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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 22. August 2017 | 05:41

    Karin Koch, André Rösler: Wär ich Pirat

    23.05.2012

    Kind sein, der moderne Vollzeitjob

    Nur das Beste für das Kind, wer wünscht sich das nicht? Vorhalten soll das Beste auch, vorzugsweise ein Leben lang. Dafür müssen Grundlagen gelegt, das Kind rundum gefördert werden. Nicht, dass man etwa ein verstecktes Talent übersähe! Die Schule allein reicht bei Weitem nicht, nach der Schule gibt es Logopädie und Logik, Kreativitätstraining und Muskeltraining, Musisches mit Musik und ohne Musik, volles Programm vom frühen Nachmittag bis zum Abend. In Wär ich Pirat erzählen Karin Koch und André Rösler wie sich derart beschäftigte Kinder fühlen. MAGALI HEISSLER hat mitgelitten.

     

    Leander mag liebsten die Zahl drei und Piraten. Für die Drei hat er vor allem deswegen eine Vorliebe, weil die Familie aus drei Personen bestand, ehe Babyschwester Leonie aufkreuzte. Ein bisschen kommt die Drei aber auch in der Dreisam vor, dem Namen des Flusses, den Leander vom Balkon aus sehen kann. Wenn er mal zuhause ist. Das ist er nämlich nicht so häufig. Leander hat täglich Termine nach der Schule, Logopädie und Bogenschießen, Psychomotorik, Kreativitätstraining. Weil Leander ein liebes Kind ist, macht er das mit. Heimlich aber träumt er davon, Pirat zu sein. Piraten haben keine Termine. Piraten müssen nicht basteln, sie dürfen fluchen, lautstark. Sie dürfen auch pupsen, ebenso laut, wenn sie wollen. Piraten sind frei. Leander dagegen hat das Gefühl, mit Steinen gefüllt sein, die ihn daran hindern, vom Fleck zu kommen. Mit den Eltern reden kann er auch nicht, die haben anderes im Kopf, z.B. Leonie. Dann passiert die Sache mit der Fünf im Diktat. Dabei bleibt es nicht, eine weitere Fünf folgt. Leander muss handeln, aber wie?

     

    Vom Leiden der Schüchternen

    Karin Koch hat mit dem kleinen Leander einen sympathischen, schüchternen Helden geschaffen, der, von André Rösler treffend porträtiert, auch nach dem Ende der Geschichte lange im Gedächtnis bleibt. Die Geschichte ist geradlinig erzählt, entwickelt aber rasch eine Komplexität, die man bei Büchern für dieses Lesealter nicht automatisch erwartet. Die Eltern scheinen hart und unverständig zu sein, sind aber nicht grundsätzlich im Unrecht, sondern eher Opfer ihrer blinden Flecken. Leonie ist für Leander ein Störfaktor, aber eigentlich mag er seine kleine Schwester. Er selbst ist zwar Opfer, aber das liegt nicht nur an den anderen, sondern auch daran, dass er sich nicht durchringen kann, offen aktiv zu werden.

    Als er endlich aktiv wird, macht er prompt Fehler. Die Autorin nimmt ihren kleine Helden sehr ernst, die Fehler sind seine eigenen und er darf Schritt für Schritt das Beste daraus machen. Er darf darüber nachdenken. Er darf Entscheidungen treffen.

    Dazwischen liegt ein beträchtlicher Leidensweg. Er ist nicht nur für kindliche Leserinnen und Leser eindrücklich geschildert, aber besonders diese werden sich ausgezeichnet darin wiederfinden können.

     

    Träumen, Spielen, Freunde finden

    Unaufdringlich, aber deutlich, wird in dieser Geschichte daran erinnert, was Kindsein bedeutet. Gefordert werden Freiräume zum Träumen, auch von den allerwildesten Abenteuern, zum Freundschaften Schließen, zum Spielen. Vor allem, eigene Wege zu gehen, nicht unaufhörlich beschäftigt werden. Schon gar nicht ausschließlich von bezahlten Kräften. Eltern sind gefragt, an erster Stelle. Eltern-Kind-Beziehungen sind nicht einseitig, Leanders Eltern müssen lernen, ihrem Sohn zuzuhören, so, wie Leander lernen muss, zu erzählen, was ihn beschäftigt und was er sich wünscht.

    Insgesamt ist die Geschichte damit ein klein wenig zu behäbig geraten, ein bisschen allzu pädagogisch-freundlich. Man wäre versucht, sie eher Eltern als Kindern in die Hand zu drücken. Aber es spricht ja nichts dagegen, dieses Buch gemeinsam zu lesen.

    Eine besondere Freude sind die Illustrationen. Auch hier bildet Leander meist den Mittelpunkt, sein Mienenspiel macht die Ereignisse, von denen er erzählt, zu etwas Besonderem. Die großflächigen Bilder und die klaren Farben, mit viel Rot abgesetzt, was wiederum das Blau der erträumten Piratenwelt heraushebt, fesseln den Blick sofort. Details sind sparsam, akzentuieren präzis und humorvoll, mit dem Schuss Frechheit, den man sich im Text gewünscht hätte.

     

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