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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 26. Mai 2017 | 22:50

     

    Lyrikpreis Meran 2008

    19.05.2008

    Es gilt das gesprochene Wort

    Von den Hoffnungen und Leiden eines Finalisten. STEFAN HEUER berichtet für TITEL aus einem Alpenparadies.

     

    Einige Fakten vorweg: Der Lyrikpreis Meran wurde im Jahr 1993 ins Leben gerufen, seit 1994 findet er im regelmäßigen Turnus von zwei Jahren statt. Er steht allen deutschsprachigen Autorinnen und Autoren offen, unabhängig von bisherigen Ehrungen oder Veröffentlichungen. Für den Lyrikpreis Meran 2008 gingen insgesamt 512 Bewerbungen ein, eine Vorjury wählte aus diesen Beiträgen 50 aus, die dann an die Hauptjury (bestehend aus der Schriftstellerin Ulla Hahn aus Hamburg, der Schriftstellerin Ilma Rakusa aus Zürich, dem Literaturredakteur Volker Hage vom "Spiegel", dem Programmleiter für internationale Literatur im S. Fischer Verlag Hans Jürgen Balmes und Literaturprofessor Wolfgang Wiesmüller) weitergeleitet wurden. Aus dieser Vorauswahl bestimmte die Hauptjury die 9 FinalistInnen, die zum öffentlichen Lesen mit Jurybewertung nach Meran eingeladen wurden. Neben dem mit 8.000 ¤ dotierten Hauptpreis wurden zwei weitere Geldpreise ausgelobt.

    So weit, so gut. Auch ich hatte vor einiger Zeit eine Bewerbung mitsamt 10 neueren Gedichten in den gelben Kasten geworfen, mir allerdings aufgrund des inzwischen großen Renommees des Preises keine Chancen ausgerechnet – so ein bisschen wie ein Schwimmer, der auf offener See vor einem Hai zu flüchten versucht. Umso größer die Überraschung, als mich eines Tages ein Anruf aus Südtirol erreichte, in dem mir mitgeteilt wurde, dass ich zum diesjährigen Lyrikpreis Meran eingeladen sei.

    Aus der norddeutschen Tiefebene heraus ist es ein langer Ritt bis Oklahoma, nein: Meran. Meine Erkundigung beim örtlichen Reisebüro, ob es einen günstigen Flug gebe, wurden zunächst mit einem Lachen quittiert. Den Preis für den günstigsten mir angebotenen Flug möchte ich hier aus Gründen des Anstands nicht wiedergeben, da es sich in Hartz-IV-Zeiten um ein durchaus unmoralisches Angebot handelte. Dann also mit dem Nachtzug, warum auch nicht. In meinem postjugendlichen Leichtsinn entschied ich mich nicht für den Schlafwagen mit Liege, sondern für aufrechtes Sitzen, wollte ich doch die Zeit der Fahrt zum Lesen nutzen. Die Rechnung zwar mit Wirt, jedoch ohne die feierlaunige Fußballmannschaft gemacht, die mich von Hannover bis München bestens mit lautstarken Fangesängen, Schnarchen und ausgefallenen Klingeltönen unterhielt.
    Auch zwischen München und Bozen, die Sonne war längst aufgegangen und hatte mich nach einer schlaflosen Nacht begrüßt, war an Schreiben und/oder Lesen nicht zu denken. Vielmehr starrte ich gebannt in die Landschaft hinein, die ich in dieser Form bisher nur aus Katalogen für Modelleisenbahn-Bedarf kannte – Berghütten, die man im Modellbahnladen wieder ins Regal zurückstellen würde, weil sie zu unrealistisch scheinen. Die Werbewelle für die in Österreich und der Schweiz stattfindende Fußball-EM hält sich, einen guten Monat vor Beginn des Turniers, noch in Grenzen. Lediglich die Werbeflächen über den Bahnhofsbänken weisen auf das hin, was da kommen wird.

    Ohne Stau über den Brenner, und jetzt brach die Lautstärke los. Hatten sich bis hierhin die meisten Mitreisenden ebenfalls von der Landschaft faszinieren lassen, wurden sie nun der Heimeligkeit überdrüssig und griffen nahezu zeitgleich zu ihren Mobiltelefonen. In deutscher, englischer, spanischer und italienischer, zudem in einer für mich nicht zu identifizierenden Sprache, wurde die Ruhe gebrochen und mittels Worten in die Welt gebrüllt – ach, hör mal, Schatz, diese wundervolle Stille, wenn keiner spricht...

    Nach Umsteigen in Bozen erreichte ich gegen Mittag das auf 312 m Höhe gelegene Meran, welches inmitten eines Talkessels liegt und von Bergen (bis 3.300 m) mit schneebedeckten Gipfeln umgeben ist. Unvorstellbar, dass einem Menschen das Herz dort nicht aufgehen könnte. Bei strahlendem Wetter die Begrüßung der Schwalben über der mächtigen Passer, die die Stadt teilt. Mit dem Taxi zum für die FinalistInnen gebuchten Hotel Flora welches sich (der Stadtplan hatte alles viel weitläufiger erscheinen lassen) in der Nähe von Altstadt und Veranstaltungsörtlichkeiten (Kurhaus) befindet.

    Am ersten Abend der offizielle Part: der Empfang und die Begrüßung aller Teilnehmer durch Künstlerbund und Bürgermeister, der Dank an die Sponsoren und Beteiligten, im Anschluss Häppchen und Wein. Eine Runde, die sich relativ schnell auflöste, jedoch nur, um an anderer Stelle beim ersten Beschnuppern der Mitstreiter bei einem Glaserl in einem Gasthaus fortgesetzt zu werden...

    Zum eigentlichen Wettbewerb, dem Lesen der eingereichten Gedichte, welches an zwei aufeinander folgenden Tagen und jeweils in ausgelosten Dreiergruppen stattfand: Es war angenehm. Kennt man es von den Fernsehbildern aus Klagenfurt, dass dem Vortragenden ein Katzentisch etwas abseits der Juroren zugeteilt wird, so saß man in Meran in einer Reihe, in der Mitte zwischen der Jury und dem Moderator. Ein Gefühl wie vor Gericht kam so nicht auf, und auch die Kritik der Jury, die keine grundsätzlichen Urteile fällte, sondern sich an Feinheiten, Begrifflichkeiten und Stimmungen abarbeitete, war sachlich und korrekt und konstruktiv, im Grunde so, wie man es sich wünscht, niemals dumpf belehrend oder die eigene Persönlichkeit in den Vordergrund rückend, eher kollegial im besten Sinne. Und ja, Preise wurden im Anschluss vergeben, und obwohl es mit zwei von drei Preisen die "üblichen Verdächtigen" traf und einige an Schmuh dachten: Alle Preisträgerinnen, denn es waren ausschließlich Damen, welche die Gelder in ihre Heimat überführten, haben sich die Auszeichnung durch gute Texte und (und das ist nicht zu unterschätzen) tadellosen Vortrag verdient, unabhängig von dem, was die Herren (und Damen) von der Presse auch schreiben mögen. Noch mal deutlich: Die, die ausgezeichnet wurden, waren auch ausgezeichnet.  

    Und was bleibt? Es bleibt die Erinnerung an eine kompetente und herzliche Jury, die es sich nicht nehmen ließ, die Teilnehmer nach dem offiziellen Ende der Wettbewerbstage in ein Café zu begleiten (in die Darling Bar – was für ein Name!) und dort gemeinsam etwas zu trinken. Es bleibt die Erinnerung an wunderbare Tage bei aufgeschlossenen, interessanten Gesprächen, an neue Kontakte, die sich mit Sicherheit in Kommunikation und gegenseitigen Besuchen niederschlagen werden. Es bleibt die Erinnerung an einen wunderbaren, parallel zum Lyrikpreis Meran stattgefundenen Lyrikpreis für Oberschüler, in dessen Rahmen ich, gemeinsam mit Uljana Wolf, an einem Autorenforum teilgenommen und mich den Fragen und dem gemeinsamen Gelächter hingegeben habe.
    Es bleibt die Erinnerung an sehr unterschiedliche, allesamt anspruchsvolle und ausformulierte Gedichte, deren einziges Auswahlkriterium die Qualität war - und zudem: eine beinahe schon unheimliche Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Organisatoren, die dafür sorgten, dass alle Teilnehmer eine unvergessliche Zeit hatten....Tja, und nun also wieder zuhause, wieder in der niedersächsischen Kleinstadt und im Alltag angekommen... – schlimm? Nein, nicht schlimm, denn im Leben sieht man sich ja immer mindestens zwei Mal!

    ... bis sie dann gestorben sind.

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