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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 24. April 2017 | 03:36

     

    J. Gómez-Montero/P. Strien: Du kamst, Vogel, Herz, im Flug.

    09.05.2005

     
    Haltbarkeitsdatum abgelaufen

    Allgemein Konsensware und kaum überraschende Neutöner bringt diese poetische Lieferung aus Spanien, die leider etwas lange unterwegs war.

     

    Zwischen der Gegenwart und dem Jetzt können enorme Zeitspannen liegen. Im Gegensatz zur Lyrik von Jetzt, die ausschließlich Autoren der Jahrgänge 1965 und später versammelt, sind die meisten in der Anthologie der spanischen "Gegenwartslyrik" Du kamst, Vogel, Herz, im Flug vertretenen Dichter bereits gestorben. "Klassiker der Spätmoderne" wäre wohl ein treffenderer Untertitel für diese Gedichtsammlung gewesen. Paul Celan und Rolf Dieter Brinkmann, unsere Zeitgenossen? Diese Analogie legt zumindest das Nachwort nahe, in dem die Auseinandersetzung zwischen hermetischer Dichtung und Alltagslyrik als der dominierende Konflikt in der spanischen Lyrik der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dargestellt wird. Die Importeure bieten Renner der vorletzten Saison an, bei denen zudem eine Reihe von Registern poetischen Sprechens völlig fehlen. Werden in Spanien keine humorvollen Gedichte geschrieben? Hat niemand dort experimentelle Schreibweisen erprobt? Gibt es dort keine politischen Gedichte?

    Kleine Auswahl, große Qualitätsunterschiede

    Doch bleiben nicht nur viel Bereiche lyrischen Sprechens unberücksichtigt, auch die Stilmittel wirken sehr begrenzt und abgenutzt. Was ein aktuelles Gedicht ausmacht: Montage, Verbindung verschiedener sprachlicher Varietäten, Entwicklung einer neuen Metaphorik oder lakonische Drastik, fehlt den meisten der hier vertretenen Gedichte. Die herausragende Ausnahme sind die Texte von Leopoldo María Panero, der in zerrissener Sprache, gespickt mit herben Akzenten, kafkaesker Symbolik und literarischen Anspielungen, eindringliche Familien- und Selbstporträts zeichnet. Seltene Glanzlichter sind auch die surrealen Schockeffekte in den Gedichten von Pere Gimferrer, die unverhüllten sexuellen Darstellungen und literarischen Echos bei Jaime Gil de Biedma sowie die drastischen Bilder des Alterns bei Antonio Gamoneda.

    Ansonsten dominieren metaphysische Dichtung und Alltagslyrik. Bei ersterer besteht häufig die Gefahr, dass sie in Sentimentalität umschlägt, bei letzterer, dass sie sich entweder in pathetischer Selbstdarstellung oder in Belanglosigkeiten erschöpft. Gelingen dem an Paul Celan erinnernden Altmeister der spanischen Lyrik, José Ángel Valente, vieldeutige, aus der mystischen Tradition schöpfende Gedichte, so verfällt hingegen Ángel Crespo in eine erstarrte Lichtsymbolik voller Erhabenheit. Auch die Anverwandlung eines mittelalterlichen Vorstellungsraums bei Juan-Eduardo Cirlot sowie der interessante Versuch von Clara Janés, der einzigen in dieser Anthologie vertretenen Autorin, die Beschreibung von Skulpturen Brancusis mit Mathematik und Naturwissenschaft zu verbinden, scheitern am verklärenden Vokabular. Schlimmer noch sind die Alltagslyrik von José Agustín Goytisolo und die rosenduftenden Liebesgedichte von Ángel González. Sie driften meist völlig in den Kitsch ab: alle Menschen sind glücklich, nur der Dichter traurig, die Frauen sind schön und der Kaffee kalt. Das an sich spannende Ausloten des Spielraums zwischen Realität und Illusion schließlich gerät bei Carlos Barral und José Hierro, deren Gedichte Epiphanien des Alltags einzufangen versuchen, durch ihre allzu gewisse Sprache zu einem recht einseitigen Unterfangen.

    Importverluste

    Die Übersetzungen geben fast immer korrekt den Wortsinn wieder, zerstören aber oftmals ohne Not die sprachlichen Strukturen des Originals. Zudem geben einige Übersetzer den Gedichten durch Wörter wie "jählings", "Wogen", "Dämmer" oder "Schlund" noch einen Extrakick hohen poetischen Tons mit, der die deutschen Texte schnell veraltet oder sentimental erscheinen lässt. Erfreuliche Ausnahme sind die Übertragungen von Gerhard Poppenberg, der viele schöne Lösungen für die Probleme gefunden hat, die eine Übersetzung der Texte von Leopoldo María Panero mit sich bringt. Um nur ein Beispiel aufzuführen: die Mehrdeutigkeit des Satzfragments "pero dura como la piedra" bleibt auch in dem deutschsprachigen Gegenstück "aber harrt wie der Stein" erhalten. Bei anderen Übersetzungen hingegen hilft häufig nur der Blick auf das spanische Original, will man etwas sprachlichen Reiz dieser Gedichte erhaschen. Nicht nur beim Einkauf, auch beim Transport ist hier so einiges verlorengegangen.

    Carsten Schwedes


    Javier Gómez-Montero/Petra Strien (Hg.): Du kamst, Vogel, Herz, im Flug. Spanische Lyrik der Gegenwart. Gedichte 1950 – 2000. Spanisch und deutsch.
    Suhrkamp 2004.
    Geb. 210 S. 14,80 ¤.
    ISBN 3-518-22378-X

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