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Donnerstag, 30. März 2017 | 10:52

Thad Krasnesky, David Parkins: Ich mach, was ich will - ich bin doch noch klein

21.11.2011

Wir werden nicht als Egoisten geboren, wir werden ...

Kleine Kinder sind süß. Äuglein, Näschen, Öhrchen, Patschhändchen, einfach herzig. Ganz klar, dass es auch einmal schief gehen kann, wenn so putzige Fingerchen nach etwas greifen. Daran kann man dem goldigen kleinen Wesen nicht die Schuld geben. Sagen Erwachsene. Sie übersehen dabei allerdings etwas. Gleich, wie süß kleine Kinder sein mögen, eins sind sie nicht: dumm. Thad Krasnesky und David Parkins beweisen es in ihrer witzigen Geschichte Ich mach, was ich will - ich bin doch noch klein. Von MAGALI HEISSLER

 

Schon der schön feste und griffige Einband dieser großzügig bebilderten Geschichte zeigt die Heldin in allen Lebenslagen ihres gerade dreijährigen Daseins. Lara heißt das kleine Ding und sie verfügt über eine Mimik, deren Charme selbst im wildesten Wutanfall unwiderstehlich ist. Schon schlägt man das Buch auf, um mehr über sie zu erfahren.

Lara ist der jüngste Zuwachs bei Papa, Mama, Bruder Tom und Teenager-Schwester Susi. Und alle, alle lieben sie. Vor allem Mama. Lara findet das nicht nur großartig, sondern auch richtig. Wem sonst gehört die Welt? Prompt zieht sie aus, ihren Besitzstand nach allen Regeln ihrer Kunst zu sichern. Für die Familie, einschließlich Gecko Leon, brechen harte Zeiten an.

 

Leben in der Lara-Diktatur

Krasneskys Geschichte ist von der Handlung wie von Erzählweise her durchaus für Kinder konzipiert und diese werden Laras Streich mit höchstem Vergnügen genießen. Laras Einfälle sind im Grund einfach, aber sie zeitigen die tollsten Ergebnisse. Unsere Heldin ist zielgerichtet, konsequent und entschlossen.

Das Gleiche gilt für den Autor. Daher ist seine Geschichte zugleich eine für Eltern, und zwar eben für die Sorte, denen Laras hervorstechende Eigenschaften fehlen. Es ist vom ersten Moment an deutlich, dass Laras egoistisches Verhalten nicht angeboren, sondern anerzogen ist. Mamas Beschwichtigungen sind es, die ihrer Jüngsten eben die fatale Ausrede ins Köpfchen setzen, die das Kind dann vor jeder drohenden Klemme hervorzieht, wie eine Falschspielerin das As aus dem Ärmel. So gerät die Familie unter die Lara-Diktatur.

 

Abenteuergeschichte und Erziehungsratgeber in einem

Das Buch ist nicht nur eine äußerst witzige innerfamiliäre Abenteuergeschichte, sondern ziemlich ungeschminkt auch ein Erziehungsratgeber. In diesem Genre wirkt die Geschichte ebenso witzig, die wunden Punkte aber werden unnachsichtig berührt. Schnell wird deutlich, dass alle Beziehungen in die Schieflage geraten sind. Die älteren Geschwister haben unter der geforderten Rücksichtnahme auf die Allerkleinste zu leiden, das Verhältnis der Eltern zueinander ist nicht im Gleichgewicht. Mamas Parteinahme ist zu einseitig. Die Geschichte ist ein sehr durchdachter Beitrag zu der alten Frage, ob Kinder Grenzen brauchen, aber ebenso durchdacht auch eine Mahnung an Erwachsene, sich Grenzen zu setzen und daraus resultierenden Spannungen auszuhalten, nicht glattzubügeln. Schließlich sind Erwachsene nicht mehr drei Jahre alt.

Die Differenziertheit und Sensibilität, mit der das Problem diskutiert wird, findet sich in den Illustrationen von David Parkins wieder und wird dort noch betont. Die widerstrebenden Gefühle der Betroffenen, die Bemühungen, auf Mamas liebe Bitten hin den Ärger auf Lara zu schlucken, Laras wachsende Raffiniertheit beim Vermeiden von Strafen, all das ist bis ins kleinste Detail in Haltung, Gestik und vor allem Mimik der Figuren zu finden. Die Lebendigkeit und Lebhaftigkeit der Geschichte strahlt aus dem prächtigen Wasserfarbenbunt mitten ins Herz der Leserinnen und Leser. Von wo aus es hoffentlich auch den Kopf in puncto Kindererziehung erhellt.

 

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