoktorfisch, einen roten Schwertträger mit Schleierschwanz, einen farbenfrohen Meerpfau oder einen übermütig gemusterten Harlekin-Lippfisch gesehen hat, weiß, dass Mies van Hout ganz nah dran ist mit seinen leuchtenden Tieren. Allerdings geht sie davon aus, dass die Fische nicht einfach durch die Gegend schwimmen auf der Suche nach Nahrung oder auf der Flucht vor Feinden, sondern sie schreibt ihnen durchaus menschliche Gefühle zu.

     

    Emotional aufgeladen

    Sein oder Nichtsein ist hier keine Frage. Ein selbstbewusstes „Heute bin ich“ kann ganz alleine dastehen. Ich, der Fisch, bin. Ich lebe, schwimme, atme mit meinen Kiemen. Heute. Morgen ist ein anderer Tag. Heute jedenfalls bin ich. Reicht das, einfach nur zu sein? Nein, offensichtlich nicht. Auch Fische haben – jedenfalls in diesem Bilderbuch – Gefühle. Sie sind neugierig oder nervös, sorglos oder neidisch. Mies van Hout verrät keinen Grund dafür. Auf einer Seite des Querformats präsentiert sich ein Fisch, kehrt sein Innerstes nach Außen und trägt seine Befindlichkeit offen zur Schau. Die andere Seite ist in einer jeweils anderen Farbe gehalten, darauf findet sich  das Adjektiv, das das Gefühl beschreibt.  

     

    Wie geht es also dem dicken roten Fisch im lila-roten Schuppenkleid, dessen Maul ein verklärtes Lächeln umspielt und der versonnen die Augen geschlossen hat? Keine Frage, der ist ohne Zweifel: verliebt. Und dieses »verliebt« findet sich in zarten roten Lettern auf rotem Grund, von dem es kaum zu unterscheiden ist. Das ist das Stadium des träumerischen Verliebtseins, das ganz dem Fisch gehört, das sich zaghaft in ihm einnistet und doch schon den  ganzen Körper erfasst hat. Und was fühlt der Mittelgroße, dessen Rückenflosse steil aufgerichtet ist, die Kontur mit Wachsstift so umrissen, als würde er gleich platzen, das Fischmaul weit aufgerissen und die Augen zugekniffen? Ganz klar: der ist zornig. Irgendetwas hat ihn so aufgeregt, dass er aus der Fischhaut zu fahren droht. Auch hier der Untergrund für die Schrift in Rot gehalten. Allerdings ist es dieses Mal kein verklärtes Samtrot oder ein Schwarz durchsetztes Zornesrot und die Schrift scheint mit wütender Hand zitternd in das Rot eingeritzt: »zornig«.

     

    So präsentieren sie sich der Reihe nach. Sie sind verblüfft oder gelangweilt, zufrieden oder verwirrt, böse oder stolz, betrübt oder mutig, ängstlich oder glücklich. Mehr gibt es nicht. Mehr braucht es nicht. Das ist perfekte Reduktion, gelungenster Minimalismus in einem der schönsten Bilderbücher des Jahres.

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