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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 28. Juli 2017 | 02:35

     

    Stewart ONan: Ganz alltägliche Leute

    14.03.2004



    Versprühtes Leben

    In seinem Episodenroman Ganz alltägliche Leute weckt Stewart O'Nan wenig Hoffnung, erzählt dafür aber eindringlich von Menschen, die sich in ihrem Schicksal verheddern.

     

    Stillstand ist das Ende. Stillstand ist höchstens noch eine Station vor der Ewigkeit. Wie die aussehen könnte, möchten die Protagonisten im neuen Roman von Stewart O'Nan gar nicht wissen. Also geht es weiter im Leben von Chris, der beim Graffitisprühen abstürzte und den Rest seines Lebens im Rollstuhl verbringen muss. Sein Leben wird zwar nicht mehr in den gewohnten Bahnen verlaufen, aber es geht eben weiter, vorwärts, nach vorne. Was aber nicht verhindert, dass viele Blicke rückwärts gerichtet sind. Sein Freund Bean braucht das alles nicht, denn der ist tot.

    Im Reich schwarzer Graffitisprayer

    Die Spanne einer Woche reicht aus, das Leben im schwarzen Stadtteil von Pittsburgh, East Liberty, zu verändern. Und natürlich nachzuerzählen. Denn Stewart O'Nan selbst ist Pittsburgher, weiß wovon er schreibt, wenn auch fraglich ist, ob er sich in der Seele und in den Revieren der Schwarzen wirklich auskennt. Sein Einstieg in das Reich schwarzer Graffitisprayer beschreibt eine große Schleife, die in Seitenlinien das schwarze Selbstverständnis, die "Seele der Schwarzen" (W.E.B. Du Bois) und die Geschichte der Black-Power-Bewegung berührt. Private Entwicklungen und Verhältnisse lassen keinen Stillstand zu, weder bei Vanessa, die ihren Sohn Rashaan allein erzieht, weil Chris abgehauen ist. Auch nicht bei Sister Marita, die als eine Art Beichttante in allen Lebenslagen fungiert. Und der schwule Harold, Chris' Vater, der einen Mann liebt und dennoch um die Häuser zieht aus Einsamkeit, Eifersucht und Sehnsucht. Doch Harold ist verheiratet und seine Frau verdächtigt ihn des Fremdgehens mit einer anderen Frau. Querschläger des Schicksals, die aber kaum Spuren hinterlassen. Ein Bandenkrieg unter Drogendealern zählt drei Tote. Nene ist dabei, ein Kumpel von Chris. Nenes Leber erhält, als Spende, ein weißer Junge; eine kitzelige Angelegenheit.

    Querschläger des Schicksals

    O'Nan wechselt innerhalb der Erzählung, manchmal auf den ersten Blick kaum zu bemerken, von der Gegenwart in die Vergangenheit, reflektiert daneben in direkter Weise diverse Erlebnisse. Diese presst er in Episoden zusammen, die jeweils von einer der Hauptfiguren handelnd und wandelnd dominiert werden. Das Leben ändert sich, da ist eine Woche nur ein Lidschlag. Die verratenen und verflogenen Hoffnungen gehören zu den erzählerischen Höhepunkten des Textes, der als Originalausgabe bereits im Jahre 2001 veröffentlicht wurde.

    Nach dem Tatsachenroman Der Zirkusbrand aus dem letzten Jahr nun also der Episodenroman Ganz alltägliche Leute. Dieses Buch hat so gar nichts Hoffnungsvolles, nicht einmal zwischen den Zeilen. Es erzählt aber auf eindringliche Weise, wie Menschen sich quälen, wie sie sich ineinander verlieren und wie es ihnen trotz aller Vorsätze nicht gelingt, aus diesen Verschlingungen wieder herauszukommen

    Textprobe:
    "Er war so stolz auf seine Kunst - er nannte es seine Werke. Das sah man bei jedem seiner Graffiti, an den Farben und all den Einzelheiten, daran, wie sie einem von der Mauer entgegensprangen."


    Klaus Hübner



    Stewart O'Nan: Ganz alltägliche Leute. Deutsch von Thomas Gunkel. Rowohlt 2004. Paperback. 320 Seiten. 12 Euro. ISBN: 3-499-23531-5

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