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    Freitag, 23. Juni 2017 | 19:25

    Philip Waechter: Der fliegende Jakob/Simon James: Jakob fliegt nach Süden

    15.10.2012

    Hoch am Himmel

    Draußen sammeln sich die Zugvögel. Wahrscheinlich ist da auch ein Jakob dabei, der jetzt Richtung Süden startet. Wie ANDREA WANNER auf die Idee kommt? Zwei Bilderbücher mit jeweils einem fliegenden Jakob haben es ihr angetan.

     

    Dabei kann Jakob Nummer eins gar nicht fliegen. Obwohl er es dringend können sollte, denn die Blätter an den Bäumen beginnen braun zu werden und viele Vögel haben sich schon auf den Weg gemacht. Das Problem ist: Jakob ist noch ein sehr junger Vogel und traut sich noch nicht zu fliegen. Während er seine Mutter bittet, ihm noch ein paar Würmer zu besorgen, passiert es: Der Wind trägt das Nest mitsamt dem Jungvogel darin davon. »Ich fliege! Huiii!«, juchzt ein begeisterter Jakob, der das wundervolle Gefühl ja noch nie am eigenen Körper erlebt hat.

     

    Tatsächlich, er ist in der Luft unterwegs – und landet auf einem Autodach. So setzt er, fliegend begleitet von seiner Mutter, die Reise fort. Der Wind sorgt für Abwechslung: Vom Autodach geht’s auf einen Schleppkahn, von dort mit der Ladung per Kran hoch hinaus auf das Baustellengerüst eines Hochhauses. Und dann, ganz am Ende, kurz bevor sich eine furchtbare Katastrophe ereignet, geschieht es: Jakob benutzt endlich seine Flügel und fliegt.

     

    Geduld...

    Wunderbar erzählt Simon James in Wort und Bild diese Geschichte. Kleine Bildchen wie Comicsequenzen beobachten Jakob ganz genau und münden dann wieder in ganzseitige Bilder, auf denen man den kleinen Vogel erst mal suchen muss. Die Welt ist so unendlich groß, Jakob so winzig. Ist er ihr wirklich gewachsen? Die Mutter unterstützt ihr Kind, macht ihm Mut, wird nie ungeduldig. Das wird schon klappen, ist ihr unerschütterlicher Glaube. Diese Zuversicht vermittelt sie Seite um Seite. Bewundernswert ihr Mut, wenn sie im Sturzflug zum Angriff auf die böse Katze durchstartet, liebenswert ihr Lächeln, wenn sie Jakob gut zuredet. Skizzenhaft leicht und luftig sind die Bilder – und am Ende ist Fliegen ein Kinderspiel!

     

    ... und Toleranz

    Solche Mütter wünscht man sich. Oder Eltern wie Jakob Nummer zwei sie hat. Auch dieser Jakob ist anders als die anderen. Allerdings ist es nicht so, dass er ein Spätzünder ist und spät das Fliegen lernt, im Gegenteil: Jakob fliegt seit frühester Kindheit. Nur dass Jakob kein Vogel ist, sondern ein Junge. Genau so beginnt Philipp Waechter auch seine Geschichte. Mit einem Bild von Jakob, umgegeben von ganz normalen Dingen, mit denen Jungs sich so abgeben, einem Fußball, einem Miniroboter, Spielzeugautos, Blaukötzen, Stiften, einem Tippkickmännchen mit Tor… Und folgender Bildunterschrift: »Jakob konnte fliegen. Das klingt vielleicht verrückt, war aber wirklich so. Jakob konnte fliegen.«

     

    Mit der wunderbaren Selbstverständlichkeit dieser ersten Sätze erzählt er dann weiter. Zunächst berichtet er von Jakobs erstem Flug. Verdutzte Eltern, die darauf warten, dass ihr Sprössling zu krabbeln anfängt, erleben, wie er sich plötzlich aus dem Kinderwagen in die Luft schwingt. Aber nach einer kurzen Phase der Besorgnis akzeptieren sie ihren Sohn, wie er ist. Im Gegenteil, sie entdecken auch die praktischen Seiten daran und lassen Jakob die ganz roten Kirschen vom Baum aus der Luft ernten. Und als es in den Urlaub geht, Richtung Süden, besteigen die Eltern das Flugzeug allein und lassen ihren Sohn, der verkündet hat: »Ich fliege natürlich selbst!« Was er unterwegs erlebt, ist ein unglaubliches Abenteuer, das mit ganz vielen Vögeln zu tun hat und für das Philip Waechter originelle und fröhliche Bilder gefunden hat.

     

    So unterschiedlich können Geschichten vom Fliegen sein. Für Jakob und Jakob gibt es jeweils ein glückliches Ende, nicht zuletzt, weil sie beide voller Selbstvertrauen stecken und ihren Mut an den richtigen Stellen beweisen. Der Dank dafür geht natürlich an die jeweiligen Erziehungsberechtigten und an zwei herrliche Bilderbuchmacher: den Engländer Simon James und einen der besten deutschen Illustratoren, Philip Waechter

     

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