Respektlose Sicht der Kinder
Ian Falconer illustriert mit sehr reduziertem, akzentuiertem Strich und hat so ein sehr schönes Bilderbuch gestaltet. Olivias Venedig erinnert an die retuschierten Fotos vom Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts und seine meist in wenigen Farben gehaltenen Illustrationen fügen sich zu einem angenehmen Gesamtbild zusammen. Die kleinen Leser merken so sehr schnell, wie schön Venedig wirklich ist. Sie haben natürlich gleich begriffen, dass es die Kinderlieblingsspeisen - Gelato und Pizza - bei Olivia dauernd zu essen gibt und es macht ihnen Spaß, entsprechende Sätze zu vervollständigen. Genauso lustig finden sie, dass es ausgerechnet Olivia ist, die ihr geliebtes Venedig am Schluss dem Erdboden gleich macht.
Dies ist auch der Augenblick, in dem man als Eltern das große Fragezeichen auftauchen sieht. Denn es ist schade, dass Olivia wie so viele amerikanische Touristen Venedig nur wenige Tage sieht. Es ist bedauerlich, dass die kulinarischen Errungenschaften Italiens auf Pizza und Eis reduziert werden und es ist traurig, dass alles, was die Horde Schweine von Venedig zurücklässt, eine große Steinhalde ist. Den Kindern aber macht das Lesen dieser respektlosen Schweinerei großen Spaß, Falconer hat ein wirklich schönes Kinderbuch verfasst und schlussendlich ist dies auch eine Anregung für alle miteinander, mehr über Venedig in Erfahrung zu bringen.