• losttorrent
  • richtorrent
  • pushtorrent
  • Titel-Magazin
    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 26. Mai 2017 | 22:55

     

    Andreas Noga: Bernsteinäugiges Fellchen

    22.10.2007


    MIT ALLEM RECHNEN

    60 Gedichte; helle, offne Verse, frei von jeder Hermetik, sprachlich aufs äußerste „kurz geschoren“ (da ist kein Wort zuviel) und trotzdem voller Beweglichkeit, Eleganz und Musikalität.

     

    Keine Lyriklesung, nach der nicht wenigstens einer aus der kleinen Gemeinde der Zuhörer die Frage stellt: Warum schreiben Sie Gedichte? - Was soll er sagen? Auf den Titel eines bei KiWi (1989) zum Thema erschienenen Bandes verweisen: „Es muss sein“? Oder Benn zitieren: „Es ist ein Antrieb in der Hand ...“? Mit ernster Miene, nicht ohne Falten auf der Stirn. Aber könnte er nicht auch sagen: Weil mir das Schreiben von Gedichten Vergnügen bereitet, die Beschäftigung mit den Möglichkeiten der Sprache eine lustvolle ist, weil Gedichte Ursprung und Ausdruck meiner Heiterkeit sind? Manche Dichter könnten so antworten, würden es wohl auch. Noga zum Beispiel.

    Andreas Noga (Jg. 1968) hat gerade einen neuen Gedichtband vorgelegt, seinen dritten: Bernsteinäugiges Fellchen. 60 Gedichte; helle, offne Verse, frei von jeder Hermetik, sprachlich aufs äußerste „kurz geschoren“ (da ist kein Wort zuviel), und nicht zuletzt darin zeigt sich Nogas Talent, dass er diese beeindruckende Dichte seiner Verse erzielt, ohne dass sie Einbußen an Beweglichkeit, Eleganz, Musikalität erleiden/hinnehmen müssten.

    Zumindest gute Gedichte sagen meist klarer, „was mit ihnen los ist“, als jeder noch so bemühte Rezensent es tun kann. Hier ein paar Verse aus Nogas Buch: „... der schatten/ trägt schon jacke distanziert und kühl / schlägt er den kragen hoch // auf der hauswand sitzen fliegen / mit kurzen ärmeln / im mittagslicht //" („oktober“), oder: „... draußen würden die böen mir kalt / ins gesicht greifen oder im rücken / meinen schritt beschleunigen // aber die zeit ist noch nicht reif / für eine frühe stunde / unter eiligen wolken // ..." („draußen“). Ein Gedicht hat den schlichten Titel „wörter“: „zum beispiel / kronenkranich // oder / anna achmatowa - // wachsam sein“.

    Ein „schräger“ Blick

    Keine menschheitsbewegenden Themen, mit denen sich Noga in seinen Gedichten beschäftigt. Kleine Themen. Katzen & Ameisen treten auf, Mäuse, An- und Ungelegenheiten des täglichen Lebens werden beschrieben, Landschaften, der Besuch einer Sternwarte. Aber was auch immer er inspiziert, wem oder was er hinterhersieht: er wirft einen unerwarteten, unvertrauten, „schrägen“ Blick auf alles, was ihm begegnet, mit dem Ergebnis, dass Vertrautes fremd wird und umgekehrt, manchmal (wohlkalkuliert) skurrile Komik entsteht. So erfahren wir in einem Gedicht: „als es abend wurde / belichtete die dunkelheit // dein fenster/ das dich einrahmte // aber nicht hielt / du wolltest nicht erstarren // (...) so verlor ich dich // an eine zimmerecke die nicht einsehbar war // und erfand / aus verzweiflung // die fotografie“. - Vielleicht würde Tucholsky über Noga sagen, was er über Karl Valentin gesagt hat: "Er ist ein Linksdenker".

    Vieles von dem, was schon immer für seine besten Gedichte charakteristisch war (siehe zum Beispiel Andreas Nogas Lyrikband Nacht Schicht, Edition YE, Sistig/Eifel 2004), findet man auch in den neuen Gedichten. Aber manches ist hinzugekommen, thematisch und vor allem formal. Er hat das Repertoire seiner Techniken und Ausdrucksweisen wesentlich und mit großem Vorteil erweitert. Viele gescheite Leser wünscht man diesem brillanten Buch!

    Maximilian Zander



    Andreas Noga: Bernsteinäugiges Fellchen. Edition Schrittmacher Band 12. Rhein-Mosel-Verlag 2007. 71 Seiten. 8.90 Euro., ISBN 978-3-89801-212-6.

    ... bis sie dann gestorben sind.

    Wenn Comics sich klassischen Märchenmotiven widmen, dann tun sie das meist in Form einer eher überzogenen Parodie. Selbst wenn sich dahinter so viel Sophistication verbirgt wie hinter ...

    Petraeus und sein Stab

    Die menschliche Existenz ist voll von Paradoxa. Krieg etwa gehört zu den schlimmsten Dingen, die Menschen einander antun können; die Ausführenden des Kriegs allerdings, das ...

    Musik in Schwarz-Weiß

    Noch ein paar Tipps für die Tage in denen Stimmung und Landschaft sich den Grau-Tönen nähern und die richtige Musik dabei hilft, ruhige Momente zu ...

    Zwischen Karikatur und Avantgarde

    Lyonel Feininger ist eine Ikone der Klassischen Avantgarde. Er hat einen festen Platz im Lieblingsmaler-Pantheon. Doch auch solch ein Weltrangmeister ist nicht vom Himmel gefallen. Die Ausstellung ...

    Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

    Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

    NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter