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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 21. Juli 2017 | 00:42

    S. Ferner/D. Strauch (Hg.): Dies krönt das Innerste

    23.02.2009

    Quer durch die Formgeschichte

    Dieses kleine Bändchen ist eine kleine Schatztruhe für alle, die sich mit Lyrik generell und mit Sonetten im Besonderen beschäftigen. Von DIRK SCHINDELBECK

     

    Unter dem Titel Dies krönt das Innerste. Sonette englischer Romantiker ist Ende letzten Jahres bei der edition elf in Burgdorf ein bibliophil aufgemachtes Bändchen im Format eines Reclamhefts erschienen. Es enthält 70 Sonette von 48 verschiedenen Autoren, die allesamt im Zeitraum zwischen etwa 1790 und 1840, der auch in England als die Epoche der literarischen Romantik galt, verfasst wurden. Titelgebend für die Anthologie war die deutsche Übersetzung einer Zeile aus Leigh Hunts Sonett „On receiving a crown of ivy from John Keats“.

    Seinen besonderen bibliophilen Charakter gewinnt das Buch durch zwölf eingestreute Abbildungen, die mit großer Sensibilität ausgewählt wurden und die angestoßenen Themen auf ihre Weise aufnehmen: mal sind es Porträts einiger der im Buch zu Wort kommenden Autoren, mal Gemälde romantischen Inhalts von Camille Corot bis William Blake. Jedem einzelnen Gedicht steht eine deutsche Versübersetzung unmittelbar gegenüber – wodurch sich der Leser in die Lage versetzt sieht, Original und Nachdichtung bis ins Detail vergleichen und genießen zu können. Die Arbeit der Übertragung haben sich drei Personen geteilt; neben den beiden Herausgebern gehörte auch der nicht näher benannte „sneaky“ zum Team.

    Gleichwohl gehen die Übertragungen zu etwa zwei Dritteln auf das Konto von Dirk Strauch/Zaunkönig. Die Einleitung dagegen stammt aus der Feder von Sibylle Ferner, die in Neuseeland lebt. Sie erläutert die Prinzipien, mit denen das Übersetzerteam zu Werke ging. Da es über reichhaltige Erfahrung eigener deutscher Sonettdichtung verfügt, wurde hier nicht der Weg einer Übertragung englischer Verse in deutsche Prosa eingeschlagen, wie er etwa bei Reclam Ausgaben seit gut dreißig Jahren Standard geworden ist, sondern bewusst Wagnis und Risiko einer jeweiligen deutschen Nach bzw. sogar Neudichtung eingegangen. Die Ergebnisse jedenfalls können sich in fast allen Fällen mehr als sehen lassen – zumindest kommt kein Verlangen nach einer „besseren“ Prosaübertragung auf.

    Prall gefüllte Schatztruhe

    Was das Bändchen aber besonders empfehlenswert macht, ist die ungewohnt große Auswahl von fast 50 Autorinnen und Autoren, von denen selbst in Anglisten-¬Fachkreisen mancher Name nicht einmal bekannt sein dürfte. Damit wird nicht nur eine Kenntnis- und Verfügbarkeitslücke geschlossen, auch der Begriff der englischen Romantik generell und die Rolle des Sonetts im Besonderen könnten sich durch diese frischen Impulse verändern. Es drängt sich dieser Eindruck sogleich auf, wenn man etwa die voluminöse Reclam Anthologie von 1986 Gedichte der englischen Romantik (425 S.) zum Vergleich heranzieht, die sich mit gerade einmal sechs Autoren (natürlich den wichtigsten!) begnügt. Dagegen bietet das Bändchen der edition elf eine Tour d’ Horizon durch die Formgeschichte, die von Anna Seward (1747–1809) bis zu John Clare (1793–1864) reicht. Natürlich sind auch die bis heute unangefochtenen Stars der englischen Romantik wie Wordsworth, Shelley oder Keats vertreten, indessen erscheinen sie hier vor der Folie zweifellos auch einiger Poetae minores in einem anderen Licht. So relativiert es deren herausragende Bedeutung keineswegs, komplettiert dafür aber das Bild der Romantik insgesamt, wenn zwei der berühmtesten englischen Sonette („Ozymandias“ und „The Grashopper and the Cricket“) selbst von den Zeitgenossen schon als so musterhaft empfunden worden sind, dass sie sie gleich noch einmal dichten mussten.

    An dieser Stelle macht sich aber auch der fühlbarste Mangel des Bändchens bemerkbar: außer den Texten selbst und den unverzichtbaren Lebensdaten der Autoren werden keine weiteren Informationen gegeben. Natürlich sollte dies vor allem eine schöne Anthologie werden, die zuallererst poetischen und nicht wissenschaftlichen Erwartungen gerecht werden soll – allein bei einer so großen Anzahl kaum bekannter Texte und Autoren wäre jeder Leser dankbar für wenigstens ein paar einleitende Worte zu historischen Hintergründen, Lebensverhältnissen der Autoren, Schreibtraditionen, Themen und Motiven (z. B. Nil oder Ägyptenkomplex).

    Dessen ungeachtet ist das Bändchen eine kleine Schatztruhe für alle, die sich mit Lyrik generell und mit Sonetten im Besonderen beschäftigen.

     

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