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    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 25. Mai 2017 | 05:11

    Werner Holzwarth: Ich wär so gerne... dachte das Erdmännchen

    05.08.2012

    Ein neidvolles Leben im Zoo

    Das arme Erdhörnchen. Es guckt »nach links … geradeaus … nach rechts … geradeaus«. Nicht viel los: »nach links … geradeaus … nach rechts«. Immer dasselbe: Es sieht die Bären, die Schimpansen, die Löwen, die Schimpansen, die Bären, die Schimpansen, die Löwen … Immer die gleichen Gesichter: Der Bär ist ruhig und neugierig, der Affe macht Faxen, der Löwe schaut etwas hochmütig und majestätisch aus. GEORG PATZER begleitet Werner Holzwarth in seinem pfiffigen Bilderbuch in den Zoo.

     

    Das Leben ist nicht einfach, wenn man immer auf die gleichen Typen starren muss. Und schon gar nicht, wenn man seiner Existenz ein wenig überdrüssig ist. Wie das Erdmännchen. Denn die anderen sind so anders: »Sie sind lustig … stark … lustig … mächtig … lustig … stark.« Ach, denkt sich das Erdmännchen: »Ich wär so gern Schimpanse, die machen so toll Quatsch!« Die hängen sich an die Äste, bohren in der Nase, spielen mit Bananen und legen sich die Schalen auf den Kopf. Ach, oder: »Ich wär so gerne ein Bär, da wär ich bärenstark!« Könnte tonnenschwere Gewichte stemmen, dass die Muckis fast platzen, dabei mit den Zähnen fletschen und die Augen aufreißen. Oder, ach, wie der da rechts: »Ich wär so gern ein Löwe, dann hätte jeder Angst vor mir!« Weil man dann das Maul so weit aufreißen und brüllen kann, dass es einem die Ohren wegbläst.

     

    Es gibt viele Kinder- und Bilderbücher, in denen es um die Unterschiede zwischen den Menschen (oder Tieren) geht, aber wohl keines, das so pfiffig ist wie das von Werner Holzwarth. Denn normalerweise lernt der kleine Neider, dass er zwar anders ist als die anderen, aber dass man sich nur zusammentun muss, damit man sich gegenseitig helfen kann. Nicht so Holzwarth. Er dreht den Spieß um: Denn plötzlich gibt es einen bedrohlichen Schatten, und wie der Blitz sind alle Erdmännchen auf sein Signal hin verschwunden. Und die anderen Tiere denken: »Ach, ich wär so gern wie das Erdmännchen.« So schnell, so aufmerksam, so befehlsgewaltig. Und dann kommt noch ein letzter Dreh: Denn das Erdmännchen erscheint wieder aus dem schützenden Loch. Und dann denkt es wieder: »Ich wär so gern …« Nichts hat sich geändert.

     

    Und das ist das Wunderbare: Holzwarth nimmt die Kinder ernst. Er droht ihnen nicht mit einem pädagogischen Zeigefinger, sondern spielt lustvoll mit der Realität, in der Gewissheit, dass Kinder schlau genug sind, dass sie ihre eigenen Schlussfolgerungen ziehen können. Und mit einem befreienden Lachen das Ende sehen. Und wie wir wissen, ändert sich alles, wenn man über sich lachen kann. Holwarths Buch ist damit eines der schönsten Bilderbücher der letzten Jahre.

     

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