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    TITEL kulturmagazin
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    Kristina Andres: Immer, wenn du wiederkommst

    16.07.2012

    Blaubeersaft und Regenwürmer

    Kristina Andres erzählt in Immer, wenn du wiederkommst von Ferdinand und Vogel. Beide verbindet eine Freundschaft, die Nähe und Ferne, Abschied und Sehnsucht kennt und die viel, viel länger hält als nur einen wunderbaren Sommer. Von MONIKA THEES

     

    An der Küste ist der Himmel weit, das Meer endlos bis zum Horizont. Dort, irgendwo in der Ferne, ziehen Schiffe gen Abend oder gen Morgen in den neuen Tag. Irgendwo fern, weit draußen, ist der Sehnsucht unbestimmtes Ziel. Ein hölzerner Schuppen steht am Strand. Hier hortet Ferdinand die Schätze, die er auf seinen Streifzügen fand. Ein Wimpel flattert hoch oben am Mast, ein Sonnenschirm breitet sein schützendes Dach über ein Stückchen Sand. Der Junge faltet Boote aus Papier, aus kariertem, liniertem, mit roten Sternen bedrucktem, und schickt sie hinaus auf die Wellen, die kommen und gehen, manchmal sanft und ruhig, manchmal sich auftürmend zu Wogen mit weißen Kronen aus Gischt. Ferdinands papierne Boote ziehen in die Ferne, wie Träume trägt sie das Meer hinaus, weiter und noch viel weiter...

     

    Die Schiffchen treiben auf den Wellen, nach Osten, Westen, in unbekannte See. Doch ein Papierboot kommt zurück. Eines Tages, nach einem großen Sturm, findet es den Weg landwärts, heim zu Ferdinand. In dem Boot sitzt ein blauer Vogel mit gelbem Schnabel. Er hat einen Flügel verletzt. Auf der grünen Seepferdchenschlange reitend, eilt Ferdinand dem Vogel entgegen und rettet ihn. Er trägt ihn in den Schuppen, rubbelt ihn mit einem dicken Handtuch ab und verbindet den verletzten Flügel. Danach bettet der Junge den gefiederten Gast in eine hölzerne Kiste, pflegt und füttert ihn: mit Blaubeersaft und Rosinen, mit Kichererbsen, mit Butterbroten, mit Kuchen, Pudding und Nüssen. Vogel wird über den Sommer genesen, er bleibt bei Ferdinand am Strand und schenkt ihm kleine blaue Lieder.

     

    Traumhäuser tanzen im Wind

    Kristina Andres wurde an der Küste geboren. Sie studierte an der Hochschule für bildende Kunst Hamburg und danach beim norwegischen Maler Olav-Christopher Jenssen. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Mecklenburg, auf einer Wiese am Waldrand, mit weitem Blick über Land, Himmel und vielleicht auch Meer. Über zehn Bücher hat die Grafikerin, Illustratorin und Kinderbuchautorin seit 2004 veröffentlicht, darunter Wenn der Räuber Beule kommt (2010), Nachtkatzen-ABC (2010) und Ich bin ein Wolf (2008). Sie erschienen nicht nur in Deutschland, sondern fanden kleine und große Leser in Europa, Fernost und Übersee, wurden ausgezeichnet, so mit The White Ravens (2009) und der Blue Book Group Medal (2010). Immer, wenn du wiederkommst wurde von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur Volkach zum Buch des Monats Juli 2012 gekürt.

     

    Es ist die heitere Zeit des Sommers und des gemeinsamen Spiels. Ferdinand und Vogel bauen Traumhäuser aus Papier, mit spitzem Schindeldach und bunt bemalter Tür. Die papiernen Häuser flattern an der Leine, eine frische Brise lässt sie tanzen und hüpfen im Wind. Doch langsam werden die Wolken dichter, Regen und Herbststürme künden sich an. Vogel muss südwärts ziehen, denn Kälte und Eis sind nichts für ihn. Die Sonne senkt sich abends blutrot ins Meer. Vogel macht sich auf den Weg, in einer Nacht ohne Sterne fliegt er davon. Ferdinand wird vor Kummer ganz klein, er faltet einen großen papiernen Hut. Er soll ihn schützen vor Regen und Schnee, vor dem Schmerz des Abschieds und Alleinseins.

     

    Freundschaft lässt Flügel wachsen

    Kristina Andres erzählt in ruhigen, fast knappen Worten und Bildern, deren gedeckte Farbigkeit sich wohltuend abhebt vom knallbunten Lärm allzu bewegter Aktion. Überaus liebevoll und reich im Detail hat sie die Kinderwelt Ferdinands gestaltet, den Schuppen mit all seinen Requisiten, mit Sonnenschirm, hohem Papierbogenstapel hinter dem Haus für Boote, Traumhäuser und Hut. Unerkennbar ist ihre Referenz an die mecklenburgische Küste: der lange, flache Strand, der tief gezogene Himmel und das Wechselspiel von Sonne, Regen, Wind und Wellen im Lauf der Jahreszeiten. Der blassblaue Himmel des Sommers weicht dem Grau des Herbstes und dem Regen, der wie Strippen aufs Land und auf Ferdinands Schuppen prasselt. Die Wellen kommen und gehen. Auf den einsamen Winter folgt der ersehnte Frühling, blaue Lieder wehen wieder im Wind.

     

    Ferdinand sucht Vogel, er fährt hinaus aufs Meer. Er gerät in einen Sturm, sein papiernes Schiff füllt sich mit Wasser, es droht zu sinken. Doch Vogel hat ihn längst entdeckt: »Ich finde dich überall. Sogar am Ende der Welt.« »Und ich kann dich hören. Vom Ende der Welt kann ich dich hören«, lacht der Junge, froh über das Wiedersehen. Vogel fliegt Ferdinand heim. Zu Hause füttert er seinen Freund mit Blaubeersaft und Rosinen, mit Kichererbsen, mit Butterbroten, mit Kuchen, Pudding und Nüssen. Zusammen mit der grünen Seepferdschlange spielen sie am Strand und im Schuppen. Abschied und Wiederkehr, der Kreis schließt sich wie der immerwährende Reigen von Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Schiffe ziehen in die Ferne, die Sehnsucht reist mit. Abschied tut weh und Kummer macht ganz klein, Freundschaft lässt Flügel und Füße wachsen. Blaubeersaft macht stark.

     

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