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    TITEL kulturmagazin
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    Franz Hohler: Vom richtigen Gebrauch der Zeit

    29.03.2006

    Die Zeit nutzen
    „Eins, zwei, drei! Im Sauseschritt / läuft die Zeit – wir laufen mit.“ Schon Wilhelm Busch überblickte die Abhängigkeit der Menschen von der Zeit und ihrem Vergehen und verpackte seine Erkenntnisse in lyrische Kommentare . Country-Sänger Glen Campbell wusste genau, was er wann tun musste, um das Richtige zu tun: „By The Time I Get To Phoenix“. Aus der Schweiz, deren Bewohner gewisse Langsamkeiten nachgesagt werden, meldet sich Franz Hohler zum Zeitphänomen zu Wort. Seine Verse berühren sowohl die flüchtige Funktion der Zeit wie auch die Art und Weise, mit der wir alle mit der Zeit umgehen.

     

    1988 veröffentlichte Franz Hohler seinen ersten und bis jetzt einzigen Gedichtband. Nun folgt der zweite, was angesichts seiner überaus umfangreichen Buchproduktion überrascht. Dafür hat er sich viel Zeit genommen und unterstreicht damit, wie ernst es ihm mit einem Begriff ist, der das private und öffentliche Leben beherrscht. Vom richtigen Gebrauch der Zeit beschäftigt sich von der ersten bis zur letzten Seite mit einem Begriff, der allgemein auf sehr unterschiedliche Weise interpretiert wird.

    Hohlers Betonung liegt auf dem Wort „richtig“, das in klarster Aussage feststellt, wie „falsch“ die Zeit gebraucht wird. „Richtig“ definiert alle negativ besetzten Begriffe, die im Umgang mit der Zeit denkbar sind, etwa Zeitvergeudung oder Zeitverschwendung. Hohler beschreibt in knappen Sätzen die (seine) Ungeduld mit angeblich nutzlos verbrachter Zeit, wenn der Zug an jeder Station hält, obwohl niemand zu- oder aussteigt. In den Augenblicken, in denen die Nerven zu reißen scheinen und die Sinnlosigkeit überhand nimmt, hält Franz Hohler sich und uns in der Zeit inne, atmet vor dem Denken noch einmal tief ein und besinnt sich und uns darauf, wie kostbar das Zeithaben ist. Aus seinen Texten lernen wir, warum wir Zeit haben, sie aber nicht zu nutzen wissen. Niemand hat Zeit, alle beklagen sich darüber, ändern diesen Zustand aber nicht. Franz Hohler drückt den lyrischen Finger in die offene Flanke der Keinezeithabenden und redet ihnen ins Gewissen. "Woher kommen die Träume?" stellt die Antworten aus den Gegensätzen benachbarter Begriffe zusammen (unruhig – Ruhe, Hitze – Kälte). Wie ein Jongleur hantiert Hohler mit der Sprache, die durch die Reduktion auf das Wesentliche in luftiger Klarheit in die Seelen blickt.

    In dem Gedicht, das dem Buch seinen Titel gab, spricht Hohler in nur zwei Strophen die ganze Problematik des Umgangs mit der Zeit an, in dem er das Hochdramatische in ein einprägsames, sehr einfaches Beispiel verpackt:

    Ich habe dich
    heute morgen
    nicht zum Bahnhof begleitet
    ich hatte soviel zu tun
    und brauchte sie dringend
    die halbe Stunde.

    Doch kaum warst du weg
    saß ich da
    und war
    eine ganze Stunde lang traurig.


    Hier führt er allen vor Augen, welche Folgen das Knausern mit der Zeit nach sich zieht. Wer für einen kurzen Augenblick einen lange bleibenden Nachteil produziert, dem ist der Zeitbegriff gehörig durcheinander geraten.

    Übersetzungen aus dem Russischen, Französischen und Spanischen ins Schwyzerdüetsch schließen den kleinen Gedichtband ab. Hohler wählte dazu Lyrik von Guiseppe Ungaretti, Arthur Rimbaud, Alexander Lozza und anderen aus.

    Sommerzeit
    Die Tage
    werden wieder
    länger

    ohne dich.


    Klaus Hübner


    Franz Hohler. Vom richtigen Gebrauch der Zeit. Gedichte.
    Sammlung Luchterhand. München 2006.
    94 Seiten. 8,00 Euro.
    ISBN: 3-630-62083-3.

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