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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 25. Juni 2017 | 10:35

    Kitty Crowther: Der kleine Mann und Gott

    12.03.2012

    Wer ist Gott?

    Wie stellen wir uns Gott vor, ganz bildlich? Diese Frage stellt Künstler vor eine schier unlösbare Aufgabe. Kitty Crowther hat sich dieser Herausforderung gestellt und wird damit kontroverse Debatten auslösen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Von BEATE MAINKA

     

    Eines Tages begegnet ein kleiner Mann beim Spaziergang einem merkwürdigen Etwas, das am Wegesrand sitzt. Es ist von menschlicher Gestalt, aber ohne Konturen und von einem Leuchten umgeben. Auf die Frage, wer er sei, entgegnet das Etwas, er sei Gott, nein, nicht der Gott, sondern ein Gott. Die Beiden verbringen den Tag miteinander, diskutieren das Gottesbild des kleinen Mannes und dieser stellt erstaunt fest, dass sein Gott unendlich wandelbar ist. Selbst furchterregend kann er sein, auch wenn er das gar nicht will. Am Ende des Tages kehrt Gott heim zu seiner Frau. Und beide, Mann und Gott, sind glücklich.

     

    Ein Bild von Gott

    Zunächst löst die bildliche Darstellung Gottes vor allem Befremden aus. Das soll Gott sein, diese kaum als menschliche Gestalt wahrnehmbare amorphe Masse? Den haben wir uns aber ganz anders vorgestellt! Doch genau dem hat Crowther Rechnung getragen, so viele Menschen, so viele Gottesbilder. Der Gott, dem unser kleiner Mann begegnet, ist von vielerlei Gestalt und mit übermenschlichen Fähigkeiten ausgestattet. Er kann über das Wasser gehen, er kann fliegen, aber er kann nicht, wie der kleine Mann, schwimmen und er kennt kein Omelett. Überhaupt zeigt er erstaunlich menschliche Züge. Ein bisschen Eitelkeit ob seiner Wandlungsfähigkeit, das Eingeständnis von Unvermögen oder über sich selber zu lachen, all das macht ihn zu einem fast gleichwertigen Partner des kleinen Mannes. Sie begegnen sich auf Augenhöhe und gehen nach dieser Begegnung bereichert und beglückt nach Hause. »Es gibt Tage, die verwandeln einen für immer«, denkt der kleine Mann am Abend, als er lächelnd den Abwasch erledigt.

     

    Anreiz zum Philosophieren über Gott und die Welt

    Das Faszinierende an Crowthers göttlichem Bild ist der Platz in der realen Welt, den sie ihm zugesteht. Auch wenn Gott selber eine blasse Erscheinung bleibt, sein Wirken ist es nicht. Das Leuchten, das ihn umgibt, spiegelt sich wider, in der genauen Darstellung der vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt, durch die beide spazieren oder im warmen Orange des Sonnenuntergangs. Am Ende des Tages umgibt dieses Leuchten auch den kleinen Mann. Und auch Gott bringt neue Erfahrungen mit nach Hause. So wird aus dem Verhältnis Gott – Mensch ein ambivalentes, ein Geben und ein Nehmen, reift jeder an dem anderen. Das mag im streng religiösen Sinne eine anfechtbare Sicht der Dinge sein, eine tröstliche und wahrhaft menschliche ist sie allemal. Und es lässt sich vortrefflich darüber diskutieren und philosophieren, schon mit Vorschulkindern. Sie werden ihr eigenes Bild vom lieben Gott haben, Crowther lässt mit ihrer Darstellung genug Raum für deren Fantasie. Und schafft Gesprächsanreize, wo immer sich Erwachsene und Kinder bei der Betrachtung dieses so besonderen Bilderbuches begegnen, in der Familie, im Kindergarten, in der Grundschule. Unberührt wird es keinen lassen, eine Beschäftigung mit dem eigenen Verhältnis zu Gott, wie auch immer das sein mag, drängt sich auf. Und das ohne erhobenen Zeigefinger und ganz federleicht, vielleicht sogar mit einem kleinen Leuchten!

     

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