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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 28. Juli 2017 | 18:58

    Philipp Luidl: Die Ankunft der Worte

    09.02.2009

    Zeitloses Vokabular, exaktes Besteck

    Luidl arbeitet nach einem klaren Muster und mit geschickten Wiederholungen. Er operiert mit sehr exaktem Besteck, verzichtet auf formelle Vertracktheiten und konzentriert sich auf ein zeitloses Vokabular. Von STEFAN HEUER

     

    Es gibt diese Begriffe, die bei den meisten Menschen die gleichen Assoziationen hervorrufen, unauslöschbare Begriffspaare bilden. Insbesondere gilt dies auch für Namen. Bei Oliver Bierhoff schießt einem augenblicklich ein Golden Goal in den Kopf (wer sich für Fußball nicht interes-siert, wird eher an Shampoo-Werbung denken); wer sich als Bildender Künstler in Schwitters-Nachfolge versuchen möchte, der tut für gewöhnlich gut daran, per Zeitungsinserat seine Verlobung mit Anna Blume bekannt zu geben. Die Aufzählung könnte beliebig fortgesetzt werden, natürlich auch – kommen wir zur Literatur – mit Verlagen und „ihren“ Autoren. Kommt im deutschsprachigen Raum die Sprache auf den Maro Verlag, so ist der erste Gedanke an den amerikanischen Underground, an Autoren wie Bukowski, Burroughs oder Carver (Gorki unterm Aschenbecher, noch immer einer meiner liebsten Gedichtbände), unumgänglich. Nach und nach aber wurde auch das deutschsprachige Programm ausgebaut, erhielten wunderbare Bücher wie Michael Schultes Führerscheinprüfung in New Mexico oder Jörg Fausers fulminanter Gedichtband Die Harry Gelb Story den Platz, den sie verdienten.

    Auch Philipp Luidl hat in Augsburg seine verlegerische Heimat gefunden. Im Brotberuf war er Dozent für Typografie an der Akademie für das Grafische Gewerbe in München, zudem Vorstandsmitglied der Typografischen Gesellschaft. Im Jahr 2008 ist beim Maro Verlag bereits sein vierter Gedichtband erschienen: die ankunft der worte – ein für seine Maßstäbe geradezu geschwätziger, verschwenderisch lyrischer Titel, hießen seine ersten Lyrikbände doch schlicht Gedichte, Weitere Gedichte und Andere Gedichte.

    Meta-Thema Herbst

    die ankunft der worte hat mit dem Herbst ein Meta-Thema, welches sich als dunkelroter Faden durch das gesamte Buch zieht, wobei es in zwei unterschiedlichen Gebilden auftritt: als Schilderung landschaftlich-atmosphärischer Eindrücke, aber auch als körperliche und seelische, als alterungsbedingte Empfindung. Luidl arbeitet dabei nach klarem Muster und mit geschickter Wiederholung. Zudem operiert er mit sehr exaktem Besteck, verzichtet auf formelle Vertracktheiten, konzentriert sich auf zeitloses Vokabular: licht, steine, herbst, nacht, schatten, blätter – obwohl mir dieser Umstand bei anderen Autoren häufig zu denken gibt, freut es mich in diesem Fall, dass ich mich bei der Lektüre unwillkürlich an einen Großen der Zunft, an einen Wortmagier ersten Ranges erinnert fühle: an Karl Krolow, der ebenfalls in der Lage war, mit „einfachen“ Worten Großes zu sagen (Krolows zentrales Wort war, so scheint mir, „Laub“ – ein Begriff, dem gegenüber auch Luidl nicht abgeneigt ist).

    Auf den ersten Blick handelt es sich bei vielen der knapp 50 Gedichte um „einfache“ Texte mit klarer Aussage. Ob man mit dem Zweiten wirklich besser sieht, mag der Spekulation eines Fernsehsenders unterliegen, Tatsache ist: Wer sich für die Gedichte von Philipp Luidl ein wenig Zeit nimmt und sie mehrfach liest, im optimalen Fall sogar laut und betont, der wird mit ungleich größerem Genuss und zahlreichen doppelten Böden belohnt.

    schatten

    mitten im sommer
    vergass der vogel sein lied

    unter den steinen
    drehte der tag sich

    gingen die schatten fort
    kehrten die schatten heim

    ihre schuhe nicht grösser
    als ein welkes blatt



    In diesem Band besonders schön: die Anordnung, die Reihenfolge der Gedichte. Immer wieder bilden sich feine Konstellationen heraus, bauen Gedichte auf den ihnen vorangegangenen auf. Auf den „nächtlichen heimweg“ folgt die „nächtliche taxifahrt“ – in dem einen sieht / die laterne mich kommen / zieht den schatten ein / wirft ihn nach der anderen seite, im anderen wechselt der aktive Part auf den Protagonisten über: wir sammeln lichter ein / überholen schatten / treiben strassen vor uns her. Eine wunderbare Korrespondenz, welche die Gedichte miteinander führen. Und das Beste: Sie unterhalten sich nicht nur untereinander, sondern auch denjenigen, der sich auf sie einlässt.

     

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