Kafka für Kleine
Jutta Bauer macht daraus eine widersprüchliche Situation. Denn eigentlich hätte nun alles so schön sein können. Has und Reh sehen zum Fenster hinaus, in den Frühlingswald. Doch auch im Lenz geht die Angst vorm Jäger um, diesmal hat sie den Fuchs erwischt, der, wie vormals das Häschen, in großer Not beim Reh um Asyl bittet. Das Reh muss auf Jutta Bauers Bildern sehr beschwichtigend auf das Häslein einwirken, bevor es den Fuchs herein lässt. Der Hase konnte nicht ganz überzeugt werden, man sieht ihn unter der zartrosa gemusterten Bettdecke hervorblinzeln. Doch das Reh verlangt noch mehr: das Häschen soll dem Fuchs die Pfote reichen - können beide ihre Vorurteile überwinden?
Das Paradoxon wird zur Normalität, denn bald sieht man Reh, Hase und Fuchs beim gelangweilten Kartenspiel mit vegetarischen Knabbereien. Das schreit förmlich nach einer weiteren Steigerungsstufe und Jutta Bauer malt in den nun herbstlichen Wald hinein den verzweifelten Jäger, dem seine Beute abhanden gekommen ist und der nun, panisch vor Hunger, ebenfalls beim Reh um Einlass bittet. Was nun? Selbst das Reh sieht erschrocken zur Tür. Schließlich besiegt das Mitleid den Argwohn und das Reh lässt den Tierkiller in die gute Stube, sehr zum Entsetzen von Has und Fuchs. Weil alle sich brav verhalten, selbst der Jagdhund, backt das Reh Guglhupf für alle. Und wer könnte da noch Mordgedanken haben?