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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 24. Juli 2017 | 02:42

     

    Norbert Hummelt: Zeichen im Schnee

    12.02.2004

     




    Schwingungen und Erschütterungen




     

    Der 1962 geborene und heute in Köln als Lyriker, Essayist und Übersetzer lebende Norbert Hummelt hat sich während der vergangenen 10 Jahre mehr und mehr in die vorderen Ränge der deutschsprachigen Lyrik geschrieben. Im Mai 2001 war er mit zahlreichen illustren Lyrikerinnen und Lyrikern zu Gast in Münster, wo zum zwölften Mal das Lyrikertreffen stattfand, bei dem auch der Preis der Stadt Münster für europäische Poesie für einen Gedichtband und dessen Übersetzung verliehen wurde (den in diesem Jahr der große alte Mann der belgischen Literatur, Hugo Claus, erhalten har).

    Norbert Hummelt gehört zu den mir stets besonders sympathischen Dichtern, die sich auch gern von der Lyrik, die sie im Verlauf ihres Lebens gelesen haben, inspirieren lassen - in erster Linie wohl von Gottfried Benn ("Unter den deutschsprachigen Lyrikern des 20. Jahrhunderts ist Gottfried Benn derjenige, dessen Werk für mich die stärksten Impulse aussendet und sich in der beständigen Auseinandersetzung am wenigsten zu verbrauchen scheint", schreibt Hummelt in dem Aufsatz Mein o­nkel Gottfried Benn in dem von 1999 von Heinz Ludwig Arnold in der edition text + kritik herausgegebenem Sonderband Lyrik des 20. Jahrhunderts), dessen autonome Kunstauffassung er teilt und dem das Gedicht dahlem, wald-friedhof gewidmet ist).
    Besonders intensiv wirken die Gedichte in zeichen im schnee, wenn der Vibrograph Norbert Hummelt (präzise und höchst sinnlich!) Schwingungen und Erschütterungen vielfältigster Art aufzeichnet und die Verse gleichsam einen Querschnitt durch zahlreiche Mikrosituationen des Alltags vermitteln. Durch verschiedenste dichterische Elemente, auch traditionelle wie beispielsweise (originelle!) Assonanzen (lehnte war / edeka) oder (Binnen-) Reime (webe hohl / bebe wohl; schäferhundes / stern des bundes) überhöht er im Prinzip banale Dinge - und nur in wenigen Gedichten, etwa fremdkörper, gelingt das vielleicht nicht ganz.

    Gerade diese kleinen (scheinbar unscheinbaren) Dinge des Daseins (an die Oberfläche der mehrfachbelichteten, oft lautmalerischen Verse vom Grund geträumter oder traumatischer geisterhaft-realer Erinnerung gefischt) formen sich unter seinen Händen, die ich wachsam die Buchstaben setzen sehe, zu Gedichten als kleinen Geschichten. im gegenlicht, einem der gelungensten Gedichte des Buches, wird - auch indem er das hölderlinsche unter dem strauche saß ein ernster vogel gesanglos in die Verse montiert - die sprachkritische Perspektive des Dichters Norbert Hummelt deutlich, der im doppelten Sinne zeitlose Gedichte in einem mich immer wieder wärmenden Ton (die auf dem Fuß folgenden kalten Duschen inbegriffen) verfasst, die in dem anschaulichen, bilderreichen, flirrende, verwirrende Kindheitsmemoiren beschwörenden Poem früchte fabelhaft ausklingen.

    aus der kindheit
    du wirst bestimmt mal dichter werden
    u. wenn du rohrabdichter wirst", so
    sprach mein vater, dieser dichterfürst
    u. ging zum büdchen zigaretten holen u.
    für mich einfacheiscreme in stanniolpapier.


    Von Theo Breuer


    Norbert Hummelt: Zeichen im Schnee. Gedichte. Originalausgabe, 112 Seiten, Broschur, 18,50 DM. SL 2005

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