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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 23. Juni 2017 | 19:25

    Crockett Johnson: Harold und die Zauberkreide

    01.10.2012

    Punkt. Punkt. Komma. STRICH

    »Kinderbuchklassiker« ist ein großes Wort. Ein Bilderbuch als »Meisterwerk« zu titulieren, wie es Maurice Sendak, der Vater der Wilden Kerle tat, sorgt für hohe Erwartungen. Und wer Harold, den kleinen Jungen, der mit seiner lila Kreide vor dem Einschlafen noch schnell ein großes Abenteuer zaubert, weiß, dass beides stimmt. ANDREA WANNER staunt über die unverbrauchte Frische des fast 60jährigen Bilderbuchs.

     

    Ein fröhliches, undefinierbares Krixelkraxel, das ein Junge zu Papier bringt, füllt die ersten Seiten. Dann hält Harold inne und überlegt und kommt zu einer Entscheidung: Er wird im Mondschein spazieren gehen. Aber der Steppke befindet sich auf einer leeren Seite, quasi im Nichts. Da gibt es keinen Mond und keine Straße. Noch nicht. Denn Harold hat ja seine Zauberkreise. Einmal mit der rechten Hand nach oben und dort einen Halbkreis hingemalt: voilà, der Mond. Eine waagrechte Linie Strich knapp unterhalb der Seitenmitte bildet den Horizont. Ein schräg darauf zulaufender Strich, dann ein zweiter, der den ersten an der Horizontlinie trifft: Aus dem Nichts entsteht ein Weg, aus der weißen Fläche ist Raum geworden. Der Knirps hat die Möglichkeit der Perspektive entdeckt, dreidimensionale Objekte auf einer zweidimensionalen Fläche so abzubilden, dass ein räumlicher Eindruck entsteht – und jetzt marschiert er los, die Kreide in der Hand.

     

    Natürlich ist ein Spaziergang auf einem schnurgeraden Weg selbst im Mondschein irgendwann nicht mehr besonders prickelnd. Aber die Kreide sorgt für Abwechslung. Für einen Baum, mit Äpfeln dran, die noch nicht reif sind. Zur Bewachung einen so fürchterlichen Drachen, dass sogar der Künstler selber so fürchterlich erschrickt und zu zittern anfängt, dass die Kreide in seiner Hand ungewollt Zitterlinien produziert – Wasser, mit kleinen Wellen, in denen Harold versinkt. Aber keine Sorge: er malt sich ein Boot, einen Strand, ein Picknick gegen den Hunger und freundliche Tiere, die die Reste der Kuchen fressen, vor denen er kapituliert. Zu viel gezeichnet eben. Er malt einen Berg und einen Ballon, ein Haus, viele Häuser und als er sein eigenes nicht finden kann, einen Polizisten, der ihm den Weg weist. Und am Ende malt er sich selbst nach Hause, in sein Bett, unter seine Bettdecke.

     

    Magische Momente

    Crockett Johnson, 1906 in New York City geboren, begann seine Karriere mit politischen Cartoons und malte Comics, ehe er mit seiner Frau Ruth Krauss traf zahlreiche Bilderbuchprojekte realisierte, für die sie den Text schrieb und er die Zeichnungen machte. Harold erblickte 1955 das Licht der Bilderbuchwelt und bis 1969 folgten Harold and the Purple Crayon acht weitere Abenteuer mit dem glatzköpfigen, kulleräugigen kleinen Künstler, der sich mit seiner Kreide eine eigene Welt schafft. Johnson spielt mit der unendlichen Fantasie der Kinder, die in ihren Spielen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion mühelos aufheben: Wer einen Kieselstein zum König machen kann, der auf einem Salatblattthron über ein Reich herrscht und auf seinem herrlichen Ross, einem Kronkorken vielleicht, reitet, wer in einer Höhle, die aus einer Decke über zwei Stühlen besteht, schon die aufregendsten Momente erlebt hat, wird ohne Probleme der purpurnen Linie von Abenteuer zu Abenteuer folgen.

     

    Der Text, knappe Sätze, die über Harolds Absichten informieren, kennen und lassen keinen Zweifel: So war es. Da hat sich einer etwas vorgenommen und gemacht. Ganz einfach. Und funktioniert so Kunst nicht überhaupt: Sie schafft Welten, die uns real erscheinen. Auf dem Papier, auf der Leinwand. Wir geben uns den magischen Momenten hin, lassen uns verzücken, erregen, begeistern. Zittern und leiden mit den Helden, freuen uns mit ihnen, drücken ihnen die Daumen und sind erleichtert, wenn sie am Ende wohlbehalten an ihrem Ziel angekommen sind. So wie Harold in seinem Bett.

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