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Donnerstag, 30. März 2017 | 10:52

Jutta Bauer: Steht im Wald ein kleines Haus

05.03.2012

Wenn Fuchs und Has´ sich gute Nacht sagen

Das Reh lebt Pazifismus. Alle, die sich verfolgt und in Not fühlen, dürfen in sein kleines Haus. Hase und Fuchs und sogar der Jäger. Erstaunlich, findet VIOLA STOCKER und macht sich auf den Weg zum kleinen Haus in Jutta Bauers Wald.

 

Die Geschichte, die auf einem Kinderreim basiert, beginnt so idyllisch. Im  großen, düsteren Winterwald in schwarz und grau steht klein und rot ein Häuschen. Hier wohnt das Reh und betrachtet seine Umgebung. Die Ruhe wird alsbald von einem Häschen gestört, das vor dem Jäger flieht und in panischer Angst an die Hauswand pocht und um Einlass bittet. Das  Reh hat ein gutes Herz und lässt das Häschen unterschlüpfen. Drinnen ist es sehr gemütlich und bald können Has und Reh gemeinsam den Wald betrachten.

 

Kafka für Kleine

Jutta Bauer macht daraus eine widersprüchliche Situation. Denn eigentlich hätte nun alles so schön sein können. Has und Reh sehen zum Fenster hinaus, in den Frühlingswald. Doch auch im Lenz geht die Angst vorm Jäger um, diesmal hat sie den Fuchs erwischt, der, wie vormals das Häschen,  in großer Not beim Reh um Asyl bittet. Das Reh muss auf Jutta Bauers Bildern sehr beschwichtigend auf das Häslein einwirken, bevor es den Fuchs herein lässt. Der Hase konnte nicht ganz überzeugt werden, man sieht ihn unter der zartrosa gemusterten Bettdecke hervorblinzeln. Doch das Reh verlangt noch mehr: das Häschen soll dem Fuchs die Pfote reichen - können beide ihre Vorurteile überwinden?

 

Das Paradoxon wird zur Normalität, denn bald sieht man Reh, Hase und Fuchs beim gelangweilten Kartenspiel mit vegetarischen Knabbereien. Das schreit förmlich nach einer weiteren Steigerungsstufe und Jutta Bauer malt in den nun herbstlichen Wald hinein den verzweifelten Jäger, dem seine Beute abhanden gekommen ist und der nun, panisch vor Hunger, ebenfalls beim Reh um Einlass bittet. Was nun? Selbst das Reh sieht erschrocken zur Tür. Schließlich besiegt das Mitleid den Argwohn und das Reh lässt den Tierkiller in die gute Stube, sehr zum Entsetzen von Has und Fuchs. Weil  alle sich brav verhalten, selbst der Jagdhund,  backt das Reh Guglhupf für alle. Und wer könnte da noch Mordgedanken haben?

 

Kein Platz für Angst

Im kleinen Haus, so scheint Jutta Bauers Botschaft, ist Platz für so vieles - nur nicht für die Angst voreinander. Jeder muss sich einen Ruck geben, der Fuchs Vegetarier werden, der Jäger Pazifist und Tierschützer und das Reh Kantinenkoch. Kleine Kinder werden die schlichten, aber herrlich bunten Bilder Jutta Bauers ebenso lieben wie den anfangs eintönig klingenden Reim, dessen so unglaublich überraschendes Ende für haufenweise Diskussionsbedarf vorm Einschlafen sorgen wird.

 

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