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    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 25. Mai 2017 | 05:11

    Nina E. Grøntvedt: Ich bins, Oda! Mein zu 110 Prozent wahres Tagebuch.

    30.07.2012

    Die plötzlichen Schrecken des Lebens mit zehn

    Bücher über die inneren Zustände von Jugendlichen in der Pubertät gibt es zuhauf und in allen Schattierungen, als Liebesgeschichten, Problemgeschichten, Abenteuer - und Familiengeschichten, formuliert von höchster Güte bis zum Schmonzettenkitsch und dementsprechend realistisch oder auch nicht. Dass es bei diesem dicht bepflanzten Themenfeld noch Lücken gibt, ist erstaunlich. Die norwegische Autorin Nina E. Grøntvedt hat eine entdeckt und sie mit Ich bin’s, Oda auch gleich geschlossen. Und wie! MAGALI HEISSLER ist dem Charme einer zehnjährigen Kratzbürste hilflos verfallen.

     

    Oda schreibt Tagebuch. Das ist auch nötig, denn gerade ist die Katastrophe passiert. Eine richtige, schreckliche wohlgemerkt. Odas beste Freundin Helle will nichts mehr mit ihr zu tun haben. Nichts! Oda ist am Boden zerstört. Wie kann Helle das nur tun? Oda hat doch überhaupt nichts angestellt. Jedenfalls fast überhaupt nichts. Vielleicht so ein bisschen. Aber daran ist sie nicht schuld, sondern Stian, Helles Bruder. Ihn findet Oda unmöglich. Das musste sie doch wohl auch sagen. Laut und deutlich. Ob sie vielleicht ein wenig zu laut und deutlich war? So, wie gegenüber ihrer kleinen Schwester? Oder zu den neuen Nachbarn? Oder ...

     

    Oda nutzt das Tagebuch, um über alles Rechenschaft abzulegen, die Familie, das Leben, über die Freundschaft mit Helle. Vor allem aber über Oda. Denn sie hat sie verändert und es selbst am wenigsten gemerkt. So ging alles, was bisher wichtig war, zu Bruch. Ob es einen Neuanfang gibt?

     

    Wenn man sich selbst nicht mehr kennt

    Grøntvedt konzentriert sich in ihrer Geschichte auf den eigentlichen Übergang von der Kindheit zur Pubertät. Oda hat die Kinderzeit lange ausgekostet, die Welt ist für sie abenteuerlich, voller Wunder und sie dreht sich vor allem um ein Mädchen namens Oda. Wo Oda befiehlt, folgen die anderen. Oda führt nicht nur, sie deutet die Welt auch. Auf den Gedanken, dass sie sich in ihren Einschätzungen irren könnte, kommt sie nicht.

     

    Nicht wenige ihrer Unternehmungen sind von krassem Egoismus geprägt. Sie piesackt die kleine Schwester, belästigt Nachbarn und eben Helles Bruder. Sie ist laut und auftrumpfend und nicht selten viel zu fantasievoll. Sie braucht viel Harmonie und die schafft sie sich auch, so erfindet sie etwa tröstliche Märchen über den Tod ihres geliebten Goldfischs.

     

    Hinter ihrer egoistischen Fassade aber ist Oda unsicher. Sie fürchtet sich vor Gespenstern, vor Fremden und Fremdem. Ungewöhnliches erschüttert sie. Ihre sonst so große Klappe bleibt in solchen Momenten fest zu. Grøntvedt zeichnet die beiden Seiten ihrer Hauptfigur sehr geschickt. Zunächst erlebt die Leserin vor allem Oda, die Heldin, eben das Selbstbild der Erzählerin. Allmählich bekommt das Bild Sprünge, Zweifel werden gesät, bei der Leserin, wie auch in Oda. Grøntvedt läßt sich Zeit und die Geschichte braucht diese Zeit. Es ein Buch, in dem man versinken kann, ohne mit dem Mitdenken aufzuhören, eine großartige Leistung in einer Geschichte für diese Altersklasse. Das Psychogramm ist noch dazu fast im genau richtigen Maß gefühlvoll, witzig - Oda ist wunderbar keck - und abenteuerlich. Dabei zu sein, wie Oda sich selbst findet, ist damit von Anfang bis Ende spannend.

     

    Bilder hat es auch noch!

    Die Autorin ist auch Graphik-Designerin und hat Odas Geschichte illustriert. Daher gibt es Abbildungen von Tagebuchseiten und man bekommt auch die geheimnisvollen Zeichnungen zu sehen, die Oda so verwirren und die sie in ihrer Einseitigkeit nicht zu deuten versteht, im Gegensatz zur aufmerksamen Leserin, die nicht an Odas Dickkopf leidet. Darüber hinaus schenkt uns Grøntvedt eine beträchtliche Anzahl von kleinen Bildchen bis hin zu Kritzeleien, die selbst bei erwachsenen Leserinnen und Lesern Erinnerungen an die Ränder von Schulheften, Tagebüchern und jenen Briefchen wachrufen, die heimlich im Klassenzimmer hin - und herwanderten.

     

    Die Bildchen zeigen Szenen aus Odas Leben, die Kritzeleien ihren Gefühlszustand. Da wird geliebt, geschimpft, mitunter geflucht, Blümchen blühen und Herzen und werden rasch mit dem Stift getilgt, damit sie nur niemand mehr sieht, vor allem Oda nicht. Sie will den Dingen ja nicht ins Gesicht sehen. Die Illustrationen erzählen noch ein gutes Stück mehr und sind Verständnishilfen gerade für jüngere Leserinnen.

     

     

    Am Ende ist Oda wieder eine Person, ein wenig reifer. Die Winterwoche, die sie bei der Großmutter verbrachte, hat geholfen. Oda hat sich dabei gleich zwei Traumata ihres jungen Lebens gestellt. Damit ist der Weg wieder frei, alles ist wieder möglich.

     

     

    Eine erstaunliche Leistung für einen Debütroman, ein kleines Juwel unter den Büchern für Kinder ab ca. zehn.

     

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