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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 22. August 2017 | 05:38

    ISOL: Ein Entlein kann so nützlich sein

    04.06.2012

    Perspektivenwechsel

    Dass Kuscheltiere zum Leben erwachen, ist ein bekanntes Phänomen in Bilderbüchern, über die Nützlichkeit von Badeenten wurde bisher nicht diskutiert. Ein Fehler, wie ANDREA WANNER nach dem Betrachten des Pappbildbuchs feststellt.

     

    Man lässt sich schnell überzeugen: Ein Entlein kann so nützlich sein. Man kann es zum Schaukeln verwenden, als Hut oder als Trillerpfeife. Eigentlich gibt es wenig, wozu es sich nicht einsetzen lässt. Der kleine Ich-Erzähler kann sich glücklich schätzen, es gefunden zu haben. 

     

    Einerseits...

    Die Szenen des stabilen Leporellos entwickeln einen eigenen Reiz. Es gibt niemand außer Kind und Ente – und am Ende eine Badewanne, die der einsame Vogel zum schnöden Stöpsel wird. Textseite plus Bildseite, die nächste Sequenz nur durch einen vertikalen blauen Balken abgetrennt, Auf quietschentengelbem Grund skizziert Isol mit wenigen Strichen Kind und Ente und zeigt ein Verhältnis, das weniger von Knuddeln und Liebhaben als vielmehr von kreativen Gedanken der Einsatzmöglichkeiten geprägt ist.

     

    ... andererseits

    Alles hat seine zwei Seiten. Ein Leporello sowieso. Und wer das Pappgebilde umdreht wird mit einer ganz anderen Geschichte überrascht. Ein Kind kann so nützlich sein lautet sie und berichtet auf wasserblauem Grund davon, was eine Ente mit einem Kind erlebt. Die Szenen sind identisch, lediglich die Hintergrundfarbe hat sich geändert. Und die subjektive Wahrnehmung. Die Ente als Schaukel? Von wegen! In Wirklichkeit massiert das Kind der Ente die Schultern. Die Ente als Hut? Quatsch! Sie bedient sich des Kindes als Aussichtsturm. Und die Ente als Trillerpfeife? Garantiert nicht! Das Kind gibt ihr Küsschen!

    Die argentinische Illustratorin und Kinderbuchautorin Marisol Misenta, Jahrgang 1972, bekannt als ISOL liebt das Spiel mit Sein und Schein. Wie siehst du denn aus? lässt sie in ihrem 2010 ersten auf Deutsch erschienenen Bilderbuch eine kleine Ich-Erzählerin fragen, die eines Morgens ihre unfrisierte Mama nach dem ungewöhnlich frühen Aufstehen mit einem Stachelschwein verwechselt. Jetzt sind es keine Fragen mehr, sondern Gewissheit. Kind und Ente leben in verschiedenen Welten und Realitäten. Die zufällige Begegnung bringt sie einander physisch näher, ohne dass sie sich je nahe kommen, geschweige denn verstehen. Eine zarte Melancholie liegt über der Geschichte, die eigentlich von einem großen Missverständnis erzählt ohne es je aufzulösen. Wunderbar verpackt in einem kleinen Buch, das sogar in einem Schuber steckt – ganz ohne zu verraten, dass sich mehr darin verbirgt, als man gemeinhin in Bilderbüchern vermutet.

     

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