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Donnerstag, 30. März 2017 | 10:50

Marjaleena Lembcke / Stefanie Harjes: Eine Blattlaus wandert aus

26.03.2012

Auf Rosenblättern nach Amerika

Auswandern dürfte normalerweise ein auf Dauer angelegtes Vorhaben sein. Dass es auch kürzer geht und wie kurzweilig es dabei zugeht, erzählt uns Marjaleena Lembcke in Eine Blattlaus wandert aus. Durch Collagen von Stefanie Harjes erhält die Geschichte ihren besonderen Charme. Von JOHANNES BROERMANN

 

Es ist nicht immer lustig, Bewohnerin einer Blattlauskolonie zu sein. Die Blattlaus Camilla Rosa Kapriziosa springt von Pflanze zu Pflanze und von Blatt zu Blatt und findet einfach keinen Ort, um sich niederzulassen. Nirgends ist Platz für sie, alle Blätter sind schon besetzt. Als sie zu jammern beginnt, schlagen ihr die anderen Blattläuse vor, nach Amerika auszuwandern: »Dort sollen die Felder riesengroß sein. Und wie man hört, unbewohnt.«

 

Camilla Rosa zögert nicht und lässt sich im Rosenstrauß einer Opernsängerin per Schiff nach Amerika bringen. Erst beim Zoll wechselt sie auf eine vorbeilaufende Knopfloch-Nelke und findet sich wenig später im Abfalleimer wieder. So landet sie schließlich auf der Müllhalde, umgeben von zahlreichen Ratten, das Desinteresse ist gegenseitig. Immerhin schafft sie es mit letzter Kraft von der Halde runter an den Wegesrand. Leuchtend roter Mohn verspricht einen neuen Lebensplatz, doch unsere Blattlaus muss vor den Marienkäfern flüchten und beißt schließlich in ein Blatt einer orangefarbenen Blume – endlich angekommen.

 

Kurzer Aufenthalt

Das Ziel der Reise bleibt nur einen ganz kurzen Augenblick ein Ruheplatz. Schon pflückt ein Kind am Straßenrand Blumen und Camilla Rosa tritt die Rückreise an, wieder per Blumenstrauß und Schiff nach Deutschland bis aufs heimische Feld. Hunderte Blattläuse heißen sie willkommen: »Fühl dich wie zu Hause«.

 

Warum das Buch nicht schon im Titel von einer großen Reise spricht, erschließt sich nicht – mit Auswandern hat es jedenfalls wenig zu tun. Dennoch schenkt uns Marjaleena Lembcke eine Geschichte voller Poesie und Stefanie Harjes materialienkombinierende Bilder, die fast auf jeder Seite die erzählte Hektik der Reise und das damit verbundene Chaos ausströmen. So entstand ein Bilderbuch, dass vielleicht nicht jedem Kind auf Anhieb gefällt, aber schon bald darauf eine neue Welt eröffnet und bei der Suche nach dem eigenen kleinen großen Glück auch Erwachsenen behilflich sein kann.

 

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