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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 23. Juli 2017 | 18:49

     

    25. Jahrbuch der Lyrik

    08.07.2007


    Verrückter Gedanke

    Qualität auswählen statt Breite dokumentieren: der Jubiläumsband des Jahrbuchs der Lyrik konzentriert den lyrischen Sprachfundus der letzten knapp dreißig Jahre.

     

    Rückblick

    Seit 1979 gibt Christoph Buchwald in Zusammenarbeit mit einem jährlich wechselnden Lyriker das Jahrbuch der Lyrik heraus. Nach eher durchwachsenen Anfängen tritt mit dem vierten Band von 1984 ein deutlicher Qualitätssprung ein: von nun an gewährt das Jahrbuch regelmäßig einen Einblick in die aktuelle Produktion bedeutender Lyrikerinnen und Lyriker wie Friederike Mayröcker, Marcel Beyer oder Thomas Kling. Im Laufe der Jahre wurde das Jahrbuch der Lyrik so zu einer Institution der deutschsprachigen Poesieszene. Diese Entwicklung lässt sich auch an der äußerlichen Gestaltung der Bände erkennen: vom kleinen Taschenbuch hat es sich – über mehrere Verlagswechsel hinweg – mittlerweile zum gebundenen Werk entwickelt.

    Einsicht

    Beim jetzt erschienenen Auswahlband zum 25-jährigen Jubiläum zeigt sich, dass der im Rahmen der einzelnen Jahrbücher zu beobachtende qualitative Konsens in den von den einzelnen Lyrikern ausgewählten Top Ten deren individuellen Vorlieben weicht: Michael Lentz setzt den Akzent auf Laut- und visuelle Poesie, die von Robert Gernhardt oder Ludwig Harig benannten Gedichte zeichnen sich durch Humor und Formbeherrschung aus, in Norbert Hummelts Auswahl wird 2005 ein Generationenwechsel vollzogen und der Herausgeber lässt seine Vorliebe für Rolf Haufs Gedichte deutlich durchblicken. Über die gesamte Strecke des Jubiläumsbands ist – dem Phänomen der großen Zahl geschuldet – die Auswahl jedoch erstaunlich homogen. Wie bei jeder Anthologie ist das Fehlen einiger bekannter Namen zu beklagen (wie Paul Wühr oder Oswald Egger), aber im Großen und Ganzen sind die wichtigen Stimmen präsent. Die Gräben zwischen den poetischen Lagern scheinen nicht mehr so tief zu sein, vermutlich auch ein Resultat der geringeren Bedeutung ästhetischer Theoriebildung. Die poetologischen Anmerkungen von Christoph Buchwald etwa definieren das gelungene Gedicht eher ex negativo und bleiben reichlich abstrakt.
    Zwei Tendenzen dieser Auswahl werfen jedoch Fragen auf. Zum einen sind Gedichte von Lyrikerinnen ebenso in der Minderheit wie die weiblichen Mitherausgeberinnen. Zum anderen fällt auf, dass zahlreiche jüngere Autorinnen und Autoren fehlen, die in ihren Gedichten in den letzten fünf Jahren neue poetische Sprechweisen erprobt haben. Marion Poschmann wäre hier zu nennen oder Hendrik Jackson, Anja Utler oder Daniel Falb. Veröffentlicht die Generation „Lyrik von Jetzt“ eher in Zeitschriften und sendet gar keine Gedichte für das Jahrbuch ein? Kamen die Gedichte junger Autoren nicht in die engere Auswahl? Oder dauert es einfach einige Jahre, bis sich neue Entwicklungen im Jahrbuch der Lyrik niederschlagen? Hier, wie auch im Fehlen der Poetry Slammer, wird deutlich, dass die vorliegende Auswahl (bedingt auch durch das Medium des Buches) weniger die Ränder des poetischen Spektrums abbildet. Auch bleibt sie der Traditionspflege verhaftet und sorgt in dieser Kontinuität weniger für Aufsehen als beispielsweise das Sonderheft zur Gegenwartslyrik von bella triste.

    Ausblick


    Welche Rolle kann das Zwitterwesen Jahrbuch der Lyrik spielen, wenn die neuen Entwicklungen der Lyrik vor allem in Zeitschriften oder im Internet hervortreten? Könnte man nicht auch aktiv auf solche Beiträge zurückgreifen und nicht nur auf eingesandte Gedichte? Damit ergäbe sich eine breitere Basis für das Herausfiltern des Haltbaren aus der lyrischen Produktion eines Jahres. „Verrückter Gedanke, das halten zu wollen, was nur Schein und dann weg ist“ (Robert Gernhardt)? Vielleicht, aber es bleibt nicht nur die Landschaft der Niederlagen zurück, sondern darin finden sich immer auch die pastiorschen „Brosamen einer Testikelverzückung“.

    Carsten Schwedes


    25. Jahrbuch der Lyrik. Die schönsten Gedichte aus 25 Jahren. Herausgegeben von Christoph Buchwald. S. Fischer Verlag 2007. Gebunden. 411 Seiten. 20,00 Euro.

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