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Richard Pietraß: Die Aussicht auf das Wort

07.01.2008


Blick zurück nach vorn

Ein eindruckvolles, natürlich sehr subjektives „Best of Richard Pietraß“ zum 60. Geburtstag des Autors.

 

Mögen sie auch – günstigstenfalls – zeitlose Texte verfassen, generationsübergreifend dem Zahn der Zeit eine lange Nase zeigen – auch die Mitglieder der schreibenden Zunft sind der Regie des Lebens unterworfen und werden älter. Möchte man einem Schriftsteller von Bedeutung zum runden Geburtstag gratulieren, so gebietet der Anstand ein wenig mehr als den obligatorischen „Auf-die-nächsten-x-Jahre“-Ausruf und einen feuchten Händedruck: Da muss schon etwas Handfestes her, etwas Bleibendes, etwas mit Gewicht. Der Verleger Ulrich Keicher aus Warmbronn war sich dessen bewusst, und so erschien im Juni 2006, pünktlich zum 60. Geburtstag von Richard Pietraß, der liebevoll ausgestattete Band Die Aussicht auf das Wort, eine von Freunden aus seinen Büchern zusammengetragene Sammlung von 33 Gedichten, die in ihrer Chronologie einen wunderbaren Einblick in sein bisheriges lyrisches Schaffen gewährt.

Ein Blick auf die Liste der Einzelpublikationen von Richard Pietraß offenbart eine eindrucksvolle Zwischenbilanz. 1974 debütierte er mit Band 82 der Lyrikreihe „Poesiealbum“ im Verlag Neues Leben (eben der Lyrikreihe, die nach Jahren des Dornröschenschlafs zur Zeit mit der Peter Huchel gewidmeten Ausgabe 277 eine viel beachtete Wiederauferstehung feiert), seitdem erschienen zahlreiche Lyrikbände, aber auch Prosa und ein Kinderbuch. Neben festen Einbänden und Taschenbüchern finden sich immer wieder auch bibliophile Kunstwerke in Kleinauflagen, handgebunden, oftmals mit Schnitten und Lithografien illustriert. Nicht vergessen werden dürfen auch die vielfältigen anderen Arbeiten am Wort, die neben seinen eigenen Gedichten im Zentrum seines Schaffens standen – seine Zeit als Lyriklektor und Herausgeber des „Poesiealbums“ (1977–1979), die redaktionelle Arbeit an der Zeitschrift „Temperamente“, seine Nachdichtungen und Übersetzungen (u. a. zu Seamus Heaney, Lars Gustafsson, Wladimir Majakowski und Adam Mickiewicz) und seine Herausgaben (u. a. Hans Arp, H. C. Artmann).

Eine Hommage von 33 Freunden

Und nun also Die Aussicht auf das Wort, eine Hommage von 33 Freunden (unter ihnen Elke Erb, Wulf Kirsten, Thomas Rosenlöcher und Jürgen Rennert), die mittels ihres Lieblingsgedichts gratulieren (und Christoph Meckel, der dies mit einer Grafik tut).
Da findet sich das exzellente „Am Abend verwandeln“ aus dem 1980 erschienenen Band Notausgang, ausgewählt von Kathrin Schmidt:

Am Abend verwandeln wir uns / und werden Vögel, Mauersegler, die mit schrillen / Schreien den ungeteilten Himmel befliegen / und lautlos streichende Eulen, steigen / unter die höchsten Türme, nisten / des Nachts und bleiben ertappte Vögel, denen / der Morgen die geborgten / Federn nimmt.

Da findet sich auch „Die Einführung in die Metaphysik“, das Gedicht „Barometer“ (Ich bin das Barometer. Man kommt / ohne mich aus. // ...) und auch der von Peter Geist nominierte Wortverdreher „Generationen“ (aus dem 1982 im Aufbau Verlag erschienenen Lyrikband Freiheitsmuseum) ist vertreten. Richard Pietraß sorgte mit der Qualität seiner Gedichte dafür, dass seine Freunde aus dem Vollen schöpfen und hier ein eindruckvolles, natürlich sehr subjektives Best of herauskristallisieren konnten.

Die Aussicht auf das Wort – das ist die Aussicht, die Sichtung des bislang Geschriebenen, eine Bestandsaufnahme der besonderen Art. Es ist aber auch die Aussicht auf das, was da noch kommen mag. Und darauf darf man gespannt sein.

stefan heuer.


Richard Pietraß: Die Aussicht auf das Wort. Gedichte zum 60. Geburtstag des Autors. Mit einer Grafik von Christoph Meckel. Verlag Ulrich Keicher. Fadenheftung. Broschiert. 44 Seiten. Auflage 300 Exemplare. 10,00 Euro. ISBN 3-938743-25-6.

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