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    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 27. Juli 2017 | 16:15

    Peter Ettl: Samtkrallen Wurzelflügler

    21.12.2009

    Vierdimensionaler Fernseher mit hundert grünen Programmen

    STEFAN HEUER hat Peter Ettls Natur- und Landschaftslyrik gelesen.

     

    Peter Segler hat sich in den vergangenen Jahren vor allem als Mitglied der AG Wort und somit als einer der Herausgeber der "Freiberger Lesehefte", die sich neben abwechslungsreichen Texten auch durch heftdurchgängige Illustrationen jeweils eines Künstlers auszeichnen, einen Namen gemacht. In seinem Verlag widmet er sich konsequent dem Aufbau eines literarischen Programms. Dort frisch erschienen: ein Gedichtband von Peter Ettl, seines Zeichens selbst Herausgeber, und zwar der Lyrik-Reihe in der Silver Horse Edition. Dass Ettl auch eigene Gedichte verfasst und nicht ausschließlich als Verleger fungiert, hat er dabei durch mehrere Titel in seiner Edition stets bewusstgehalten – nun also der Gedichtband Samtkrallen Wurzelflügler im Segler Verlag.

    Bis auf Ausnahmen im hinteren Teil des Buches lassen sich die Gedichte als Natur- oder Landschaftsgedichte verorten: eine Schublade, die so mancher Leser bereits bei dieser Bezeichnung zu schließen beginnt, genau wie den Liebesroman, der sich nur allzu oft als kitschig herausstellt. Ettls Naturgedichte jedoch sind nur selten kitschig, nur selten verherrlichend, nicht schwülstig. Da ist die Landschaft, die von ihm festgehalten wird; eine Landschaft, die sich durch Zivilisation längst vom Ideal der Unberührtheit entfernt hat. Gedichte, in denen (man ist geneigt zu sagen: natürlich) auch der Mensch vorkommt – nicht unbedingt als Teil des Gefüges, schon eher als staunender Gegenpart, der in seiner Rolle als Bauer, Gärtner oder Förster zwar in die Natur eingreift, ihrer explosiven Kraft letztendlich jedoch nichts beziehungsweise nur wenig entgegenzusetzen hat. Keine Romantisierung, wo sie nicht angebracht ist: aus den wäldern singen / sägen todesmelodien / pilze ducken sich im / dickicht vor touristen / jägern platzen die / patronen in den läufen – aus "Dickicht").

    In schöner Regelmäßigkeit tauchen Katzen auf, Ettl platziert sie als Bindeglied zwischen Natur und Zivilisation – noch wild und unabhängig genug, um sich umsichtiger und geschmeidiger durch die Landschaft zu bewegen als der Mensch, gleichzeitig jedoch als Hauskatze deutlich zu domestiziert, um als Tier noch als ursprünglicher Besatz der Natur durchzugehen. Mit "Unüble Nachrede auf sechs Katzen" widmet Ettl den Vierbeinern ein eigenes Kapitel, bestehend aus sechs Texten zu Katzen und ihrem jeweiligen, nicht selten tragischen Ende. Aber heißt es nicht, Katzen hätten sieben Leben? Scheinen gerade Katzen mit ihrem eigenwilligen und eigenständigen Charakter nicht prädestinierte Wiedergänger zu sein? Ansonsten ist nach diesem Kapitel zumindest zu hoffen, dass es im Hause des Schriftstellers wenn nicht mehrere Leben, so doch zumindest eine siebte Katze geben mag...

    Vieles dreht sich darum, seinen Platz zu finden (und später zu behaupten), sich als Teil der Natur zu etablieren und in der Landschaft Akzeptanz zu gewinnen, zu erzwingen – doch auch, wenn dies allem Anschein nach zu gelingen scheint, bleibt ein steter Rest von Fremdsein, von Deplatziertheit.

     

    Früchte, Korn, Kokosnüsse

    sich niederlassen im flugsand
    ein eigenheim bauen in den wanderdünen
    öl sein im getriebe der
    sanduhr
    findlinge verlieren in der
    mühle des windes
    zähneknirschen beim
    anblick der fata morgana:
    kerne
    spreu
    trockenmilch


    Viele überzeugende, schöne, unverbrauchte Bilder (noch nähren die dachrinnen sich vom laub, aber die scheunendächer beginnen sich zu häuten) entschädigen für einige wenige doch recht schnell, zu schnell aufs Papier geworfene Verse – doch dies sind Kleinigkeiten, über die man hinwegsehen kann. Formal regiert der Flattersatz, konsequente Kleinschreibung (die Gedichttitel ausgenommen) trifft auf den Verzicht auf Satzzeichen; ein Zeilenbruch, der nicht immer an der Stelle stattfindet, an der man ihn vermuten würde, dennoch ein geschmeidiger Leserhythmus, der vor allem der Vorliebe des Autors für Alliterationen zustande kommt.

     

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