Literarische Anker
Ingrid Hedström setzt vor ihr erstes Kapitel dieses Buches ein Zitat aus Die Thibaults von Nobelpreisträger Roger Martin du Gard. Dessen Familienepos wird beim ersten Opfer gefunden, und in der Auflösung erfährt der Leser, warum. Die Thibaults, manchmal mit den Buddenbrooks oder den Werken Tolstois verglichen, sind in Deutschland weniger bekannt als in Belgien oder Frankreich, sollen aber die Situation Frankreichs vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges anschaulich schildern. Ob deutsche Leser damit viel anzufangen wissen?
Ein weiterer literarischer Hinweis für Eingeweihte ist Villette selbst – Charlotte Brontë schrieb 1853 den gleichnamigen Roman nach ihrem Aufenthalt am Pensionat Heger in Brüssel. Angeblich war sie in Monsieur Heger, ihren Lehrer, unglücklich verliebt. Auf die Frage nach ihrem Lieblingsautor nannte Ingrid Hedström in einem Interview Emily und Charlotte Brontë.
Ingrid Hedströms erster Roman, Lärarinnan i Villette, erhielt 2008 den Debütantenpreis der Schwedischen Krimiakademie. Er liegt bisher nicht auf Deutsch vor – schade für die Figuren, die auf eine Serie angelegt sind, deshalb wohl auch das Personenregister am Ende des Buches. Der dritte Band in dieser Besetzung, mit dem deutschen Titel Die Gruben von Villette, soll Anfang 2011 erscheinen.